© Josefstadt/Moritz Schell

Kritik
10/14/2019

Steinhauer in den Kammerspielen: Schmunzeln mit zwei aus der Zeit gefallenen Stars

So ist "Ihnen zuliebe ...“ mit Erwin Steinhauer.

von Werner Rosenberger

Der eine: ton- und wortgewaltig, heiter, aber auch scharfzüngig. Einer der erfolgreichsten Komponisten der silbernen Operettenära: Ralph Benatzky.

Der andere: „a waschechter Meidlinger Bua“, ein populärer Klavierhumorist und Botschafter des Wienerischen: Hermann Leopoldi.

Was haben sie nicht alles geschrieben! Melodien, die um die Welt gingen und bis heute ins Gemüt gehen. Und die geradezu genial mit den zutiefst menschlichen Texten u. a. von Peter Herz und Fritz Löhner-Beda korrespondieren.

Längst zu Evergreens gewordene Lieder der beiden, die in der Zwischenkriegszeit große Erfolge feierten, die die Zeit des Nationalsozialismus in den USA überlebten und sich nur ein einziges Mal begegneten, präsentiert Erwin Steinhauer in den Kammerspielen in seinem neuen Programm „Ihnen zuliebe ...“ im neuen musikalischen Gewand – mit Klezmer Quartett.

Gute-Laune-Abend

Er gibt den Oberkellner Franz in einem charmanten Wiener Café und startet in einen Gute-Laune-Abend mit „Schön ist so ein Ringelspiel“, einer „Reise voller Spaß“, um sich zu Beginn für den blauen Kulissenvorhang zu entschuldigen: „Ich wollte einen in türkis, und er ist blau – aber es ist eh kein Unterschied.“

Steinhauer spürt den teils tragischen Biografien von zwei ganz Großen ihres Fachs nach und illustriert die Zwischenconferencen samt Zitaten von Karl Farkas bis Groucho Marx mit elegisch-lyrisch bis ironisch-witzigen Liedern wie „Ach Luise“, „Was hast du schon davon, dass ich dich liebe“ (aus „Bezauberndes Fräulein“) und „In der Barnabitengasse“: humorvoll, warmherzig, mit emotionaler Tiefe.

Stilistische Vielfalt

Die Band bringt das prononciert Wienerische von „In einem kleinen Café in Hernals“ oder „I muß wieder einmal in Grinzing sein“ ebenso zum Ausdruck wie die stilistische Vielfalt der Chansons, die auch auf die damaligen Modetänze wie Tango, English-Waltz und Foxtrott anspielten. Wobei einige der unsterblichen Schlager akustisch von Wehmut und Heimweh der Emigranten erzäh- len, die ihre Heimat verloren haben. Die nach dem Krieg wie aus der Zeit gefallen wirkten – und doch unvergessen sind. Jubel nach drei „kulinarischen“ Zugaben, u. a. „Powidltatschkerln“ und „Mehlspeis“.