Kultur
18.10.2017

Smarte Idee: Valie Export in der Tabakfabrik

Am 10. November wird in Linz das "Valie Export Center" für Medien- und Performancekunst eröffnet.

Vor zweieinhalb Jahren, im April 2015, erwarb die Stadt Linz den Vorlass von Waltraud Lehner, die sich seit 1967 als Künstlerin " Valie Export" nennt. Schon damals wurde die Gründung eines "Valie Export Center Linz" vereinbart. Das internationale Forschungszentrum für Medien- und Performancekunst wird, wie bei einem Pressegespräch am Dienstag in Linz bekannt gegeben wurde, am 10. November in der ehemaligen Tabakfabrik eröffnet. Es erstreckt sich über 322 m² im 1.Stock, die Räume gliedern sich in Archivräume, die Bibliothek sowie einen Arbeits- und Veranstaltungsbereich.

Bereits am Tag davor wird die von Sabine Folie kuratierte Ausstellung "Valie Export. Das Archiv als Ort künstlerischer Forschung" im Lentos eröffnet. Sie gibt erste Einblicke in das umfangreiche Material, das u. a. aus dem Konvolut "Körperkonfigurationen" (1972–1982 mit Fotografien, Entwürfen) sowie den Wachsköpfen "Heads – Aphärese" (2002) und der Video-Installation "Die un-endliche/-ähnliche Melodie der Stränge" (1998) besteht. Ergänzt wird der Archivteil um Autografen, Briefe, Texte, Zeitungsausschnitte, Datenträger, Dias und Modelle.

Das Archiv wurde in den Sammlungsbestand des Lentos Museums eingebracht, das damit "die größte Erweiterung seit Ankauf der Sammlung Gurlitt in den 1950er-Jahren erfuhr".

"Loslassen ist schwer"

Waltraud Lehner wurde 1940 in Linz geboren und besuchte dort die Kunstgewerbeschule, bevor sie nach Wien ging. Ihre Karriere begann Ende der 1960er-Jahre durch aufsehenerregende Aktionen im öffentlichen Raum, die im performativen Bereich und in der Medienkunst anzusiedeln sind.

Das Archiv soll laufend ergänzt werden, die Künstlerin selbst will es in den nächsten Jahren noch begleiten – auch um sicherzugehen, dass alles richtig eingeordnet sei. Aber die Strategie wolle sie, sagte Valie Export beim Pressegespräch, anderen überlassen. Allerdings gibt sie zu: "Loslassen ist schwer."

Die Finanzierung der Archivaufarbeitung hänge von der nächsten Leistungsvereinbarung ab, so Kunstuni-Rektor Reinhard Kannonier. Valie Export habe internationale Bedeutung – "und das geht auch die Bundesregierung etwas an", gab er sich vorsichtig optimistisch. Es bestehe bereits großes Interesse, ein PhD im Bereich der performativen und feministischen Kunst am Valie Export Center zu machen."