Kultur
29.04.2017

Star der Woche: ANKATHIE KOI

Eine Bayerin macht Beats, die die Welt erobern werden? Wer's nicht glaubt, der lese und höre. Ankathie Koi ist unser "Star der Woche". Außerdem: Großartige CDs von Kendrick Lamar, 5/8erl in Ehr'n, Gary Clark jr. und den Stoner-Rockern von Swanmay.

Kathi Winklbauer aus Burghausen in Oberbayern, das klingt jetzt vielleicht nicht sooo spannend. Aber (groß geschrieben): Bessere Disco-Vocals, meine Damen und Herren, haben wir seit Róisín Murphy (Moloko) in ihrer allerbesten Zeit nicht mehr gehört. Mit ihrer supercampen Wave-Pop-Folk-Band FIJUKA begeistert die Wahlwienerin seit einigen Jahren die internationale Tanzszene („Behave“, „Ca Ca Caravan“, „Cold Brat“), jetzt hat sie unter ihrem Künstlernamen ANKATHIE KOIeine beinahe uneingeschränkt famose Solo-CD herausgebracht: „I Hate The Way You Chew“, was mich an eine großartige Szene aus dem „Rosenkrieg“ mit Kathleen Turner erinnert, aber dafür ist Frau Winklbauer wohl zu jung. Für ihre Musik ist sie das prinzipiell auch, vielleicht macht sie ihr ja gerade deshalb so viel Spaß. Und uns auch.

Treibendes Zeugl aus der Konserve, „Don’t You Want Me, Baby“-Synthies, bedingungsloser Wille zur Pop-Melodie – erraten, wir sind tief in den 80s. Schicke Schulterpolster, Hochglanzwäsche und tonnenweise Drei-Wetter-Taft inklusive. Mit „Black Mamba“ geht die Scheibe gleich ordentlich los, „Cult“ legt sogar noch eins drauf. Was sie sonst noch alles kann zeigt sie mit Songs wie „Loose“, reduziert zu Keyboard und Fingerschnippen, und dem grandiosen „Come On, Do To Me What I Did To You“.

HIP-HOP
DAMN.
KENDRICK LAMAR

Der Mann kann einfach nichts falsch machen. Im Gegenteil, jede seiner CDs ist noch besser als die vorige. Beats und Samples zum Zungenschnalzen, ein früher Sommer-Hit mit Rihanna („Loyality.“), mal zart („Yah.“, „Love.“), mal hart („DNA.“, „XXX.“), immer auf dem Punkt. Und als Autor ist Lamar am absoluten Höhepunkt („Duckworth.“). Das ist mehr als Rap, mehr als Pop: Story-Telling im Sinn der großen Geschichtenerzähler, die jahrtausendelang ihre Zuhörer gefesselt und fasziniert haben. Ja, wir sprechen hier von einer Zeit vor YouTube. (UMI)

SOUL
DUFT DER MÄNNER
5/8ERL IN EHR’N

Wienerisch als Musiksprache verkommt oft zum trostlosen Vehikel für Klischees, die vor lauter Lustig-selbst- auf-die-Schenkel-Klopfen und aus unerfindlichen Gründen dann als „Schmäh“ gefeiert werden. Und dann gibt’s die „5/8erl“n. Ihr Wienerisch singt und groovt und swingt, und man ist immer wieder überrascht, wie gut das passt, Soul & Wien. Das kann dann auch witzig sein wie in „Geh bitte, Bobo“, bissig und doch federleicht („Cheesy Kern“), poetisch („Kuss“) und ganz einfach ebenso intelligent wie großartig im Hannah-Arendt-Blues „Wenn dein Mund ...“ (Soulfood)

ROCK/BLUES/SOUL
LIVE/NORTH AMERICA 2016
GARY CLARK JR.

Der Mann aus Austin, Texas, gilt als regierender König des Blues. Zu Recht, wie er vor allem live beweist. Und zwar ganz gerne. Zwei Live-Alben in nur drei Jahren? Ein Kauf zahlt sich trotzdem aus, denn die vorliegenden Songs kennt man so noch nicht – und sie sind tatsächlich ein Erlebnis. „Grinder“ fährt richtig ab, „When My Train“ bekommt Roughness, „The Healing“ wird zu einer regelrechten Live-Messe mit apotheotischem Gitarrensolo. Dazu gibt’s ausgezeichnete Covers („Honest I Do“, „My Baby’s Gone“) und natürlich den alten Kracher „Numb“. (Warner)

ROCK/STONER
STONER CIRCUS
SWANMAY

Mächtige Gitarren, zum Anschlag verzerrt. Ein Zeugler, der tatsächlich die Qualität seiner Trommelfelle und Becken prüft. Klass, ich mag das. Und eines mag ich noch mehr, denn es hebt die Jungs vom Heer an gitarrenschwingenden Adoleszenzrockern und Kyuss-Epigonen ab: Sie haben Songs! Echte, funktionierende Songs, nicht nur einen Riff. Der Titeltrack ist ein beinahe epochales Meisterwerk, „Lake On Fire“ ein Sieben-Minuten-Ritt durch alle Highlights des Wüstenrock. Für die Traditionalisten unter uns: Black Sabbath mit guter Stimme. Großartig. (Rough Trade)