© ServusTV / Neulandfilm/ServusTV/Manuel Seeger

Kultur
06/11/2020

Ostrowski trudelt durch Österreich: "Auch Eisenerz ist die Welt"

In "Ostrowski macht Urlaub" zeigt der Schauspieler auf Servus TV beliebte und verlassene Orte.

von Peter Temel

„Ich würde gern auf Urlaub fahren und des könnt’ma dann gleich filmen.“ – So schildert Michael Ostrowski das simple Konzept, das er vor zwei Jahren Servus TV präsentiert hat. Jetzt – mitten in der Coronavirus-Pandemie – „ist Urlaub in Österreich natürlich in aller Munde und wird zu Tode gemolken“, sagt der Schauspieler im KURIER-Interview.

Vier Folgen von „Ostrowski macht Urlaub“ werden ab Freitag, 21.10 Uhr, in der neuen ServusTV-Reihe „Urlaub in Österreich“ gezeigt. Drei davon wurden schon im Vorjahr gedreht, darunter die Auftaktfolge in Eisenerz. Ostrowski, der in der obersteiri-schen Industrieregion aufgewachsen ist, habe selbst „eine Geschichte mit der Stadt“. Zudem habe er bewusst einen Ort gewählt, der im Tourismus „nicht erste Wahl“ ist.

„Es ist ein Ort, der von der Mentalität des Bergbaus geprägt wurde, sich aber über die Zeit zu einem touristischen Ort wandelt“, sagt Ostrowski. Er sei auf total engagierte Leute gestoßen, aber auch auf „vollkommen untouristische Leute, denen’s ziemlich Blunzen ist, ob das Gasthaus jetzt offen hat oder nicht.“ Das habe „auch einen Charme“, sagt er.

In einer Szene wird Ostrowski in seinem VW-Bus von einer Sprengung am Erzberg geweckt. Jener Berg, der durch sein Kleinerwerden die Stadt Eisenerz einst groß gemacht hat. 13.000 Einwohner zählte die Stadt 1948. Mittlerweile sind es infolge der Stahlkrise und durch effizientere Abbaumethoden nur noch knapp 4.000. „Das macht schon was mit der Stadt“, sagt Ostrowski in der Doku. Er besucht unter anderem das „Rostfest“, ein Kulturfestival zur Belebung von Eisenerz und seiner teils verlassenen Orte.

In einer leer stehenden Arbeiterwohnung schlägt er sein Pop-up-Zelt auf. „Urban Camping“ nennt Ostrowski das. Ein anderer skurriler Nächtigungsort ist der Präbichlerhof, den Ostrowski zu einem gruseligen Berghotel à la „Shining“ umdeutet und daher auf einem Dreiradler durch die leeren Gänge fetzt.

Ihm sei wichtig gewesen, nicht bloß Dokus über Kultur- und Naturschönheiten zu machen, sondern die 50-Minüter „mit filmischen Einfällen“ spannend zu halten.

Weltenbummler

Ostrowski bezeichnet sich selbst in dem TV-Format als „Weltenbummler“, für ihn „ein fast schon vergessener Begriff, ein bisschen großmäulig, hat aber gleichzeitig was Legeres“, sagt er. „Durch die Welt bummeln ist eigentlich das richtige Reisen“, sagt Ostrowski, „man kann über Kontinente reisen, aber auch in der kleinen Welt, wie in der Steiermark, bleiben. Auch Eisenerz ist die Welt.“

„Der abstruse Charme des Verfallenden ist einfach was Schönes“, sagt er. Daher holte er für die Serie ein Portierkäppchen aus der Requisite. Es erinnere ihn an die alte Peter-Alexander-Zeit, und: „Zwischen Reiseführer und Portier, so seh’ ich mich eigentlich“, sagt der Komödiant Ostrowski.

In einem von der Tante geborgten „VW Bulli“ trudelt er – frei nach Tucholsky – durch die Welt, die Österreich ist. Neben Eisenerz hat sich Ostrowski auch touristischere Orte ausgesucht, das Salzkammergut, Sölden, den Wörthersee und Wien.

Wien ohne Touristen

Die Wien-Folge wurde gerade erst abgedreht, zuletzt filmte man in einer derzeit gesperrten Peep-Show, in der ein Kulturverein coronakonforme Veranstaltungen abhält. Ostrowski warf in einer Guckloch-Kabine eine Münze ein und konnte den Nino aus Wien dabei beobachten, wie er einen Song spielt. Ansonsten habe er – am Übergang zwischen Shutdown und Öffnung – das klassische Programm absolviert: Prater, Innere Stadt, Kahlenberg, Schönbrunn. Ostrowski: „Die Stadt, die ich hauptsächlich übers Arbeiten kenne, wollte ich einmal als Tourist erleben, in einem Wien ohne Touristen.“

Zwei Folgen wurden bereits im Vorjahr ausgestrahlt. Jene aus Sölden wird vorerst nicht wiederholt. „Winter ist derzeit vielleicht nicht so in, wegen Ischgl“, sagt Ostrowski augenzwinkernd. „Ich hoffe aber, dass die Sölden-Folge als Schulfernsehen gezeigt wird, damit man sieht, wie Aprés Ski wirklich funktioniert.“

Werdegang: Michael Ostrowski, in Rottenmann in der Steiermark aufgewachsen, wurde nach seinem Studium in Graz, Oxford und New York mit der Grazer 
Kultbühne Theater im Bahnhof bekannt

Film und Fernsehen: Filmrollen hatte er u.a. in  Komödien wie „Nacktschnecken“ und „Die unabsichtliche Entführung der Frau Elfriede Ott“. Sein Regiedebüt feierte  er 2014 mit „Hotel Rock’n’ Roll“

Termine auf Servus TV: Auf „Ostrowski macht Urlaub – Am Erzberg“ (12. 6., 21.10 Uhr), folgen die Episoden Salzkammergut (19. 6.), Wörthersee (26. 6.) und Wien (3. 7.).  Zudem läuft derzeit die Serie „Schlawiner“ mit Ostrowski u. a.

Servus TV dazu zum KURIER: "Eine Fortsetzung in diesem Jahr wird es nicht geben. Über eine weitere Zusammenarbeit wird nachgedacht. Ob und in welcher Form diese stattfindet, ist aber noch nicht klar."

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