Kultur
17.05.2017

Selbstgeißelung: Weltmuseum profitierte vom Kolonialismus

Am 25. Oktober wird das ehemalige Völkerkundemuseum am Heldenplatz wiedereröffnet – als Weltmuseum und mit einer Show von André Heller.

Seit drei Jahren wird das Völkerkundemuseum umgebaut – zum Weltmuseum. Und in einem halben Jahr, am 25. Oktober, wird es eröffnet werden. Nicht irgendwie, sondern mit einer "Eröffnungsshow" auf dem Heldenplatz, die ihresgleichen sucht: "Ein Weltmuseum verdient eine Welteröffnung", so Direktor Steven Engelsman am Dienstag bei einer Pressekonferenz im neuen Auditorium.

Kuratiert werde die "Weltmusikshow" von "Universalkünstler" André Heller: "Er schenkt uns dieses Geburtstagsfest", sagte Sabine Haag, Generaldirektorin des KHM-Konzerns. Auf Nachfrage des KURIER präzisierte sie: "Er schenkt uns seine künstlerischen Ideen, seine Kreativität und seine Begeisterung. Das Fest selber bezahlen wir natürlich selbst." Wie hoch das Budget sei, verriet sie nicht.

Eigentlich hätte Heller selbst über seinen Event referieren sollen. Gerüchteweise aber soll er Fragen zur innenpolitischen Lage befürchtet haben – und blieb daher der Pressekonferenz fern. Laut Waschzettel erwarte das Publikum "ein sinnliches Kaleidoskop aus theatralischen und musikalischen Splittern unterschiedlicher Kulturen". Heller, der 1993 zusammen mit anderen am Heldenplatz ein "Lichtermeer" gegen Rassismus entfacht hat, werde zehn Tage nach der brisanten Nationalratswahl auf einer Open-air-Bühne "ein Zeichen für Toleranz, Respekt und Miteinander setzen".

Im Kostenrahmen

Das künftige Weltmuseum erstreckt sich über 14 Säle im Mezzanin des Corps de Logis der Neuen Burg. Zur Verfügung standen 21,8 Millionen Euro, davon 19,8 Millionen von der öffentlichen Hand für Sanierung und Einrichtung. Das KHM hat sich mit zwei Millionen zu beteiligen; am Dienstagabend fand daher in der Säulenhalle ein Fundraising-Dinner statt – geplanterweise mit Heller. Es werde, so Geschäftsführer Paul Frey, zu keiner Kostenüberschreitung kommen.

Wie Sonne und Regen

Das Konzept für die neue Dauerausstellung bezeichnete Engelsman als "eklektisch": Wie auf einer Perlenkette werde eine Sammlung an die andere gereiht – und man erzähle zudem, wie sie nach Wien gekommen sind. Etwa aufgrund der Expeditionen sammlungshungriger Habsburger oder durch selbstlose Schenkungen reicher Kaufleute, die alles außer einem Adelstitel hatten.

Die Sammlungen (darunter Benin und Äthiopien, Brasilien, Japan, Südsee und Orient) erstrecken sich aber nur über zwölf Säle. Denn Engelsman will auch die Migration thematisiert wissen (sie gehöre zum Leben des Menschen wie Sonne und Regen) – und den Kolonialismus.

Der Saal "Im Schatten des Kolonialismus" ist mehr oder weniger fertig. Abgesehen von aufleuchtenden Signalwörtern über den Köpfen präsentiert er sich nüchtern und hoch informativ. Österreich-Ungarn war zwar keine Kolonialmacht, aber die Monarchie profitierte vom Kolonialismus – und so auch dieses Haus der Kulturen: Die Erwerbsgeschichten vieler Objekte würden von Aneignung und kolonialer Gewalt erzählen. Zudem habe man diverse sakrale Gegenstände, die nie für die Öffentlichkeit bestimmt waren. Wie soll man mit ihnen umgehen?

Als Beispiel dienen etwa Ritual-Blasinstrumente, die österreichische Ethnologen Anfang der 1970er-Jahre in Kolumbien gegen ein Gewehr eintauschten. Die Indios hatten die Flöten im Palmblätter eingewickelt und verschnürt. Und niemand traute sich bisher, das Päckchen zu öffnen. Angeblich.