Kultur
20.05.2017

Stars der Woche: Les Amazones d'Afrique

Einige der besten westafrikanischen Musikerinnen haben eine echte Super-Group gegründet: LES AMAZONES D’AFRIQUE. Außerdem: Coole neue CDs von Pumarosa, Paramore, It's The Lipstick On Your Teeth. Und ja, die Toten Hosen leben auch noch. Sie sind sogar ganz schön munter!

Sie könnten sich auch einfach „12 Queens“ nennen, haben sich aber für LES AMAZONES D’AFRIQUE entschieden. Passt auch, denn es handelt sich um einige der stärksten Frauen West-Afrikas. Mit dabei sind unter anderen Nneka (Nigeria), Angélique Kidjo (Benin), Massan Coulibaly, Mariam Doumbia (Amadou & Mariam, beide Mali) und die wunderbare Pamela Badjogo (Gabun/Mali). Eine Super-Group, die diesen Namen verdient.

Gemeinsam haben sie die großartige CD „REPUBLIQUE AMAZONE“ aufgenommen. Ein trotz aller Unterschiede homogenes Werk, das malischen Wüsten-Blues, nigerianischen Jazz, Funk, Pop und die traditionellen musikalischen Wurzeln der Damen elegant bis mitreißend miteinander verbindet. Und auch, ohne ihren Hintergrund kennen zu müssen, als perfekte sommerliche Begleiter („Kounani“, „Full Moon“) oder zeitgemäße Sounds für die Hipster-Bar („ Wedding“) funktionieren. Die lässige Vorab-Single „I Play The Kora“ zeigt auch schon das Selbstbewusstsein der „Amazonen“. Die große Handharfe (Kora) durfte über Generationen ausschließlich von Männern gespielt werden. Nneka & Co tun es einfach trotzdem. Recht haben sie.

ROCK
THE WITCH
PUMAROSA

Ganz sicher DAS Debüt des Jahres. Die Londoner Band um Frontfrau Isabel Munoz hat alles, was es zum großen Durchbruch braucht: Authentizität, Hippness, hohen Wiedererkennungswert – und vor allem unglaublich gute Nummern. Rock, Pop, Elektronik, Wave tanzen gemeinsam durch die Studenten-Disco, und Songs wie das mystische „Dragonfly“, der hoch melodiöse Titeltrack, „Gruesom“ oder „Priestess“ stehen ganz weit oben auf meiner ewigen Bestenliste. (Caroline)

POP
AFTER LAUGHTER
PARAMORE

Platin-Alben, ein Grammy, ausverkaufte Hallen, Fans an jeder Ecke – eine richtig steile Karriere für eine kleine Poppunk-Band aus Franklin, Tennessee. Sehnsüchtig erwartet, ist das fünfte Album endlich da – und wie schon die Vorab-Singles „Hard Times“ und „Told You So“ vermuten ließen, setzen Hayley Williams und ihre Jungs voll auf die 80s-Karte. Blondie und La Roux statt Green Day also. Und das kommt tatsächlich richtig gut (Warner)

ROCK/ELEKTRO
SKINTRADE
IT’S THE LIPSTICK ON YOUR TEETH

Sängerin Michelle klingt nach der fantastischen Annabella Lwin von Bow Wow Wow – und hat dadurch bei mir gleich von Anfang an einen Stein im Brett. Die drei Jungs der Band sorgen für atemberaubende Dynamik und bei großartigen Songs wie „Skintrade“, „Cut It“ oder „Holofernes“ für monstermäßige Riffs. Gesegnete Aussichtslosigkeit, heiliger Zorn und glückselige Frustration – alles drin, was eine Jugend gut und richtig macht. (Seayou)

PUNK/ROCK
LAUNE DER NATUR / LEARNING ENGLISH 2
DIE TOTEN HOSEN

Auch nach 35 Jahren bringen Campino & Co jugendliche Energie rüber und drücken bei Songs wie „Urknall“ sogar ordentlich auf die Tube. Zu Wannsee gibt’s durchaus passend karibische Vibes, und dass ihr Hang zu Mitgrölmelodien sie fallweise schmerzhaft nah an den Musikantenstadl des Punk bringt, sei ihnen verziehen. Sehr lässig: die Doppel-CD- Version des Albums. Hier gibt’s alte Punkperlen mit Gästen wie Jello Biafra und Bob Geldof. (Warner)