Kultur
07.03.2018

Spira hört mit "Liebesg'schichten" auf

Die kommende 22. Staffel wird die letzte sein.

Die für diesen Sommer geplante 22. Staffel von Elizabeth T. Spiras kultiger PartnervermittlungssendungLiebesg'schichten und Heiratssachen“ wird die letzte sein. Wie die Kleine Zeitung am Mittwoch vermeldet, wird das erfolgreiche Format auslaufen. Für die anstehenden Folgen werden noch Singles gesucht. Interessenten können sich beim ORF melden.

Mehr als 1.000 Menschen porträtiert

In den seit 1997 gesendeten 21 Staffeln der „ Liebesg'schichten und Heiratssachen“ ließen sich in 210 Folgen insgesamt 1.057 Menschen in der Sendung auf ihrer Partnersuche porträtieren. Davon fanden mehr als 272 ihr Liebesglück, insgesamt 47 Paare gaben einander sogar das Jawort, darunter auch sechs gleichgeschlechtliche Paare, die ihre Partnerschaft offiziell eintragen ließen. Auch über Nachwuchs freute man sich bereits: Bisher erblickten vier „Liebesg'schichten und Heiratssachen“-Babys das Licht der Welt.

Die bisher letzte Staffel (2017) erreichte durchschnittlich 963.000 (bei einem Marktanteil von 35 Prozent).

Elizabeth. T. Spira: "Ich brauche die Peitsche"

Elizabeth. T. Spiras Amorpfeile fliegen in den kommenden Sommerwochen wieder tief und werden wohl den einen oder anderen auf der Couch treffen. 987 Singles in 202 Sendungen hat die 74-Jährige in ihrem erfolgreichen TV-Format "Liebesg’schichten und Heiratssachen" bereits porträtiert – 271 von ihnen konnten ihr Glück kurz- oder langfristig finden.

Weitere erfolgreiche Verkuppelungen werden dazukommen, denn ans Aufhören denkt die ORF-Quotenkönigin nicht, obwohl sie sich ihre Luft mittlerweile besser einteilen muss. Denn Spira ist seit geraumer Zeit "ein bisschen lungenkrank", wie sie im KURIER-Interview sagt. "Ich habe COPD und bekomme daher oft zu wenig Luft, vor allem bei körperlicher Belastung. Das Fitnessstudio geht sich zwar nicht mehr aus, aber für die ,Liebesg’schichten‘ reicht es locker noch."

KURIER: Sie könnten längst Ihren Ruhestand genießen. Was hindert Sie daran?Elizabeth T. Spira: Mir machen die Arbeiten für die "Liebesg’schichten" noch immer Spaß. Und so lange ich geistig und gesundheitlich in der Lage bin und der ORF meine Sendung haben möchte, mache ich weiter. Klar, ich befinde mich in einem Alter, in dem andere schon längst zu Hause im Schaukelstuhl sitzen und ihren wohlverdienten Lebensabend genießen, aber das wäre mir zu langweilig. Ich brauche ständig eine Aufgabe, einen äußeren Zwang – die Peitsche (lacht). Auch deshalb, weil ich ansonsten in eine unglaubliche Faulheit verfallen und schnell verblöden würde.

Fasziniert Sie der Blick hinter die menschliche Fassade? Ja, das ist eine meiner größten Leidenschaften. Außerdem ist es immer lustig, eitle Männer zu interviewen. Denn wenn jemand 60 Jahre alt ist und gerne eine 30-jährige Freundin möchte, ist das für mich eine Aufforderung, genauer nachzufragen: Was kann dieser Mann einer jungen Frau bieten? Oft ist das nicht viel. In der neuen Staffel haben wir diesmal einen 60-jährigen Junggesellen, der zwar viele Frauen in seinem Leben hatte, sich aber nie auf etwas einlassen wollte. Der will jetzt auf einmal heiraten und Kinder in die Welt setzen. Da muss ich natürlich nachfragen, warum er in diesem Alter noch Vater werden möchte? Und ob ein Kind nicht darunter leidet, wenn der Papa bei der Matura bereits 80 ist.

Viele Kandidaten kommen mittlerweile aus dem gutbürgerlichen Milieu. Wie erklären Sie sich das? Weil viele aus dieser sozialen Schicht keine Angst mehr haben, im Fernsehen über ihre Gefühle zu sprechen. Das freut mich, weil es für meine Sendung essenziell ist, wenn Menschen vor laufender Kamera ihr Herz öffnen. Ich persönlich würde keinen Seelenstrip im Fernsehen hinlegen. Denn danach würden ja viele fremde Menschen wissen, wer ich bin, wie es mir geht, dass mich mein Mann verlassen hat und ich jetzt einen neuen suche. Das wäre mir peinlich.

Bereits jeder vierte Österreicher findet die Liebe über das Internet. Würden Sie sich persönlich so verkuppeln lassen? Ich persönlich kann es mir nicht vorstellen, dass ich einen Partner über das Internet suchen würde. Falls ich jemanden suchen wollte, würde ich lieber ins Kaffeehaus gehen und dort jemanden ansprechen, der mir gefällt. Ich würde mir auch nie mit einem mir noch unbekannten Mann ein Date ausmachen. Natürlich ist es spannend, fremde Menschen kennenzulernen, das ist ja auch mein Beruf, aber nicht für diesen Zweck. Beim Kennenlernen war mir immer der Augenkontakt wichtig. Dieses Treffen zwischen zwei Augenpaaren geht ja immer mehr verloren, denn jeder schaut nur mehr auf sein Smartphone. Vor allem die Jungen sind ständig damit beschäftigt.

Sind Sie früher auf Männer zugegangen und haben sie angesprochen? Wenn mir jemand gefallen hat, habe ich schon gut gewusst, wie ich mich nähere (lacht). Geklappt hat das natürlich nicht immer.

Sie haben im Rahmen Ihrer Arbeit schon viel gesehen. Was könnte Sie noch überraschen? Irgendwelche Perversionen gibt es sicher, die ich noch nicht kenne. Aber mit diesen komme ich nicht mehr in Berührung, denn meine Kollegen führen vorab lange und intensive Gespräche mit den Bewerbern und Bewerberinnen. Danach wird ausgefiltert. Erst nach der Auswahl komme ich mit den Kandidaten in Kontakt. Im Gespräch entdecke ich meistens offene Wunden und Punkte, in die ich dann hineinfragen kann.

Wie hat sich Österreich in den vergangen Jahren verändert? Die Gesellschaft ist offener geworden. Das ist positiv. Ich kann mich an eine Dokumentation erinnern, die ich noch vor den "Alltagsgeschichten" gemacht habe. Darin ging es nicht um die Frage, was ist Homosexualität, sondern um das Schicksale von Homosexuellen in der Nazizeit und um die Rechtslage. Der ORF war zwar total aufgeregt, hat mir das aber erlaubt. Nach der Ausstrahlung wurde viel darüber geschimpft. Heute regen solche Reportagen und Dokus kaum noch jemanden auf.

Anscheinend doch, weil die Homo-Ehe fand im Parlament unlängst keine Mehrheit ... Ja, weil das die ÖVP unter ihrem neuen Chef Sebastian Kurz verhindert hat. Ein echter Skandal. Da ist die CDU in Deutschland wesentlich weiter.

Was halten Sie vom neuen ÖVP-Obmann? Ich halte Sebastian Kurz – im Gegensatz zu anscheinend vielen Österreichern – für keine tolle Persönlichkeit. Das Einzige, was er gut kann, ist reden und damit Wähler blenden. Er schmückt sich gerne mit fremden Federn und heftet sich die Erfolge anderer auf seine Fahne. Er mag zwar einen frischen Wind in die ÖVP gebracht haben, aber er ist nicht im Stande zu sagen, wie seine Politik aussieht und welche Ziele er verfolgt: Wie steht es um die Pensionen? Wie schaut es mit neuen Arbeitsplätzen und Reformen aus? Zu diesen Themen habe ich von Sebastian Kurz noch nie ein klares Wort gehört. Wenn sich die Menschen von seiner Show blenden lassen, könnte es mir ja eigentlich egal sein, denn mich betrifft das als fast 75-Jährige nur noch am Rande. Aber es ist mir nicht egal, denn es geht um die Zukunft Österreichs.

Bleiben wir bei der Politik. Was sagen Sie zu den Grünen und zur Causa Peter Pilz? Als emanzipierte Frau und Feministin sage ich Ihnen Folgendes: Wo zu viele Frauen das Sagen haben, funktioniert die Organisation nicht. Und das kann man bei den Grünen zurzeit ganz gut beobachten. Das schadet der Partei. Auch der Abgang von Peter Pilz ist ein Rückschlag für die Grünen. Dass es so weit kommen konnte, ist mir unerklärlich. Ich bin natürlich für neue, junge, frische Kräfte, aber es hängt immer davon ab, wer nachkommt. Für was Julian Schmid, von dem ich noch keinen "bedeutenden" Satz gehört habe, überhaupt steht, weiß ich nicht.