Kultur
06.05.2017

Star der Woche: FAZERDAZE

Eine junge Neuseeländerin macht den Frühling einfach zauberhaft: FAZERDAZE. Außerdem gibt's neue, richtig gute CDs von Little Dragon, Wende Punkt, John Mayer. Und ein sentimentales Wiederhören mit einer alten Liebe...

Zuerst waren die Beatles. Dann 90s Gitarrenbands, Slackermusik von und für orientierungslose Jugendliche auf Skateboards, wenn sie nicht gerade mit Dosenbier in Opas abgewetztem Fauteuil vor der Glotze sitzen – also ganz einfach großartig. Für Amelia Murray ist das alles Geschichte, aber eine, die sie im heimatlichen Wellington regelrecht aufgesogen hat. Und so schmiedet sie unter dem Künstlernamen FAZERDAZE derart bezaubernde kleine Songperlen zur elektrischen Gitarre, Bass und Drumcomputer, dass man jede einzelne von ihnen ganz einfach umarmen möchte.

Das verträumte „Little Uneasy“, ihren schrulligen Indie-Hit „Lucky Girl“, zu dem sie im Video auf ihrem Longboard völlig stressbefreit an neuseeländischen Palmen vorbeigleitet, die Ballade „Jennifer“, das stampfende „Half Figured“ und den hippiesken Schrummschrummrock von „Last To Sleep“, ja, den ganz besonders, und immer wieder. Dieser jungen Frau gelingt es beinahe mit jedem Song Stimmungen einzufangen, die jeder mal erlebt, gefühlt haben sollte. Und die Sonne natürlich, bei aller jugendlicher Melancholie bleibt doch die Sonne, das Gefühl, dass irgendwo am Strand Freunde warten ... Die hat sie inzwischen auch gefunden, Fazerdaze ist zu einer kompletten Band angewachsen, wie im neuen Video "Take It Slow" zu sehen ist.

Im heimatlichen Neuseeland ist die 23-Jährige derzeit everybody’s darling. Vielleicht wird sie ja das nächste große Ding nach Lorde, auch wenn sie dafür zu introvertiert scheint. Aber wer weiß, die Neuseeländerinnen haben grad einen Lauf – doch dazu demnächst mehr.

SOUL/DISCO
JUMP ON BOARD
TEXAS

Was, wenn einem eine alte Liebe eine Aufforderung zum Tanz ins Ohr säuselt? Man macht sich ohne jeden Genierer zum Affen, wackelt mit dem Popo, rührt Butter, wickelt Wolle, scheitert erbärmlich am Electric Slide – und ist trotzdem glücklich. Wenn also die umwerfende Sharleen Spiteri zu mir sagt „Let’s Work It Out“, dann bin ich dabei. 80s-Northern-Soul mit einer kräftigen Prise Disco, elegant („For Everything“) bis melancholisch („Message“) – und wenn’s zu abbaesk wird, gönnen wir uns halt ein Rüscherl. (BMG)

POP
SEASON HIGH
LITTLE DRAGON

Die hippen Schweden, deren Verkaufszahlen seit Jahren den Kritikerhymnen in Respektabstand hinterherhumpeln, haben beschlossen, die kalifornische Sonne zu genießen und ganz einfach Spaß zu haben. Und? Mann, das tut ihnen richtig gut! Die zappeligen Anfälle und verkopften Richtungswechsel sind Geschichte, es regiert eine groovy Atmosphäre mit himmlischen Melodien, an denen auch der große Prince eine Freude hätte. Dazu wirft Sängerin Yukimi Nagano derart billige japanische Samples ein, das es schon wieder sexy ist. (Warner)

SONGWRITER
MUT ZUM WUNSCH
WENDE PUNKT

Ernst ist nicht wirklich in. Protest? Höchstens als Schmäh verkleidet. Und dann gibt es dieses fantastische Band um Songwriterin Wendi Gessner. Ihr gelingt es mit so klugen wie poetischen Texten Dinge anzusprechen, wie man es seit den goldenen 70s kaum mehr hört. Echte Gefühle statt dumpfes Getöse, kleine Alltagsbeobachtungen und die großen sozialen und politischen Bedrohungen. Songs wie „Was?“ und „Ich geh“ machen Wende Punkt zu einer der wichtigsten Bands der Stunde. Dass sie schön auch noch sind, ist quasi das Sahnehäubchen. (dramatic)

SOUL/ROCK
THE SEARCH...
JOHN MAYER

Die einen mögen ihn nicht, weil er der größte Weiberer von allen ist, die anderen finden ihn zu smooth – Fakt ist aber, dass Herr Mayer eine teuflisch gute Gitarre spielt. Dermaßen anstrengungslos und relaxt, dass man weit in der Geschichte zurückgehen muss, um ähnliche Qualität zu finden. Außerdem glänzt er auf seiner aktuellen CD auch als Songwriter. „Still Feel Like Your Man“, „Helpless“, „Moving On“ sind Tracks, da können alle supergehypten Neo-Souler einpacken, dazu gibt’s himmlisch schöne Balladen – mehr geht eigentlich nicht. (SMI)