Song Contest mit Feuer, Katzen, Geigen – wir haben die ersten Beiträge gehört

Die meisten Songs für den ESC im Mai in Wien stehen bereits fest - wir haben uns Favoriten und Quoten-Schlusslichter angehört.
Pete Parkkonen mit Pokal und Linda Lampenius mit Geige posieren vor einem glitzernden Hintergrund.

Die Teilnehmerliste für den Eurovision Song Contest im Mai in Wien ist schon gut gefüllt – auch wenn ein paar Länder wie Schweden und Tschechien noch ausständig sind. Wir haben uns durch die bereits veröffentlichten Songs gehört und zu zwölf davon ein paar Notizen gemacht. Mit dabei sind Ethno-Pop-Nummern, Gothic Rock und Italo-Schlager.

Finnland: Lampenius & Parkkonen - „Liekinheitin“

Feuer auf der Bühne bringt nicht immer Glück – das wissen wir seit dem letzten Platz der „Makemakes“. Linda Lampenius und Pete Parkkonen konnten sich damit dennoch beim  finnischen Vorentscheid UMK durchsetzen: „Liekinheitin“ (zu Deutsch: Flammenwerfer) heißt das Lied des Duos, in dem dramatische Geigenmelodien auf treibenden Pop treffen. Sicher einer der interessantesten Beiträge dieses Jahr und befindet sich aktuell verdient  auf Platz 1 der Wettquoten.

Griechenland: Akylas - „Ferto“

Mit dem im besten Sinne verrückten Beitrag „Ferto“ zählt Griechenland zu den diesjährigen Fan-Favoriten. Sänger Akylas tanzt dafür mit Katzenhauberl und Flauschestiefeln durch die Gegend, musikalisch könnte man das Lied wohl mit der deutschen Band Deichkind nach einem Tavernenbesuch vergleichen. In die Mitte des flotten Dancepop-Hits mit Ethno-Elementen schleicht sich dann plötzlich eine Ballade, in der die liebe Mama besungen wird. Ein Sänger, der sich nicht zu ernst nimmt – das kommt beim ESC traditionell gut an. Dabei ist „Ferto“ nicht bloß eine reine Spaßnummer – im Text geht es um Kapitalismuskritik.

Israel: Noam Bettan - „Michelle“

Nach zwei Jahren mit Balladen wollte man in Israel etwas anderes probieren – und hat sich für Noam Bettan entschieden: Auf Englisch, Französisch und Hebräisch widmet er sich einer gewissen „Michelle“, in einem pathosgeladenen Pop-Hit mit Flamenco-Anleihen. Wirkt zunächst eher unspektakulär,  könnte live aber überzeugen. An dem Song hat übrigens Vorjahresact Yuval Raphael mitgeschrieben.

Australien: Delta Goodrem - „Eclipse“

Seit Jahren fragen sich Song-Contest-Fans, wie Australien denn  eigentlich zur Eurovision passt. Musikalisch scheint es da heuer weniger Zweifel zu geben und so hat es „Down under“  in die Top 3 der Quoten geschafft. Delta Goodrem ist in ihrer Heimat ein Star, nach Wien fährt sie mit  „Eclipse“ – einem professionellen Pop-Song mit kitschigem Power-Refrain und interessanter Klaviereinlage zum Schluss. Den Sand aus dem in der Wüste gedrehten Video muss sie nicht mitbringen.

Dänemark: Søren Torpegaard Lund - „Før vi går hjem“

In einer durchsichtigen Box tanzend konnte Søren Torpegaard Lund den dänischen Vorentscheid mit dem eingängigen Dance-Pop-Song „Før vi går hjem“ für sich entscheiden. Und falls Sie sich jetzt denken: Der Titel klingt fast so, als würde jemand  „bevor wir heimgehen“ sagen, liegen Sie vollkommen richtig. Es geht um eine Liebe, von der man nicht lassen kann – aktuell zurecht auf Quoten-Platz 2.

Estland: Vanilla Ninja - „Too Epic To Be True“

Hier gibt es ein Wiedersehen mit alten ESC-Bekannten: Die Pop-Rock-Girlgroup Vanilla Ninja ist 2005 mit „Cool Vibes“ für die Schweiz angetreten und auf Platz 8 gelandet. Nun versucht es die Band für ihr Heimatland Estland erneut. Den Beitrag „Too Epic To Be True“ dürften sie auch bereits rund um ihren ersten Song Contest geschrieben haben – zumindest klingt er entsprechend aus der Zeit gefallen nach Nullerjahre-Pop. 

Rumänien: Alexandra Căpitănescu - „Choke Me“

Fans härterer Klänge kommen beim rumänischen Act auf ihre Kosten. Sängerin Alexandra Căpitănescu hat 2023 eine Castingshow gewonnen, absolviert gerade ein Physikstudium und wird  in Wien „Choke Me“ zum Besten geben: eine coole Gothic-Rock-Nummer, in deren Refrain es in luftige Höhen geht. 

Italien: Sal Da Vinci - „Per sempre sì“ 

Das renommierte Sanremo-Festival – und damit das Ticket für Wien – hat heuer der neapolitanische Sänger Sal Da Vinci gewonnen. „Per sempre sì“ ist ein klassischer Italo-Schlager, der wohl ein paar Jahrzehnte zu spät eingereicht wurde. Da Vinci feiert darin die Institution der Ehe mit einem Text, den in Italien nicht alle für zeitgemäß halten. Auch die Steh-Performance im Anzug schreit nicht unbedingt „modern“. Mangelnden Enthusiasmus kann man dem freudestrahlend singenden Da Vinci hingegen nicht vorwerfen.

Luxemburg: Eva Marija - „Mother Nature“

Der Kategorie Folk-Pop mit Flatterkleidung ist der diesjährige Beitrag aus Luxemburg zuzuordnen:  Eva Marija besingt in dem Lied „Mother Nature“, sie tritt barfuß, Geige spielend und mit einnehmendem Lächeln auf.  Ein  atmosphärischer Song, den man sich gut im Radio vorstellen kann. Vorwürfe, es könnte sich um ein Plagiat von Birdy handeln, wurden von RTL nach Prüfung zurückgewiesen. 

Kroatien: Lelek - „Andromeda“

Geheimnisvolles gibt’s heuer aus Kroatien: Die fünf Sängerinnen der Ethno-Pop-Band Lelek kommen in „Andromeda“ zu einer Art Hexenbeschwörung auf der Bühne zusammen. Der Gesang ist hoch dramatisch, die elektronischen Sounds könnten aus dem Trailer für einen Sci-Fi-Blockbuster stammen.

Großbritannien: Look Mum No Computer - „Eins Zwei Drei“

Was tun gegen den grauen Alltag? Der britische Sänger Sam Battle mit dem schönen Künstlernamen Look Mum No Computer hat da eine einfache Lösung: einfach mal bis zehn zählen – und zwar auf Deutsch. „Eins Zwei Drei“ heißt sein Song, in dem er mit flotten Elektrosounds dem Hamsterrad entfliehen will. Für eine Spaßnummer wirkt er vielleicht etwas düster, Zahlenspiele können aber bekanntlich erfolgreich sein – im Vorjahr hat Europa etwa zum Finnischen yksi, kaksi, kolme mitgesungen.

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