Kultur
01.12.2018

Stefan Petzner: "Will Klischees über mich abbauen"

Der Dancing Star fühlt sich gereift, hat sich von Haider abgenabelt und fürchtet ein frühes Aus bei der ORF-Show.

KURIER: Herr Petzner, Sie haben sich zuletzt als Politik-Berater und Autor einen Namen gemacht. Warum jetzt plötzlich Dancing Star?

Stefan Petzner: Ich habe mir das wirklich lange überlegt, weil der Schritt auf Grund meiner Vergangenheit als Politiker nicht ohne Risiko ist. Ja, es ist ein Wagnis. Aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Deswegen habe ich mich entschieden bei Dancing Stars mitzumachen – und ich werde mich voll reinhauen, obwohl ich zwei linke Beine habe. Und auch wenn ich glaube, dass ich durch den Politikermalus sogar einen Startnachteil habe und es gut sein kann, dass ich bald mal rausfliege.

Sie waren Berater von Jörg Haider, dann BZÖ-Abgeordneter. Ein Ex-Politiker, der für eine nicht unumstrittene Haltung stand, tritt in einer ORF-Familiensendung auf. Ist das guten Gewissens vertretbar?

Ich bin seit mittlerweile über fünf Jahren parteifrei. Es stimmt aber, dass es dazu sicher auch Diskussionen im ORF gab, weil er als öffentlich-rechtlicher Rundfunk hier eine besondere Verantwortung hat. Andererseits: Im deutschen Pendant zum österreichischen „Dancing Stars“ hat auch schon mal eine Ex-Ministerpräsidentin von der SPD mitgemacht. Jedenfalls gibt es die Zusage von mir an den ORF, dass es per sofort und für die gesamte Zeit von Dancing Stars keine Tweets, Statements, keine Polit-Interviews und keine Auftritte in Politik-Talkshows von mir geben wird. Das ist auch mir wichtig. Denn ich nehme als Stefan teil. Als Mensch, so wie er heute ist und lebt und nicht als Ex-Politiker Petzner.

 

Ein Wort, das man mit Ihnen verbindet, ist „Lebensmensch“ (von Jörg Haider, Anm.). Sie wollen von dieser Punzierung wegkommen. Haben Sie mit dem ORF eine Vereinbarung, dass Klaus Eberhartinger keine Schmähs damit machen wird?

Das ist eines der Risiken, dass diese ganze Genese von damals wieder aufgerollt wird. Ja, ich habe damals im TV geweint, als Jörg Haider gestorben ist. Ich finde aber man darf weinen, wenn ein wichtiger Mensch stirbt. Ich stehe dem folgend auch noch heute zu meinen Tränen – trotz aller Kritik. Aber ich bitte die Öffentlichkeit auch zu akzeptieren, dass ein Mensch sich weiter entwickelt im Leben und verändert.

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Ich habe noch nie Dinge wegen Geld gemacht. Weder wenn ich einen Wahlkampf organisiert habe, noch jetzt bei Dancing Stars. Aus vertraglichen Gründen darf ich dazu nichts sagen.

Werden Sie mit einer Profitänzerin oder einem Profitänzer bei Dancing Stars antreten?

Für mich stand immer außer Streit, dass ich da klassisch und vielleicht sogar ein bissl altmodisch bin, was das Tanzen betrifft. Ich werde mit einer Tanzpartnerin auftreten. Aber ich fand es toll, als Alfons Haider mit Vadim Garbuzov als erstes männliches Pärchen bei Dancing Stars auftrat und er es wagte, dieses Tabu zu brechen.

 

Sie wollen den Menschen hinter Stefan Petzner zeigen. Wer ist das?

Ich stehe zu meiner Verantwortung, zu meiner Geschichte und auch zu meinen Fehlern. Die Politik ist ein sehr hartes Geschäft. Ich war Generalsekretär und Wahlkampfmanager von Jörg Haider. Dazu gehört der politische Angriff und die Verteidigung. Das war meine Aufgabe. Es heißt ja auch Wahlkampf und nicht Wahlspaziergang. Aber der Stefan dahinter war immer ein sehr freudiger, weicher, gutmütiger und lustiger Mensch und nicht dieser Polit-Brutalo, wie ich gerne dargestellt wurde. Ich sehe Dancing Stars daher auch als Chance, so manches vielleicht vorhandene Vorurteil und negative Klischee von mir wegen meiner politischen Vergangenheit abzubauen. Ich formuliere es so: Hinter jedem Soldatenhelm steckt auch ein Mensch! Ich war Parteisoldat für Jörg Haider und bin froh, dass ich diesen Helm ablegen darf und nun den Menschen drunter zeigen kann.

Wie schwer war es für Sie, sich von Jörg Haider abzunabeln, obwohl er zehn Jahre tot ist?

Die Jörg-Haider-Zeit war so unglaublich schnell und intensiv. Die letzten Jahre habe ich unter anderem bewusst dazu genutzt, das viele Erlebte einmal richtig zu verarbeiten, aber auch um zu reifen. Jörg Haider habe ich viel zu verdanken, das werde ich auch nie vergessen, aber ich bin eine eigenständige Persönlichkeit. Schrittweise ist es mir gelungen, mich so zu etablieren. Dancing Stars sehe ich als weiteren Baustein dieser Charakterentwicklung und der Wahrnehmung meiner Person.

 

Sie haben einmal gesagt, dass Sie mit 35 sterben wollen. Woher kommt diese Todessehnsucht?

Ich hatte in meiner Jugend diese Rock ’n’ Roll-Einstellung: „live fast, die young“. Auch als politischer Rebell habe ich die Provokation, beispielsweise mit meinen Flügelschuhen, gesucht. Jeder Rebell wird aber, wenn er älter wird, auch milder, gelassener und erwachsener. Als ich zu Haider kam, war ich ja, auf gut Kärntnerisch gesagt, „a junger Bua“ mit knapp 21 Jahren. Von da an stand ich eigentlich in der Öffentlichkeit. Wenn man es so will, hat mich die Öffentlichkeit beim Erwachsen werden begleitet und beobachten können. Wer ist mit 21 schon fertig gebaut fürs Leben? Ich war es jedenfalls nicht. Alles was ein junger Mensch ausprobiert, das Austesten der Grenzen, das Suchen seiner Mitte. Das habe ich daher alles im Fokus der Öffentlichkeit gemacht. Und das war manches Mal sehr hart, weil gerade die politsche Öffentlichkeit gnadenlos ist, keinen Fehler verzeiht, alles ausschlachtet und ich daher oft auch viel einstecken musste deswegen.

Was hat die Familie zu dem Angebot gesagt?

Mein Vater war skeptisch, aber mittlerweile freut er sich auf meine Tanz-Auftritte. Meine Eltern sind mir unheimlich wichtig, weil sie immer, auch in den schwersten Zeiten, treu an meiner Seite gestanden sind. Mein Vater ist ein sensibler Mensch. Er liest alles über mich und verfolgt alles bis ins Detail. Es hat ihn daher oft auch sehr getroffen, wenn ich wieder mal in der Kritik stand. Auch deswegen waren meine Eltern anfangs vorsichtig, ob ich mich wieder derart in den Fokus der Öffentlichkeit stellen soll. Aber meine Kindheit am Bergbauernhof, hat mir eine sehr starke Erdung und Verwurzelung gegeben, Ich besitze so eine Art Urvertrauen, deswegen hauen mich auch Krisen nicht so schnell um.

Was sagen Sie zu ihrer Tanz-Konkurrenz?

Ich bin ein Team-Mensch und so sehe ich uns Teilnehmer auch alle. Wir wollen ja in erster Linie unterhalten. Ich sehe daher die anderen Teilnehmer weniger als Konkurrenten, sondern als Partner. Viele der Dancing Stars samt Profi-Tänzer sind vom ORF gemeinsam in einem Hotel untergebracht. Ich habe daher auch dem ORF bereits gesagt: Ihr könnt das ruhig von meiner Gage abziehen oder ich zahle es selber, aber wenn alle gemeinsam in einem Hotel sind, will auch ich dort sein, obwohl ich mittlerweile in Wien wohne. Denn ich will diesen Team-Spirit erleben und ein Teil davon sein.

Was hätte Haider zum Dancing Star Stefan Petzner gesagt?

Haider war ein sehr guter Sänger. Er war gegenüber Neuem offen. Ich glaube daher auch, er würde es cool und gut finden, dass ich da mitmache. Auf gut kärntnerisch hätte er – mit einem spitzbübischen Lächeln, und weil er, umso heftiger der Sturm um ihn tobte, desto mehr die Ruhe in Person war – einfach gesagt: „Des moch ma scho! Des kriag n ma scho hin!“ Ich bin mir sicher, er drückt mir von da oben ganz fest die Daumen.