Star der Woche: ALDOUS HARDING

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Aldous Harding ist nicht gekommen, um von Gänseblümchenwiesen zu singen. Ihre Songs sind todtraurig - aber wunderschön. Außerdem: Neue, fantastische CDs von Sevdaliza, Mary J. Blige, Tinie Tempah und den Gorillaz.

Aldous Harding gilt als Neuseelands neues, ganz großes Popwunder. Also quasi the next Lorde. Und das völlig zu Recht, auch wenn ihre Musik nichts mit dem eklektischen Pop ihrer Superstar-Landsfrau zu tun hat. Harding kommt vom Folk, hat mit Landeier-Romantik allerdings nichts am Hut. Ihre Songs sind dunkle Pop-Perlen, zu akustischer Gitarre und Piano singt sie über ihre Sehnsüchte und Ängste, Träume und Albträume. Und das mit einer Stimme, die für spontane Gänsehautaufstellung sorgt. Wobei ihr rauchiger Alt in Sekundenbruchteilen zu einem Teenage-Angst-Gellen hochschnellen kann.

Mit Party kommt nächsten Freitag ihr neues, zweites Album heraus. John Parish (PJ Harvey) hat produziert und spielt fallweise E-Gitarre. Neun Songs von einer derart klaren Schönheit, wie man sie selten hört. Herausragend das dramatische „Horizon“, die todtraurige Ballade „I’m So Sorry“, das melancholische „Imagining My Man“ und das am ehesten folkige „Blend“. Und wem beim verzweifelten Liebesgeständnis des Titeltracks nicht das Herz bricht, der hat wohl einfach keines.

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Mehr CDs

Plattenlabel… Foto: Plattenlabel POP
HUMANZ
GORILLAZ

Damon Albarns Gorillaz sind endlich wieder aus dem Käfig – und haben eine fantastisch gute Platte mitgebracht. „Strobelite“ ist ein unwiderstehlicher Disco-Hadern, bei dem man einfach seine 70s-Dance-Moves auspacken MUSS, die melancholische Autotune-Orgie „Saturnz Barz“ bringt Gewitterstimmung in die Karibik, Gaststar Kelela haucht „Submission“ sexy Nu-Soul-Vibes ein, Albarns minimalistisches Duett mit Grace Jones („Charger“) ist schlichtweg phänomenal. 19 tolle Songs, viele Gäste (Mavis Staples, De La Soul, Carly Simon, Jenny Beth, Imani u.a.) – beinahe etwas zu wenig Gorillaz. (PLG)

Plattenlabel… Foto: Plattenlabel HIP-HOP
YOUTH
TINIE TEMPAH

Die meisten Nummer-1-Hits in England, Prinz William ist sein Kumpel, das Londoner Stadthaus von Designer-King Alexander McQueen hat er aus seiner Portokassa bezahlt – Patrick Okogwu ist einer der größten Stars des Vereinigten Königreichs. Das baut natürlich Druck auf, gerade bei einem Rapper, der schon auch ein bissl von der street credibility lebt. Vier Jahre hat Tinie, wie er sich nennt, für sein aktuelles Album gebraucht. Und? Er kann’s noch. Richtig Lässiges („Youth“, „Not For The Radio“, „Something Special“) trifft auf potenzielle Hits („Girls Like“) und leider auch ein wenig Meterware („Chasing Flies“). (PLG)

Plattenlabel… Foto: Plattenlabel TRIP-HOP/ELECTRONIC
ISON
SEVDALIZA

Magisch. Sorry, aber anders kann man die Musik der iranisch/ holländischen Künstlerin Sevda Alizadeh nicht nennen. Vom ersten Track „Shahmaran“ an spinnt sie ein perfektes, zart schimmerndes Netz an Melodien, Sounds und Beats, das einen völlig gefangen nimmt. 16 Songs lang hält sie eine Intensität aufrecht, die keine Lautstärke oder gehämmerten Beats braucht. Zu Synthie, spärlichem Piano und einem Zeugl, das an frühe Portishead erinnert (was ja nicht das schlechteste ist), reichen ihre Stimme und perfekt eingesetzte Loops, um eine der CDs des Jahres zu produzieren. (Twisted)

Plattenlabel… Foto: Plattenlabel R’N’B
STRENGTH OF A WOMAN
MARY J. BLIGE

Es bräuchte gar keine neun Grammys, um Ms Blige zur bedeutendsten Soulsängerin der Gegenwart zu machen. Wobei ein bisschen Anerkennung und Ruhm natürlich nie schaden. Aber ihre Sonderstellung unterstreicht sie selbst einfach durch ihre Musik. Allein wie sie im Opener „Love Yourself“ Old-School-Soul und Gospel mit zeitgemäßen Synthies und einem herrlich schleppendem Zeugl verbindet, ist grandios. Im Gegensatz zum Vorgänger-Album „The London Sessions“ hält sie sich mit gröberen Modernismen zurück – und zeigt den aktuellen Soul-Küken mit ihrer Stimme, wo der Bartl den Most herholt. (UMI)

(KURIER freizeit am Samstag) Erstellt am
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