© Andras Eberling

Kultur
06/08/2019

Schriftsteller András Forgách weint um Mutter und wegen Mutter

Nach ihrem Tod erfuhr der Sohn, sie war eine ungarische Spion. Daraufhin schrieb er das Buch "Akte geschlossen".

Mutter war Himmel und Sterne, und das bleibt sie auch jetzt noch, aber stark bewölkt.
Wieso die Liebe eines Sohnes in Gefahr geriet, erzählt der ungarische Schriftseller,  Dramatiker, Schauspieler und Übersetzer András Forgách in einer Art, dass dir die Luft wegbleibt.
Denn „Akte geschlossen“ ist Roman, ist ein Gedicht, ist journalistisches Arbeiten mit Dokumenten. Ist sehr persönlich und stets distanziert. Ist ein Stich ins Herz – bei dem der getroffene Autor noch die Kraft hat, „Sonst noch etwas?“ zu fragen  ...
„Noch etwas“ (ohne Fragezeichen) heißt lakonisch das dritte, klärende Kapitel, in dem festgeschrieben steht: Mutter war Spionin für Ungarn im Kalten Krieg.
Die Krankenschwester bespitzelte Freunde, sie lieferte dem Geheimdienst sogar Berichte über ihren Sohn, den Künstler.


Frau Pápai

Vom Vater – Journalist, Stalinist und in den 1960ern  so verräterisch freundlich zu den Kommunisten, dass ihn die Kollegen mieden – sind die Akten verschwunden.
 Aber bei Mutter – 1989 gestorben – existieren sie. Jemand alarmierte András Forgách. Er muss nun jeden Brief, jedes Fotoalbum, jede Erinnerung an sie neu begutachten.
Schon vor zehn Jahren hat er einen Roman über die jüdische Ungarin  verfasst. Er ahnte damals, dass sie ein Geheimnis hatte, doch vermutete er viele Liebschaften. Denn ihren Ehemann, der nach Nervenzusammenbrüchen zum Pflegefall wurde, liebte sie nicht (während er sie vergötterte und „meine Ingrid Bergman“ nannte).
Aber sie war, – ihr Codename –  Frau Pápai. Aus freien Stücken. Sie musste nicht erpresst werden. Sie spionierte, weil sie es für ihre Pflicht hielt.
Nichts von dem, was ihr Sohn bisher über sie gewusst und geschrieben hat, ist wahr. Das ist András Forgáchs  Erkenntnis.
Er weint um die Mutter und wegen der Mutter, und daraus wurde ein überhaupt nicht weinerliches Buch über etwas, das man nur verstehen kann, wenn es einem selbst widerfährt.