Ein paar Puzzlestücke mehr: Schweiz gibt 18 Benin-Bronzen an Nigeria zurück
Drei Schweizer Museen haben 18 Benin-Bronzen an Nigeria zurückgegeben. Nach 130 Jahren kehren die Kulturobjekte damit dorthin zurück, wo britische Kolonialtruppen sie 1897 raubten. Diese plünderten damals einen Königspalast im Südwesten des heutigen Nigeria. Tausende Kunstobjekte gelangten infolge auf den internationalen Kunstmarkt. Die nun retournierten Arbeiten stammen aus dem Völkerkundemuseum der Uni Zürich, dem Museum Rietberg und dem Genfer Musée d'ethnographie.
Seit Jahrzehnten kämpfen Nigeria und der Hof von Benin um die Restitution der Kunst, die 1897 während der Kolonisierung vom Vereinigten Königreich entwendet wurde. Bei den ersten Forderungen nach Rückgabe der Kunstwerke durch den Hof von Benin in 1930ern wurden nur wenige Stücke vom Vereinigten Königreich zurückgeschickt. Nigeria bemühte sich ab den Siebzigerjahren des letzten Jahrhunderts intensiv um die Restitution und Dauerleihgaben.
Museen und politisch Verantwortliche in Deutschland hatten über viele Jahrzehnte Gespräche über konkrete Vereinbarungen für Übertragungen oder Rückgaben vermieden. Museen können von sich aus oft nicht restituieren, weil sie die Objekte lediglich verwalten, das Eigentum jedoch beim jeweiligen Staat liegt.
Dialoggruppe
2008 wurde die Benin Dialoggruppe gegründet, die Verteter und Vertreterinnen von Museen mit der nigerianischen Regierung und dem Königshaus von Benin an einen Tisch bringen sollte, um die Zukunft der Raubkunst zu diskutieren. Im April 2021 verkündete Deutschland nach Gesprächen der Dialoggruppe einen Fahrplan für die Restitution der Kunstwerke an Nigeria. Man verpflichtete sich zu ersten Rückgaben im Laufe des Jahres 2022.
In den letzten Jahren mehren sich die Retournierungen geraubter Kunstschätze. 2021 hatte Frankreich erstmals 26 Objekte, unter anderem Statuen, Thronsitze, Palasttore und religiöse Gegenstände an Benin zurückgegeben. Französische Kolonialsoldaten hatten diese Ende des 19. Jahrhundert bei der Eroberung des Königreichs Dahomey gestohlen. Mitte Juli beschloss das Parlament die Rückgabe einer drei Meter langen rituellen Trommel an die Elfenbeinküste.
2021 gab das Metropolitan Museum of Art zwei Benin Bronzen zurück an Nigeria. Das Museum hat eine der größten Sammlungen der Benin Bronzen in den USA, man schätzt, dass etwa 160 Kunstwerke aus dem Königreich Benin im Besitz des MET sind oder waren. Die Universität Cambridge und die Universität Aberdeen hatten im Herbst 2021 Bronzen an Nigeria zurückgegeben. Smithsonian in den USA hat sich 2022 dazu verpflichtet, 36 Bronzen an Nigeria zu restituieren.
Im Jahr 2025 haben sich die Niederlande dazu entschlossen, mehr als hundert Benin-Bronzen an Nigeria zu restituieren. Die 119 Artefakte befanden sich in der niederländischen Staatssammlung.
Viele Objekte in Wien
Mit 202 Benin-Objekten liegt das Weltmuseum Wien mit der Größe seines Bestandes nur knapp hinter dem National Museum in Benin selbst. Aus diesem Grund war das Museum früh an einer internationalen Dialoggruppe beteiligt. Auch die Einrichtung einer Online-Datenbank, die den Verbleib aller bekannten Benin-Objekte katalogisiert, wurde von dem Museum mit initiiert. Österreich hat 2022 ein internationales und interdisziplinäres Gremium eingerichtet, das Richtlinien im Umgang mit im Besitz von Bundesmuseen befindlichen Objekten aus kolonialen Kontexten und das Vorgehen bei Rückgabeforderungen erarbeitete.
In Nigeria läuft allerdings auch ein Disput, ob die Benin-Bronzen in nationale Museen oder in die Obhut der Nachfahren des „Oba“ (Königs) von Benin gehören. Die Rückgabe der Artefakte ist also ein langwieriger Prozess, der noch viele weitere Jahre andauern könnte.
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