„Käfig voller Narren“ in Mörbisch: Eine Revue, reich an Witz und Gags
„I am What I am“ ist nicht nur der größte Hit und Ohrwurm aus dem Musical „La Cage aux Folles“ („Ein Käfig voller Narren“), sondern wirbt im gesamten Stück (Buch von Harvey Fierstein) für Toleranz und Andersartigkeit. Aber Jerry Herman weiß auch mit einigen anderen Ohrwürmern in diesem Stück, das 1983 am Broadway uraufgeführt wurde und allein sechs Tony Awards bekam, erfolgreich aufzuwarten.
Es basiert auf dem Theaterstück von Jean Poiret (1973), das weltweit auf die Bühnen kam, um dann schließlich 1978 mit Michel Serrault und Ugo Tognazzi verfilmt zu werden.
Jetzt konnte man das Erfolgsmusical bei den Seefestspielen Mörbisch in deutscher Fassung (Erika Gesell und Christian Severin) erleben.
Es geht um „Zaza“, eigentlich Albin, der die Kunst der Travestie meisterhaft beherrscht. Er ist, allerdings inzwischen etwas abgehalftert, der Star eines Nachtclubs in Saint-Tropez, dessen Besitzer Georges ist – sie sind seit über 20 Jahren ein Liebespaar.
Da taucht Georges’ Sohn aus einem früheren „Fehltritt“ auf. Dieser eröffnet dem Papa, ausgerechnet die Tochter eines erzkonservativen Provinzpolitikers heiraten zu wollen – und verlangt, dass die beiden ein heterogenes Paar vorspielen sollen. Missverständnisse und Humor, aber auch ein glückliches Ende sind vorprogrammiert.
Andreas Gergen, erfolgreicher Musicalregisseur und seit 2025 Intendant auf der Bühne Baden, zeigt das lustige, aber auch nachdenkliche Musical großteils als Revue reich an Witz und Gags in einer bunten, glitzernden Welt der Transvestiten.
Rund um das gegensätzliche Power-Couple ergibt sich viel Klamauk. Dafür hat der Stammbühnenbildner der Seefestspiele Walter Vogelweider ein opulentes Bühnenbild mit einer, die ganze Breite beherrschende, in verschiedenen Farben leuchtenden Showtreppe entworfen mit einem goldenen Käfig im Mittelpunkt.
Dieser wird drehbar zu einer blinkenden Showbühne, dem Backstagebereich des Nachtclubs sowie dem Appartement von Georges und Albin.
Zwischen die Flitter- und Glitter-Nummern freilich zeigt Gergen auch gekonnt die Banalität des Alltäglichen und zugleich die Extravaganzen des gealterten Paares. Generalintendant Alfons Haider ließ es sich nicht nehmen, selbst „Zaza“ zu spielen. Er verkörpert die Drag-Queen-Diva glaubwürdig und nobel. Im Grunde der einzige Normale unter lauter Verrückten. Beim Singen verfällt er jedoch öfters in Sprechgesang. Mark Seibert als sein Partner Georges gibt einen souveränen, manchmal cholerischen Nachtclubbetreiber.
Für hysterischen Wirbel sorgt der Butler Jacob, den Aliosha Jorge Ungur mit Turbo-Tempo hinlegt. Ideal agieren auch Timotheus Hollweg als Georges Sohn und Anna-Rosa Döller als dessen Verlobte Anne. Matthias Schlung als Annas Vater ist ein übler homophober Politiker. Ines Hengl-Pirker als ihre Mutter und Ursula Pfitzner als Restaurantbesitzerin Jaqueline sind ideal zu erleben. Die kleineren Rollen und der Chor agieren spielfreudig. Dem Dirigat von Tom Bitterlich am Pult des Orchesters der Mörbischer Seefestspiele fehlt es auch nicht an Esprit und Exaktheit. Die Musik wird luzide wie auch hinreißend interpretiert. Stehende Ovationen.
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