Kultur
30.04.2018

Scott Matthew: „Boy George war eine Offenbarung für mich!“

Der Singer/Songwriter gedenkt mit "Ode To Others" der schwierigen Jugend im homophoben Australien.

Nur nicht schon wieder den eigenen Herzschmerz thematisieren! Das dachte sich Scott Matthew, als er begann, sein neues Album „Ode To Others“ zu schreiben.

Bekannt geworden ist der in New York lebende Australier mit seinem von Sehnsucht und Einsamkeit getragenen Singer/Songwriter-Sound. Dem bleibt er jetzt zwar treu, inhaltlich geht es aber nicht mehr um Ex-Freunde und zerbrochene Beziehungen, sondern um „Menschen und Orte, die in meinem Herzen sind“.

„Das liegt nicht etwa daran, dass ich jetzt glücklich verliebt wäre“, lacht er im Interview mit dem KURIER. „Nein, das bin ich immer noch nicht. Aber ich empfinde es nicht mehr als den Inbegriff eines erfolgreichen Lebens, eine Beziehung zu haben. Denn mittlerweile bin ich älter, fühle mich mit mir selbst wohler und brauche die Anerkennung von außen nicht mehr so stark.“

Starke Verbindung

Trotzdem ist „Ode To Others“ wieder eine Platte, in der Matthew viel Privates offenbart. „Where I Come From“ handelt von der Beziehung zu seinem Vater. „Ich habe diesen Song für seinen 70. Geburtstag geschrieben“, sagt der 42-Jährige. „Ich wollte damit ausdrücken, wie froh ich bin, dass wir jetzt so eine starke Verbindung haben. Denn die kam erst spät in unserem Leben. Als ich jung war, konnte er mich nicht akzeptieren, weil ich schwul bin. Da war es ein schwieriges Verhältnis.“

Aus diesem Grund schrieb Matthew auch den Song ,Cease And Desist’ für seinen Onkel Paul. „Ich habe ihn nicht gekannt. Er beging ein Jahr und einen Tag vor meiner Geburt Selbstmord. Aber er war auch schwul, und ich hab immer bedauert, dass er nicht in meinem Leben war. Denn ich denke, er hätte mir ein guter Freund und beim Aufwachsen eine große Hilfe sein können.“

Das sensible Cover von Culture Clubs „Do You Really Want To Hurt Me“ sieht Matthew als „Ode an meine Selbstfindung“. „Der Song kam auf, als ich zehn oder elf Jahre alt war. Abgesehen davon, dass er bezaubernd ist, war die Erscheinung des Sängers Boy George eine Offenbarung für mich. Denn schon damals fühlte ich mich anders, als die anderen Buben und fragte mich, was mit mir los ist. Mit Boy Georges Äußerem, das die Idee von dem, was maskulin und feminin ist, verband und so in Frage stellte, konnte ich mich aber identifizieren.“

Es sind aber nicht nur Personen, denen Matthew mit der Platte ein Denkmal setzt. Es gibt eine Ode an New York, wo er seit 20 Jahren lebt. Und eine an Australien, das – wie er vor ein paar Jahren auf einer Tour durch die Ex-Heimat feststellte – nicht mehr so homophob und intolerant ist, wie damals als er deshalb von dort wegging.

Der Song „The Wish“ fällt bei diesen Oden an andere etwas aus dem Rahmen. Den schrieb Matthew nach dem Attentat auf einen Schwulen-Club in Orlando, bei dem 49 Menschen erschossen wurden. „Ich war erst schockiert und traurig“, sagt er. „Und dann wütend. Denn es war die Zeit, als alle bei solchen Amokläufen nur mehr sagten: Wir beten! Aber das Beten hilft da nicht. Da müssen andere Waffen-Gesetze her. Man weiß es – und keiner ist bereit, etwas zu tun!“

Scott Matthew auf Tour:

22. 5. Salzburg/Argekultur

23. 5 Dornbirn/Spielboden

24. 5. Linz/Posthof

25. 5. Graz/Orpheum

26. 5. Wien/Theater Akzent

Karten für alle Konzerte: www.oeticket.com