Kultur
13.12.2017

Star Wars: Generationenkonflikt mit Lichtschwert

Wunderbares Überwältigungskino: Der sehenswerte neue Teil der Saga läuft an.

Ach, die Leiden der Erbengeneration.

Papa und Mama hatten noch diese wunderbare Schwarz-Weiß-Welt, in der das Böse böse und das Gute gut und die Revolution richtig war. Das war Rock’n’Roll.

Wie unangenehm komplex die Welt seither geworden ist! Auch auf der dunklen Seite gibt es jetzt schon Kekse, jeder Sieg ist zugleich eine Niederlage (wir meinen dich, Innenpolitik!), und man kann nicht einmal mehr sicher sein, dass die Fortsetzung eines Filmes schlechter ist als das Original.

" Star Wars – Die letzten Jedi" ist, insofern, ein aktueller Film. Die Walleumhang und Lichtschwert tragende nächste Generation steht an genau dieser zeitgeschichtlichen Kreuzung, zwar vor einer wirklich langen Zeit in einer anderen Galaxie, aber sei’s drum. Auch dort haben die Eltern – Luke! Leia! Han! Darth! – die großen, die essenziellen Kämpfe wegerledigt, damals gab es wunderbar klare Fronten und die Hoffnung darauf, Teil eines dramatischen größeren Schicksals zu sein.

Rey, Finn, Poe, Kylo nun müssen diese alten Schlachten wieder besuchen, und sie entdecken dort Graustufen und Zwischentöne, die das Leben nicht leichter machen. "Kein Wort in diesem Satz war richtig", sagt Mark Hamill, der eine geglückte Rückkehr als Luke Skywalker feiert, gleich zwei Mal. Es gibt keine einfachen Antworten mehr, im zweiten Teil der aktuellen Star-Wars-Trilogie ist nichts klar, außer dass die Eltern ein übermächtiges Erbe hinterließen.

Auf der Suche

Kylo Ren (vielschichtig: Adam Driver), Sohn von Han Solo und Leia, hadert auf der dunklen Seite stehend mit dem Licht in sich.

Rey (Daisy Ridley) sucht ihre Rolle in dem Generationendrama, und das ausgerechnet bei Luke, der die Last der Jedi-Geschichte auf seinen Schultern trägt und sich genau deshalb nicht neuer Hoffnung hingeben will. Poe (Oscar Isaac bleibt einen Tick zu eindimensional), als draufgängerischer Kampfpilot nun Ersatz-Han-Solo, sucht einen Kampf und findet viele Gründe dagegen.

Und Finn (der unterhaltsame John Boyega) sucht eine Aufgabe, und findet dabei den fadesten und unschlüssigsten Teil der Handlung auf einem Spielhöllen-Planeten, den man dann beim Heimkonsum überspulen kann, um die doch ausufernde Filmdauer (152 Minuten) ein wenig zu limitieren.

Sonst aber ist der neue Star-Wars-Film das, was die Fortsetzungen immer sein wollten: Ein wiederauferstandener Kindertraum, eine wunderbar geglückte Überwältigungsmaschine mit Weltraumschlacht, Witz und lieben neuen Wesen.

Und mit Pfeffer in der Story. Regisseur Rian Johnson hat es geschafft, nicht nur einen Star-Wars-Best-of-Remix zu liefern, worauf sich der Vorgängerfilm beschränkte. Sondern die neue Trilogie (nach offizieller Zählung sehen wir Teil VIII) inhaltlich so voranzutreiben, dass endlich Fragen gestellt werden – und offen bleiben. Das Imperium schlägt zurück, aber es tut das auf neuartige Weise, mit Zeitlupenpsychoterror, mit Verlockungen jenseits der puren Macht. Die Einschläge sind umso wuchtiger.

Wir alle, die wir mit " Star Wars" groß geworden sind, werden auch mehrmals schlucken müssen. Letztmalig ist Carrie Fisher als Leia zu sehen "Warum schaut ihr mich an, folgt ihm!", ist einer ihrer letzten Sätze.

Am Schluss dann stehen die Kinder endlich vor eigenen Kämpfen. Und vor der Aufforderung: Träumt weiter von den Sternen.

Luke Skywalker" Mark Hamill: "Die Zeit der Jedi ist zu Ende

Keine Frage: Luke Skywalker ist die Rolle seines Lebens.

Bevor Mark Hamill 1977 erstmals als junger Science Fiction-Held in "Krieg der Sterne" zu sehen war, hatte er sich mit Auftritten in Seifenopern und Werbespots über Wasser gehalten, ehe er – George Lucas sei Dank! – zum Weltstar wurde. Nach dem Ende der ersten "Star Wars"-Trilogie wurde Hamill die Rolle des Sohnes von Darth Vader allerdings nicht ohne weiteres wieder los; deswegen verdingte er sich vor allem als Synchronsprecher für Zeichentrickserien (u.a. als Joker in "Batman").

Dass er auch etwas für kleine, schräge Filme übrig hat, bewies der 66-jährige zuletzt mit der Komödie "Brigsby Bear". 40 Jahre nach seinem Durchbruch hat Hamill in "Star Wars: Die letzten Jedi" einmal mehr einen großen Auftritt als Luke Skywalker.

KURIER: Mr. Hamill, was können Sie über Luke Skywalker in "Die letzten Jedi" verraten?

Mark Hamill:Ich war natürlich selbst ganz gespannt auf den neuen, also alten Luke, denn zuletzt in "Star Wars 7 – Das Erwachen der Macht" haben wir ja nichts erfahren. Da dreht er sich am Ende um, aber sein Gesichtsausdruck sieht nicht gerade happy aus. Man kann nicht sicher sein, ob er Rey (Kämpferin, gespielt von Daisey Ridley, Anm.) mit offenen Armen empfangen wird oder doch der grantige Nachbar ist, der "runter von meinem Rasen" ruft. Nun werden wir feststellen, dass in ihm ein bisschen Yoda genauso steckt wie ein bisschen Obi-Wan.

Wie bitte?

Haha, okay, das klingt jetzt schräger, als ich es meinte. Lassen Sie mich also doch ein bisschen verraten, zumindest von Lukes Vorgeschichte. Sein Problem ist, dass er eigentlich Kylo Ren (der neue Bösewicht, gespielt von Adam Driver, Anm.) als den nächsten Jedi ausgewählt hat und sich jetzt fürchterlich schuldig fühlt, weil er sich getäuscht hat. Aufgrund dieser Schuld hat er sich in die Isolation zurückgezogen und lebt wie ein Mönch. Aber gleichzeitig muss ich sagen, dass ich viele Aspekte der Rolle mit mir selbst ausmachen musste. Denn ich bin nun einmal nicht mehr der Protagonist der Geschichte. Es geht jetzt um Rey.

Können Sie damit gut leben?

Dass es neue, junge Helden gibt? Selbstverständlich. Doch an manche neue Entwicklung in unserem "Star Wars"-Universum musste ich mich gewöhnen. Luke war immer ein unglaublich optimistischer Typ, sozusagen die Verkörperung der Hoffnung. Und jetzt musste ich Sätze sagen wie: "Die Zeit der Jedi ist zu Ende." Das war ein Schock, für mich genauso wie für die Fans, die das im Trailer das erste Mal hörten. Gleichzeitig bin ich aber natürlich genau wegen solcher Sachen so begeistert von J.J. Abrams, und nun unserem neuen Regisseur, Rian Johnson. Schließlich wird es in Sachen "Star Wars" immer schwieriger, die Leute noch zu überraschen.

Waren Sie eigentlich von Anfang an von der Idee angetan, für eine neue Trilogie zurückzukehren?

Ich hatte lange Zeit Bedenken, nicht zuletzt, weil ich aus finanzieller Sicht nicht unbedingt arbeiten müsste. Wir hatten damals für unsere ersten Filme eine Geschichte mit Anfang, Mittelteil und Ende. Was sollte also noch kommen? Außerdem erinnerte ich mich gut, was George Lucas durchmachen musste, als er später die Prequels drehte. Nicht, dass ich an denen alles toll fand. Aber diese Reaktionen à la "Er hat uns unsere Jugend ruiniert" fand ich doch sehr übertrieben. Auf so etwas hatte ich keine Lust. Allerdings dachte ich auch die längste Zeit nicht, dass es je so weit kommen würde.

Warum nicht?

Ich hatte mir immer geschworen, dass ich bei einer Neuauflage nur mitmachen würde, wenn Han Solo auch mit dabei ist. Und ehrlich gesagt, war ich mir ziemlich sicher, dass eine "Star Wars"-Rückkehr das letzte wäre, was Harrison Ford je in Erwägung ziehen würde. Dafür ist er doch viel zu reich – und vor allem viel zu genervt davon, auf die alten Filme angesprochen zu werden. Aber dann hieß es plötzlich: Ford ist bereit für eine Rückkehr. Da war mir klar, dass ich nicht aus der Sache herauskommen würde. Sonst wäre ich der meistgehasste Mann der Fangemeinde geworden.

Haben Sie und die alten Kollegen sich über Ihre Entscheidung ausgetauscht?

Nicht mit Harrison, nein. Carrie Fisher und ich saßen dagegen schon seit 2012 im selben Boot. Da traf sich George Lucas mit uns zum Lunch, um uns zu erzählen, dass er die Firma verkaufe, Kathleen Kennedy nun das Sagen in Sachen "Star Wars" habe und gerne eine neue Trilogie drehen würde. Carrie war sofort begeistert, obwohl ich ihr zum Pokerface geraten hatte. Doch sie hatte keine Lust, sich lange bitten zu lassen, weil Rollen für Frauen in ihrem Alter nicht auf der Straße lagen. Das leuchtete mir ein. Aber wie gesagt: Erst als wir hörten, dass auch Harrison dabei ist, war klar, dass die Sache für uns alte Hasen Realität wird.

Vermissen Sie Carrie Fisher?

Und wie. Ich werde nie aufhören, sie zu lieben und zu vermissen. Und ich spreche immer noch im Präsens über sie, so als wäre sie noch bei uns. Aber ich bin auch wütend auf sie, weil sie nicht mehr hier ist. Eigentlich war ihr Timing immer super, aber nicht, was ihren Tod angeht. Sie sollte doch heute hier neben mir sitzen. Und sie sollte auch im nächsten Film mit dabei sein. Sie ist doch unersetzlich. Durch ihren Tod umweht "Die letzten Jedi" eine Melancholie, die gar nicht vorgesehen war. Und es macht mich unglaublich traurig, dass ich akzeptieren muss, dass sie nicht mehr da ist. Wobei ich weiß, dass Carrie nicht wollen würde, dass wir so viel trauern. Wäre sie hier, würde sie mir den Stinkefinger zeigen!

Haben Sie eigentlich noch alte Requisiten von den Dreharbeiten zur ersten Trilogie? Ein Lichtschwert zum Beispiel?

Ich habe noch die Stiefel, die ich im allerersten "Star Wars"-Film trug. Und ich bekam auf Nachfrage den Stormtrooper-Helm, den ich trug, als ich Prinzessin Leia rettete. Wobei das Ding längst nicht mehr intakt ist. Das Visier war nur mit Klebeband angebracht, was sich natürlich längst gelöst hat. Das ist ja überhaupt das Lustige: all die Helme und Schwerter, die Sie im Handel kaufen, hatten eine viel höhere Qualität als die, die wir bei den Dreharbeiten verwendeten. Unsere wurden immer erst in letzter Minute produziert und mussten nur ein paar Wochen halten.