Skandal bei Premiere von "Tannhäuser"

Eine Theaterszene mit Schauspielern in Kostümen vor einem blauen Bühnenbild.
In der höchst strittigen Düsseldorfer Wagner-Inszenierung wird während der Ouvertüre eine Gaskammer gezeigt.

Die drastische Inszenierung von Richard Wagners "Tannhäuser" als Nazi-Verbrecher mit der Darstellung des Mordens in Gaskammern hat bei der Premiere in der Düsseldorfer Rheinoper heftige Reaktionen ausgelöst. Nach nur 30 Minuten gellten am Samstag empörte Buhrufe aus dem Publikum, verärgerte Zuschauer verließen ihre Plätze, einige knallten die Türen. Regisseur Burkhard C. Kosminski, der Intendant des Mannheimer Schauspiels, hatte für seine erste Operninszenierung die sagenhafte Handlung um Tannhäuser im Venusberg und den Sängerkrieg auf der Wartburg in der Zeit des Nazi-Regimes und der Entstehung der Bundesrepublik angesiedelt.

Während der berühmten "Tannhäuser"-Ouvertüre sinken nackte Darsteller in einem Kreuz aus gläsernen Würfeln, die sich mit Nebel füllen, zu Boden. Der Venusberg, bei Wagner Ort der hedonistischen Liebe, wird zum Schauplatz einer brutalen Erschießungsszene. Venus in Nazi-Uniform und ihre SS-Schergen ermorden eine Familie und zwingen Tannhäuser dazu, ebenfalls zu töten.
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Bilder aus der umstrittenen Inszenierung

Eine Theaterszene mit Schauspielern in Uniformen vor einem blauen Bühnenbild.

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Eine Frau in Uniform steht inmitten einer Gruppe uniformierter Männer.

Eine Frau in Uniform wird von einem Mann in einer Bühneninszenierung gehalten.

Eine Opernszene mit einer Frau auf einer Bühne und einer Gruppe Männer im Frack, von denen einer am Boden liegt.

Ein Mann im Anzug kniet neben einem am Boden liegenden, blutverschmierten Mann.

Ein Mann im Anzug hält eine Nonne im Arm.

Ein Mann im Anzug steht auf einer Bühne, umgeben von weiteren Personen.

Ein Mann steht auf einer Bühne, während ein anderer mit einem Messer in einem Glaskasten steht.

Eine Frau in einem blauen Kleid steht auf einer Bühne über einer Gruppe von Männern.

Ein Mann mit Hakenkreuz-Armbinde steht auf einer Bühne, im Hintergrund weitere Personen.

Eine Person in Nonnentracht steht vor einer Wand, auf die eine andere Person ein Fragezeichen malt.

Wütendes Publikum

Sänger und Chefdirigent Axel Kober, der im Sommer die "Tannhäuser"-Inszenierung von Sebastian Baumgarten auf dem "Grünen Hügel" in Bayreuth dirigieren wird, bekam langen Applaus. Regisseur Kosminski aber erntete, kaum hatte er die Bühne betreten, wütende Buhrufe. "Beleidigung" und "Alptraum" waren nur einige Reaktionen. Sogar bei der anschließenden Premierenfeier wurde Kosminski noch Zielscheibe der Wut einiger Zuschauer, so dass Opernintendant Christoph Meyer die Gäste zur Ordnung rief.

Im Jubiläumsjahr des 200. Geburtstags Wagners mag es nahe liegen, den Antisemitismus des Komponisten und seinen Einfluss auf die Nazi-Ideologie zu thematisieren. Kosminski aber hat Wagners romantischer Oper, die sich um den Konflikt zwischen exzesshafter und keuscher Liebe dreht, das NS-Motiv übergestülpt, um daran das Thema von Schuld und Sühne abzuarbeiten. Ihn bewege die Frage, wie man mit Tätern und Opfern umgehe und aus einer Welt des Schreckens heraus eine neue Ordnung konstituiere, sagte er.

Ströme von Theaterblut

Doch Tannhäusers Aufenthalt im Venusberg als Hort der sündenhaften Liebe eignet sich nicht als Metapher für die Monstrosität der Nazi-Verbrechen. Vielmehr droht die plakative Darstellung dort zu relativieren, wo nichts relativiert werden sollte. Dass in der Düsseldorfer Inszenierung Ströme von Theaterblut fließen, vergewaltigt wird und die Tannhäuser verfallene Elisabeth sich am Schluss auf der Bühne anzündet, macht es noch schlimmer.

Am Ende schenkt das blutüberströmte Kind der von den Nazis erschossenen Eltern dem Verbrecher Tannhäuser einen blühenden Zweig - als Symbol der Vergebung, die es nicht gibt. Die "Holzhammer"-Methode Kosminskis und seines Bühnenbildners Florian Etti dürfte angesichts der Millionen Toten der Nazi-Gewaltherrschaft von vielen als Beleidigung der Opfer angesehen werden.

Angesichts der Dominanz des Schauspielerischen rückte die beachtliche Gesangsleistung des schwedischen Tenors Daniel Frank, der zehn Jahre Rocksänger war, in den Hintergrund. Ansonsten setzte die Inszenierung auf Wagner-erfahrene Sänger: Markus Eiche als leidenschaftlich-tragischer Wolfram von Eschenbach, Elena Zhidkova als unterkühlte Venus, Elisabet Strid als mädchenhaft-schwärmende Elisabeth, Thorsten Grümbel als Landgraf.

Die Inszenierung habe schon während der Probenzeit heftige Diskussionen ausgelöst, erzählen Beteiligte. Tannhäuser werde zu einem "Albtraum deutscher Geschichte", heißt es im Begleitheft. "Was hat das mit Tannhäuser zu tun?", fragt ein erboster Herr, bevor er das Parkett fluchtartig verlässt.

(Von Dorothea Hülsmeier, dpa)

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