Kultur
19.01.2018

Sopranistin Nafornita: Vorsicht bei Opern-Modernisierungen

Die moldawische Sopranistin Valentina Naforniţa über soziale Medien, moderne Regie und ihre Künstlerehe.

Zu den vielleicht unerwartetsten Folgen der sozialen Medien zählt, dass die einst scheinbar unerreichbaren Opernsängerinnen dort ganz nahe sind. Valentina Naforniţa, aus Moldawien stammende Sopranistin, etwa zeigt sich auf Instagram, wie sie "Rusalka" singt – als Wassernymphe im Bikini im Wasser stehend.

Und auch sonst präsentiert sich die aus dem Ensemble der Wiener Staatsoper bekannte Sängerin mit schönen Bildern in vielen Momenten ihres privaten und beruflichen Lebens. Zum Einstieg ins KURIER-Interview die Frage: Ist das heute Teil der Karriere?

Valentina Naforniţa: Wenn man es gerne macht, ist es gut. Aber ich habe viele Kollegen, die das nicht machen – und die es auch nicht brauchen. Ich habe wundervolle Menschen dort getroffen.

Da sind wohl Menschen dabei, die nicht Oper hören. Kann man die so heranholen?

Natürlich! Sie sehen mich – und wie ich singe. Und ein paar davon beginnen vielleicht, Oper zu mögen. Andere beginnen sie vielleicht zu hassen! (lacht) Ich versuche, meinen Job auf andere, modernere Weise zu präsentieren.

In Wien gab es eine große Diskussion nach der Bestellung des nächsten Operndirektors, ob das Genre als Ganzes modernisiert werden muss.

Ich denke, dass es die Sänger früher besser hatten – ohne Social Media. Dort bekommt man viel Kritik, gemeine Kommentare. Das hilft niemandem, das ist keine gute Inspiration. Aber wenn man ein jüngeres Publikum ansprechen will, muss man etwas weiterentwickeln. Aber man muss sehr vorsichtig sein! Das kann auch gefährlich sein. Man muss klassisch bleiben – denn das ist es, was schön ist an der Oper, an den alten Produktionen.

Denken Sie, dass die #MeToo-Debatte dazu führen wird, dass in der sehr männerdominierten Oper die eine oder andere Frauenrolle neu interpretiert werden wird? Wie etwa die Zerlina im Don Giovanni, die Sie in Wien singen (am Samstag im Livestream, www.staatsoperlive.com, Anm.)?

Ich denke, das passiert bereits. Man kann alles tun – wenn es eine Verbindung zu dem hat, was Mozart ausdrücken wollte. Und wenn es interessant ist, denn das zählt für das Publikum. Ich lehne moderne Produktionen keineswegs ab. Aber sie müssen passen. Und klug und interessant sein.

Was hat Sie an Oper interessiert, gibt es eine familiäre Vorbelastung?

Nein. Ich habe gesungen, bevor ich gesprochen habe. Als ich fünf Jahre alt war, wollten meine Eltern Nachrichten schauen – und schalteten am Fernseher um, wo gerade Ballett lief. Ich fing an zu weinen. Meine Eltern waren überrascht! Als ich mit 16 Jahren meine musikalische Ausbildung anfing, wollte ich Popsängerin werden. Aber so einen Kurs gab es nicht, also begann ich eine klassische Ausbildung. Nach der ersten Stunde sagte ich: "Oh mein Gott, meine Stimme kann das alles!" Und ich entschied, Opernsängerin zu werden.

Und dann ging es rasant: Im Gegensatz zu anderen jungen Sängerinnen starteten Sie nicht an einem kleinen Haus, sondern gleich im Ensemble der Wiener Staatsoper.

Das war kein Schritt, das war ein Sprung (lacht). Das Entscheidende folgt aber nach dem Sprung: Dann muss man hart arbeiten, um die Position zu erhalten – und weiterzuwachsen. Das ist das Härteste.

Ist Ihr Beruf so, wie Sie ihn sich vorgestellt haben?

Nein. Ich habe mir natürlich vorgestellt, dass es leichter sein würde. Und dass es ein Leben wie im Film sein würde.

Oder wie auf Instagram.

Ja, aber dort poste ich schon auch Sachen aus meinem normalen Leben. Man will natürlich nicht seine Probleme dort auswalzen. Das wollen die Menschen nicht sehen, sie wollen die schönen Dinge. Und ja, es ist ein wundervolles, schönes Leben. Ich bin froh und dankbar, aber man muss auf sich aufpassen. Das kostet viel Energie, auch die Familie und den Partner.

Ist es schwieriger mit einem Sänger (Mihail Dogotari, Anm.) als Ehemann, also zwei Künstler in einer Ehe?

Nicht bei uns. Er kann großartigen Rat geben. Denn er hat mich an meinen besten Tagen gehört. Und an Tagen, die nicht so wundervoll waren. Es geht nicht nur um Technik. Es geht um alles: Seele, Körper, Denken und Gefühle.

Kommt daher Ihr soziales Engagement in Moldawien?

Es gibt so viele arme Familien dort. Wenn der Staat die Kinder einmal weggenommen hat, ist es schwierig, sie zurückzubekommen. Wir versuchen zu helfen. Es ist so wichtig für Kinder, bei ihren Eltern zu sein.