© Joan Fontcuberta & Pere Formiguera

JUAN FONTCUMBERTA

Spiel mit Traumwelten

Tiere, die es nicht gibt. Menschen, die am Himmel fliegen: Der spanische Fotograf Juan Fontcuberta gilt als einer der innovativsten Vertreter seiner Zunft.

von Karl Oberascher

03/31/2013, 06:02 PM

Autor, KĂŒnstler, Kurator und Fotograf. Juan Fontcuberta ist ein vielseitig begabter Mann. Was seine vielen TĂ€tigkeiten verbindet, ist sein stetes Streben nach Innovation. „Ich bin ein Konzept-KĂŒnstler, der Fotografie verwendet“, beschreibt der 58-jĂ€hrige Spanier seinen Zugang zur Fotografie.

Fliegender Affe

In einer seiner bekanntesten Fotoserien dokumentierte Fontcumberta das KuriositĂ€tenkabinett des Dr. Ameisenhaufen. Gemeinsam mit seinem Kollegen Pere Formiguera hatte er das das Archiv des deutschen Zoologen mit dem wunderlichen Namen Ende der Achtziger Jahre entdeckt. Der sensationelle Fund zeigte unter anderem einen Affen mit einem Einhorn und FlĂŒgeln. Die Bilder der wunderlich-dĂŒsteren Serie wurden unter anderem im Museum of Modern Art ausgestellt. Dass das nicht mit rechten Dingen zugehen konnte und der sensationelle Fund des verschollen geglaubten Archivs mehr der Fantasie Fontcuberta’s zu verdanken war, sollte nicht weiter verwundern. Denn: „Es ist alles sehr witzig.“ Der Spanier spielt mit den Erwartungen der Zuseher und findet nichts daran, wenn jemand in seine Falle tappt.

Können Bilder lĂŒgen?

Augenzwinkernd hinterfragt der studierte Kommunikationswissenschaftler das Vertrauen der Menschen in die Fotografie. FĂŒr seine Serie „Sputnik“ erfand er die Geschichte des russischen Kosmonauten Ivan Istochnikov. Bei einem tragischen UnglĂŒck mit seiner Sojus 2-Rakete soll dieser im Jahr 1967 im All verschollen sein. Die russische Regierung wollte den weiteren RĂŒckschlag in der bemannten Raumfahrt vertuschen und löschte alle Spuren zur Existenz des Kosmonauten. In seiner Ausstellung enthĂŒllte Fontcumberta 1997 neue Beweise wie Familienbilder, die das tragische Schicksal belegen wĂŒrden. Eine abstruse Geschichte, die jedoch Eingang in die urbanen Mythen Spaniens fand.

Geheimnisvoll

Eine AtmosphĂ€re des Geheimnisvollen findet sich im gesamten Werk des Spaniers. In den frĂŒhen siebziger Jahren orientierte er sich noch direkt an den Ideen des Surrealismus, um die politischen VerhĂ€ltnisse in Spanien zu kommentieren. SpĂ€ter beschĂ€ftigte er sich mit der Wirkung von Bildern und dem Vertrauen in das Medium.

30 Jahre Spiel mit Traumwelten: Ein Einblick in das Werk Fontcumbertas

"Nobelpreis der Fotografie"

Wieviel Vertrauen schenken Menschen den Bildern, die sie sehen? Fontcumberta beschĂ€ftigt sich mit der Wirkung der Fotografie. FĂŒr dieses Spiel mit den Möglichkeiten des Mediums wurde Fontcuberta Anfang dieses Monats mit dem renommierten Hasselblad-Preis ausgezeichnet. Der Spanier zĂ€hle zu den innovativsten zeitgenössischen Fotografen, begrĂŒndete die Jury unter dem Vorsitz von Ute Eskildsen ihre Entscheidung. Die mit einer Million schwedischen Kronen dotierte Auszeichnung, das sind umgerechnet knapp 110.000 Euro, gilt weltweit als einer der wichtigsten Preise fĂŒr Fotografie.

Am 25. Oktober 2013 wird eine Ausstellung mit Arbeiten von Fontcuberta im Hasselblad Center in Göteborg zu sehen sein. FrĂŒhere Hasselblad-PreistrĂ€ger sind unter anderen Robert Frank, Richard Avedon, Henri Cartier-Bresson und Ansel Adams.

Joan Fontcuberta ist einer der bekanntesten KĂŒnstler Spaniens / Kataloniens. Mit seinen Werken war der 1955 in Barcelona geborene Tausendsassa in zahlreichen internationalen Sammlungen vertreten – unter anderem im New Yorker MoMA, Chicago Art Institute oder in Valencia IVAM.
Nach fast vier Jahrzehnten, in denen er sich hauptsÀchlich der Fotografie gewidmet hat, schuf er zuletzt auch theoretische Arbeiten, die einen Fokus auf den Konflikt zwischen Natur, Technologie, Fotografie und Wahrheit legen. Seit 2008 ist Fontcumberta auch als PrÀsident der Visual Artists Association in Katalonien tÀtig.

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