© Theater an der Wien/MONIKA RITTERSHAUS

Kultur
05/05/2020

"Signale der Hoffnung“ im Theater an der Wien 2020/21

Intendant Geyer präsentierte 13 Premieren für 2020/’21, Regiedebüt von Alfred Dorfer.

Es sind wirklich keine leichten Zeiten für Kulturschaffende. Doch das (Musiktheater)-Leben soll im Herbst endlich wieder weitergehen. Auch im Theater an der Wien, wo Intendant Roland Geyer für die Spielzeit 2020/’21 gleich 13 Premieren (inklusive Kammeroper) angesetzt hat.

„Ich bin ein Optimist, der nach vorne schaut“, so Geyer, der nach den Coronapandemie-bedingten Absagen von einem pünktlichen Saisonbeginn am 16. September ausgeht. Eine einzige, noch für heuer vorgesehene Produktion (Bellinis „Norma“ mit Asmik Grigorian in der Titelpartie) musste ersatzlos gestrichen werden. Alles andere konnte – wie Geyer betont – „gerettet“ werden.

Geretteter Engel

So wird etwa Sergej Prokofjews „Feuriger Engel“ in der Inszenierung von Andrea Breth im März 2021 seine Premiere feiern. Auch die für die Kammeroper geplanten Projekte können – allerdings erst in der Spielzeit 2021/’22 – wohl stattfinden.

Eröffnet aber wird die unter dem „atmosphärischen“ Leitfaden „Vor Abendrot“ stehende Saison mit Ruggero Leoncavallos Rarität „Zazà“ in der Regie von Christof Loy. Danach aber könnte es heikel werden. Denn für George Gershwins Meisterwerk „Porgy and Bess“ hat Geyer ein internationales Ensemble samt Chor aus Kapstadt verpflichtet. „Mit ist klar, dass uns dann noch gültige, allfällige Reisebeschränkungen betreffen könnten“, so Geyer. Aber: „Ich bin zuversichtlich, dass wir Lösungen finden können und werden. Ich hoffe, dass bis Oktober die Pandemie keine großen Auswirkungen auf unseren Spielplan haben wird. Aber wir sind auf vieles vorbereitet.“ Kurzfristige Umbesetzungen hält Geyer für möglich, „Immerhin leben viele Künstlerinnen und Künstler in Wien. Wenn die nicht reisen dürfen – vielleicht kann man sie für das eine oder andere Projekt kurzfristig gewinnen.“

Zwei Debütanten

Gewonnen hat Roland Geyer jedenfalls schon zwei absolute Regie-Debütanten. So wird Alfred Dorfer Wolfgang Amadeus Mozarts „Le nozze die Figaro“ (Premiere: November 2020) in Szene setzen. Eine verrückte Idee? „Verrückt insofern, als ich bei Mozart, bei dem großartigen Text von Lorenzo Da Ponte bleibe“, sagt Neo-Regisseur Dorfer. „Denn Mozart im Schwimmbad – das brauche ich nicht.“ Und weiter: „Die Königinnen und Könige sitzen im Graben und stehen auf der Bühne. Als Regisseur bin ich nur ein Ermöglicher.“ Aber: „Ich freue mich sehr darauf, dieses Werk, das mich seit meinen Kindertagen immer begleitet hat, jetzt selbst erarbeiten zu dürfen.“

Doch könnte sich Dorfer vorstellen, dem Musiktheater treu zu bleiben? „Sollte der ,Figaro’ ein Erfolg werden, sehr gerne. Aber ich kann nur Werke inszenieren, zu denen ich einen Bezug habe.“ Auch Richard Wagner? „Danke, nein! Dafür bin ich zu sehr Satiriker, um diese Texte – auch wenn ich mir damit jetzt sicher viele Feinde mache – ernst zu nehmen. Das mögen bitte andere übernehmen.“

Einer, der das in der Kammeroper machen wird, ist der international gefragte Sänger Günther Groissböck, der mit dem so genannten „Tristan Experiment“ sein Regie-Debüt geben wird. Soll heißen: Wagners „Tristan und Isolde“ kommt in einer Fassung für zirka 20 Musiker und fünf Solisten – als Finale an der Kammeroper. Roland Geyer: „Das ist ein bewusster Bruch. Denn ich liebe es, neues zu wagen.“

Zwei Kultproduktionen

Neu dabei ist auch das sechsköpfige Ensemble des Jungen Theater an der Wien (JET), das in der Kammeroper drei Opern von Rossini interpretieren wird. Nicht neu, aber längst Kult, sind dafür Produktionen, die neu einstudiert werden: Robert Carsens legendäre Produktion von Rameaus „Platée“ und Händels „Saul“ in der Regie von Claus Guth und mit Florian Boesch in der Titelpartie. Boesch ist übrigens auch Artist in residence und wird in „Nozze di Figaro“ und mit drei weiteren Projekten zu erleben sein. Der Künstler: „Das Theater an der Wien ist ja meine Heimat.“

Dazu kommen Jules Massenets „Thaïs“ in der Regie von Peter Konwitschny sowie Donizettis „Belisario“. Das Hamburg Ballett gastiert mit John Neumeiers Choreografie zu Ludwig van Beethovens Neunter. Geyer: „Das sind alles musiktheatralische Signale der Hoffnung“.

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