Sogar ein Bär erinnert uns ans Geld

autor clemens berger, honorarfrei wegen buchrezens…
Foto: /Andrea Duscha Clemens Berger, 1979 in Güssing geboren

Clemens Berger ruft das "Jahr des Panda" aus. Versteht man jetzt besser, was einen Wert hat?

Keine Kompromisse mehr.

Der "Zeit im Bild"-Moderator springt auf. Schon wieder hätte er eine Meldung über Banken und ihre Rettung vorlesen sollen.

"Ich kann das nicht mehr, meine Damen und Herren. Ich will das nicht mehr. Ich will nicht mehr ernsthaft dreinblicken dabei."

Geht ab.

Der ORF-Mann ist nur eine winzige Nebenfigur. Hauptattraktion ist ein Pandabär, der in Schönbrunn zur Welt kommt. (Was kürzlich ja tatsächlich geschehen ist.)

So ein Panda steht für Entschlossenheit. Weiters ist er Symbol für: Träume ausleben. Aber auch für Ichbezogenheit; und wenn man nachdenkt: Leider steht sogar er mittlerweile für Geld, denn die Miete ist für die Tiergärten sehr teuer, China casht ...

"Und die Bären stehen für die Bedrohung des Planeten, aber auch für den Versuch, ihn vielleicht doch noch zu retten", sagt Clemens Berger. "Die Menschen mögen sie, weil sie fressen, schlafen, ein bisschen durch die Gegen wackeln, also – für unsere Begriffe – faul sein dürfen."

In Formaldehyd?

Clemens Berger bringt alles unter einen Hut. Er verzahnt, verhakt, sein Roman ist ein großes Werkl geworden, mit dem man ins Heute hineinschaut und durchschaut, wie tot manche sind.

So komplex wie "Im Jahr des Panda" schrieb der 37-Jährige jedenfalls noch nie.

In einem seiner früheren Bücher wurde ein Streichelinstitut eröffnet, 75 Euro für eine dreiviertel Stunde, kein Sex! Wenn die Menschen entspannt sind, könnte doch vieles einfacher werden ...

Ist es nicht.

Noch komplizierter wurde alles. Nehmen wir den berühmten Kasimir Ab. Er malt Hände und ärgert sich selber, dass seine Bilder Millionen kosten. Soll er seine Scheiße in Formaldehyd legen und seine DNA als Zertifikat beifügen?

Als Protest verkauft er seine "Mädchenhände mit Radiergummi" auf dem Flohmarkt in Oberwart um 600 Euro. Ergebnis: Der Käufer hängt das Gemälde nicht an die Wand, sondern lässt es versteigern. Geld, Geld, Geld.

Selbst befüllt

Pia steckt ihm 500 Euro zu. Sie hat Kasimir Ab für einen Sandler gehalten. Pia und ihr Freund Julian arbeiten im Sicherheitsdienst: Sie befüllen Bankomaten. Eines Nachts befüllen sie nichts, sondern flüchten mit einer halben Million, "um ein Leben zu leben, das diesen Namen verdient."

Was hat einen Wert? Was soll einen Wert haben? Und was bloß einen Preis? Den Literaturpreis der Wirtschaftskammer wird der Burgenländer Clemens Berger dafür jedenfalls nicht bekommen ...

"Es ist ein Roman über unsere Zeit, darum ist er notgedrungen antikapitalistisch. Ob ich dafür Preise bekomme oder nicht, interessiert mich nicht."

Clemens Berger:
„Im Jahr des Panda“
Luchterhand Verlag. 672 Seiten. 24,70 Euro.

KURIER-Wertung: **** und ein halber Stern

(kurier) Erstellt am
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