Achternbusch

© ORF / Tellux-Film

Kultur
01/13/2022

Schriftsteller und Filmemacher Herbert Achternbusch gestorben

Herbert Achternbusch, 1938 in München als Herbert Schild geboren, starb mit 83 Jahren. Er löste mit "Das Gespenst" einen Skandal aus

von Thomas Trenkler

Der Regisseur, Schriftsteller und avantgardistische Filmemacher sei, so die "Süddeutsche Zeitung", zu Beginn dieser Woche verstorben. Wegen seines subversiv-sarkastischen Humors galt er "als legitimer Nachfolger von Karl Valentin".

Achternbusch kam 1938 in München als nichteheliches Kind eines Zahntechnikers und einer Sportlehrerin zur Welt und wuchs bei seiner Großmutter in Mietraching im Bayerischen Wald auf. Seit seiner späten Adoption durch den leiblichen Vater 1960 trägt er den Namen Achternbusch.

Er versuchte sich zunächst als Maler und Lyriker - und schlug sich mit Gelegenheitsjobs durch (u. a. als Zigarettenverkäufer auf dem Oktoberfest). Mitte der 1960er Jahre verlegte sich Achternbusch auf Anraten von Kollegen und Freunden aufs Schreiben. Ab 1964 veröffentlichte er in loser Folge einige kleine Bände mit Gedichten und Radierungen; 1969 verlegte der Suhrkamp Verlag durch die Vermittlung von Martin Walser erste Erzählbände Achternbuschs.

Sein Erstlingsroman „Die Alexanderschlacht“ (1971) wurde, so Wikipedia, als bahnbrechend für die Avantgarde der jungen deutschen Literatur in den 1970er- und 1980er-Jahren empfunden. Anfang der 1970er Jahre begann Achternbusch, erste Schmalfilme zu drehen, und kam mit prominenten Vertretern des deutschen Autorenfilms in Kontakt. Er spielte Rollen in Werner Herzogs Kinofilm „Jeder für sich und Gott gegen alle“ und Volker Schlöndorffs Fernsehfilm „Übernachtung in Tirol“ und verfasste 1976 das Drehbuch für Herzogs Film „Herz aus Glas“. Sein erster Kinofilm als Regisseur war 1974 „Das Andechser Gefühl“.

Skandal um "Das Gespenst"

1982 lösten Blasphemie-Vorwürfe gegen seinen Film „Das Gespenst“ einen Skandal aus. Der Film zeigt, wie Jesus Christus in einem bayerischen Kloster vom Kreuz steigt, um mit einer jungen Ordensoberin zu schlafen. Die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) entschied, den Film nicht freizugeben, denn er attackiere die katholische Kirche und erzeuge „ein nur noch pessimistisches und nihilistisches Grundmuster der Welt, das keine rationale Verarbeitungsmöglichkeit für den Besucher zulässt“.

 

Das Gespenst

Der Film könne „dem religiösen Empfinden eines nach Millionen zählenden katholischen Teils der Bevölkerung in öffentlicher Vorführung nicht zugemutet werden“. In Österreich erreichte Herwig Nachtmann mit einer Klage die Beschlagnahmung des Films nach Paragraph 36 Mediengesetz. Es handelte sich um die ersten Beschlagnahmungsfälle in Österreich nach der Verankerung der Freiheit der Kunst im Staatsgrundgesetz.

Die FSK revidierte zwar nach kurzer Zeit ihre Entscheidung (in Österreich und der Schweiz blieb der Film verboten), dennoch protestierten in Deutschland Hunderte von Katholiken vor den Programmkinos, einige auch im Kinosaal, indem sie ihn als Toilette benutzten.

Eine Kurzversion seines Lebens lieferte Achternbusch selbst: „Ich musste 1938 auf die Welt kommen, nachdem ich mir meine Eltern schon ausgesucht hatte. Meine Mutter war eine sportliche Schönheit vom Land, die sich nur in der Stadt wohlfühlte. Mein Vater war sehr leger und trank gern, er war ein Spaßvogel. Kaum auf der Welt, suchten mich Schulen, Krankenhäuser und alles Mögliche heim. Ich leistete meine Zeit ab und bestand auf meiner Freizeit. Ich schrieb Bücher, bis mich das Sitzen schmerzte. Dann machte ich Filme, weil ich mich bewegen wollte. Die Kinder, die ich habe, fangen wieder von vorne an. Grüß Gott!“

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