Sherlock Holmes

© /The Sherlock Holmes Museum

Literatur
05/12/2016

Sherlock Holmes ist schneller geworden

Neue Übersetzung: Endlich wird auch Dr. Watsons "Unterschlüsselbeinschlagader" bekannt.

von Peter Pisa

Sherlock Holmes hat gebrummt: "Der Fall wird verwickelter."

So war das in der 120 Jahre alten, immer wieder verwendeten, oft bearbeiteten Übersetzung.

Aber jetzt brummt der Meister nicht, sondern er murmelt – und zwar murmelt er: "Die Sache wird immer klarer."

Inspektor Lestrade hatte daraufhin bisher missmutig am Tisch Platz genommen und gesagt: "Und war schon verwickelt genug."

Jetzt setzt sich Lestrade einfach hin und knurrt: "Ich finde sie ziemlich trübe."

Verwickelt – klarer? Verwickelt genug – trübe?

Arthur Conan Doyle schrieb in seiner allerersten Sherlock-Holmes-Geschichte "A Study in Scarlet" den Dialog folgendermaßen:

Holmes "muttered", und zwar: "The plot thickens." Daraufhin "grumbled" Lestrade. "It was quite thick enough before ..."

Scharlachrot

Die Sache verdichtet sich, auch die Sache mit dem Übersetzen: Der Übersetzer interpretiert mit Respekt, so wie der Musiker oder der Schauspieler ein Werk interpretiert.

Im Verlag S. Fischer werden alle vier Romane und 56 Erzählungen um Sherlock Holmes und Dr. Watson neu übersetzt. Der 51-jährige Henning Ahrens hat die Arbeit übernommen, ein hochgelobter Schriftsteller und Lyriker aus Frankfurt, der bisher Jonathan Safran Foer, DBC Pierre, Richard Powers ... interpretierte.

Den Anfang macht dieser Tage "Eine Studie in Scharlachrot", 1887 in einer englischen Zeitschrift erschienen. Angeblich existieren heute noch 28 Exemplare, eines wurde in New York um 153.600 Dollar versteigert.

Das neue Taschenbuch kostet freundlicherweise nur 10,30 Euro. "Die Studie in Scharlachrot", mehrmals verfilmt, ist der erste, aber nicht der allerbeste Sherlock-Holmes-Krimi.

Vorliebe

Kein Satz blieb, wie er einmal war. Hieß in der früheren Übersetzung "Regiment", steht heute "Corps" geschrieben. Hieß es früher "Corps", ist es nun aber wirklich ein "Regiment".

Henning Ahrens machte den Roman schneller, indem er Doyles anfängliche Vorliebe für Eigenschaftswörter missbilligte und vieles wegstrich.

Andererseits musste er manchmal etwas ergänzen. Zum Beispiel blieb die "subclavian artery" deutschsprachigen Lesern ein Jahrhundert lang verborgen.

Watson war im Afghanischen Krieg 1880 an der Schulter verletzt worden und, so erfährt man erst heute, seine "Unterschlüsselbeinschlagader" wurde von einer Kugel gestreift.

Was aber eigentlich egal ist. Denn in späteren Erzählungen Arthur Conan Doyles handelte es sich bei Watson plötzlich – um eine Verletzung am Bein.

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