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30 Jahre Sportfreunde Stiller: Da kommt noch was

Die Sportfreunde Stiller feiern Jubiläum mit einem neuen Album und erzählen im KURIER-Interview, warum sie drei Jahre nicht miteinander geredet haben.
Titel: Sportfreunde Stiller - Mit dem Herz in der Hand

„Unseren Hit ,Applaus, Applaus’ haben wir in Leogang geschrieben. Unser erster Radioeinsatz war auf FM4. In Gmunden haben wir unsere ersten Autogramme geschrieben und unsere Segelscheine gemacht. Dann war dieses erste ausverkaufte Konzert in Wien im Chelsea. Die Stimmung in den 90er-Jahren im Flex, Nächte, in denen wir eure Hauptstadt auf der Suche nach Käsekrainern durchstreift haben ...“

Wenn man die Sportfreunde Stiller nach Österreich fragt, wollen sie gar nicht mehr aufhören, die denkwürdigen Ereignisse, die sie mit unserem Land verbinden, aufzuzählen. Denn „ganz viel“, sagt Bassist Rüdiger Linhof im KURIER-Interview, habe für das deutsche Trio in Österreich begonnen: „Als Münchner leben wir ums Eck und unser erster Weg hinaus war zu euch.“

Hymnisch mit Humor

Dreißig Jahre ist das jetzt her. Das Jubiläum feiern Linhof, Sänger und Gitarrist Peter Brugger und Schlagzeuger Florian Weber mit dem Freitag erscheinenden Album „Happy Birthday“. Die zehn neuen Songs im typischen Sportfreunde-Stil, der zwischen Rock, Pop und Punk angesiedelt ist, würzen sie diesmal hier mit ein bisschen Hip-Hop-Flair, dort mit Anklängen an die 80er-Jahre. Wie immer tun sie das mit hymnischen, sofort mitsingbaren Refrains und viel Humor in den Texten. Gepaart mit unbändigem Drive und Spielfreude verbreiten die drei mit dem Album jede Menge gute Laune und Optimismus – ohne die kritische Weltlage auszublenden.

„Das war immer schon unser Anliegen“, sagt Florian Weber. „Denn das, was in der Welt vorgeht, beschäftigt uns schon sehr. Wir sprechen im Proberaum stundenlang über die politische Disbalance in der Welt. Wir haben da natürlich nicht alle Hebel in der Hand, aber unser Dreh bei den Songs ist, mit Humor einen kleinen Ansatz zu einer Lösung zu finden und positiv auf die Welt zu blicken.“

Hilfe für die Ukraine

Deshalb besingen die Sportfreunde in „Hey Hey, Buddies!“, dass das Leben viel schöner ist, wenn man es ohne Hass und umgeben mit Menschen, die man liebt, verbringen kann. Und in „Wir laden uns auf“ beschreiben sie, wie man Kraft für den Umgang mit dem Alltag schöpfen kann.

Linhof betreibt seit vielen Jahren den Kultur.Konvoi, mit dem er humanitäre Hilfe für die Ukraine mit Kulturprojekten verbindet. Zum Beispiel mit Liveschaltungen zu Künstlern in der Ukraine, die bei Festivals, in Fußballstadien oder an anderen Orten mit LED-Wänden gezeigt werden. „Die Künstler sitzen dann in ihren Schutzräumen oder Kellerstudios und sprechen mit uns darüber, wie das Leben für sie gerade ist“, erklärt Linhof. „Damit wollen wir Leute zusammenbringen und gemeinsam in die Zeit hineinspüren. Aber wir organisieren auch Surf-Camps für traumatisierte Kinder, weil wir der Meinung sind, dass Schönheit, das Zusammenkommen und Optimismus die wirksamsten Mittel gegen all das sind, was uns auseinandertreibt.“

Anständiges Miteinander

Aber nicht nur dem engagierten Bassisten war es ein Anliegen, den Song „Vergiss die Zukunft nicht“ an den Schluss des Jubiläumsalbums zu stellen. Darin erinnern die Sportfreunde nämlich daran, dass alles, was wir heute hier machen, Auswirkungen auf die Zukunft hat – und die Menschheit eine entsprechende Verantwortung gegenüber dem Leben und dem Planeten.

„Mir kommt es oft so vor, als hätten die Entscheider und Meinungsbildner überhaupt nicht am Schirm, dass nach uns noch wer kommt“, sagt Weber. „Es schockiert mich, dass sie nicht daran denken, dass diese Welt nicht nur für uns ist, sondern auch für unsere Kinder und hoffentlich noch für viele Generationen nach unseren Kindern. Mit dem Song sagen wir: Wir sind hier noch lange nicht fertig, wir sollten uns dringend und verstärkt um ein anständiges Miteinander bemühen.“

Die ausführliche TV-Doku über die Sportfreunde-Karriere, die zur Albumveröffentlichung am 12. Juni auf ARD ausgestrahlt wird, zeigt, wie die drei Musiker dieses Prinzip auch untereinander gelebt und damit nach einer schweren Krise wieder zusammengefunden haben. Denn von 2017 bis 2020 haben die drei „nur sehr wenig“ miteinander gesprochen.

Herzblut

„Wir waren bis dahin 20 Jahre gemeinsam unterwegs gewesen“, erklärt Linhof. „Dabei haben wir einander die ganze Zeit so gesehen und behandelt wie Studenten, wie in der Zeit, als wir zusammenkamen. Aber irgendwann waren wir 40 und haben ganz anders auf das Leben geschaut, andere Dinge erwartet, hatten aber nicht die Sprache dafür. Das war eine schlimme Zeit, aber sie hatte ihren Sinn. Denn als wir während Corona dann doch wieder im Proberaum zusammenkamen, haben wir gemerkt, dass das, was uns zusammenhält, stärker ist, als das, was uns auseinanderbringt.“

Was die Sportfreunde Stiller auch nach 30 Jahren noch zusammenhält, beschreibt Weber: „Wir wollen alle drei mit der gleichen Leidenschaft und dem gleichen Herzblut Menschen begeistern und zusammenbringen.“

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