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Kultur
10/01/2016

Schön scharf: Balkan Beats

Vor 28 Jahren schrieb Goran Bregović die Music für Emir Kusturicas Film „Die Zeit der Zigeuner“ – und brachte damit einen Balkan-Express ins Rollen, der auch heute noch ungebremst durch sämtliche Partyzonen zwischen Wien und Paris, Berlin und London stampft. Und längst auch in Übersee angekommen ist. Ein Überblick der aktuellen Protagonisten und altgedienten Helden dieser mitreißenden Blech-Beats. Und: Bregović ist am 8. Oktober live im Wiener Konzerthaus zu sehen.

von Andreas Bovelino

GORAN BREGOVIĆ

Mit seiner Rock-Band Bijelo Dugme feierte er in Jugoslawien schon in den 1970ern Erfolge. Der internationale Durchbruch gelang Bregovic mit „Die Zeit der Zigeuner“, es folgten Soundtracks für so unterschiedliche Filme wie „Arizona Dream“, „Die Bartholomäusnacht“, „Underground“, „A Chef in Love“ u.v.a. Mit der polnischen Sängerin KAYAH veröffentlichte er 1999 eines der erfolgreichsten Balkan- Alben aller Zeiten („Kayah i Bregović“).

ORIGINAL KOCĂNI ORKESTAR

Sie kommen aus der türkischsprachigen Roma- Gemeinde Kočani in Mazedonien – und ihre „Romska Orientalna Musika“ zählt zum Mitreißendsten, was in Sachen Balkan-Blech zu hören ist. Quasi ein Familienunternehmen, an dessen Spitze Ausnahme- trompeter Naat Veliov steht, der es ganz gern hört, wenn man ihn „King“ nennt. Ihr Auftritt in Kusturicas „Zeit der Zigeuner“ machte sie über Nacht weltberühmt. Zu Recht, ihren „Kocăni Dans“ muss man einfach gehört haben.

GOGOL BORDELLO

Wem könnte es gelingen, Madonnas Herz im Sturm zu erobern? Diesem Mann natürlich: Eugene Hütz. Er floh nach der Tschernobyl-Katastrophe mit seinen Eltern aus der Ukraine. Beinahe wäre er in Österreich gelandet, es gab aber Probleme mit der Aufenthaltserlaubnis. Als politischer Flüchtling kam er schließlich nach Vermont, USA, von wo aus er mit seiner Balkan-Punk-BandGogol Bordellodie Welt eroberte. Auch Madonna, die ihn für ihr Regie-Debüt „Filth & Wisdom“ engagierte – und als Begleit-Band für ihren Auftritt beim „Band-Aid-20“-Konzert 2004 im Wembley Stadion.

MISS PLATNUM

„Give me your Money“ sang sie im Hit „Marry Me“ in Richtung Peter Fox. Und die Tochter eines Banater Schwaben und einer Rumänin spielt auch weiterhin mit Vor- urteilen und Klischees. Charmant – und sehr erfolgreich.

WIENER TSCHUSCHENKAPELLE

Seit 1989 ist die Band um „Chef“ Slavko Ninić weltweit erfolgreich unterwegs. Kroatischer Folk, aber auch serbische, bosnische, griechische und türkische Traditionals werden rasant und mitreißend interpretiert. Ihre Balkan-Tour aus dem Jahr 2008 wurde im Film „Balkan Blues“ dokumentiert.

BALKAN BEAT BOX

Ori Kaplan, Tamir Muskat und Tomer Yosef aus Brooklyn sinddie Hipster des Genres. Ihre Roots sind in Israel, ihr Herz gehört Musikern wie Boban Marković, Rachid Taha und Fanfare Ciocarlia. Deren tempermantvolle Folklore verbinden sie mit zeitgemäßer Elektronik – und bringen den Balkan auch auf die angesagten Dancefloors New Yorks.

FANFARE CIOCĂRLIA

In ihrem Škoda eroberten die Herren aus dem Dorf Zece Prăjini im Nordosten Rumäniens vor allem Österreich und Deutschland im Sturm. Schneller spielt keiner – das bekommen auch altbekannte Rock-Hadern wie „Born To Be Wild“ zu spüren, die durch ihre zerbeulten Blasinstrumente gequetscht werden. Ein echtes Erlebnis.

BOBAN MARKOVIĆ

Der Musiker aus Vladičin Han im Süden Serbiens wurde beim legendären Trompeten- festival von Guča gleich mehrere Male mit der „Goldenen Trompete“ ausgezeichnet. Ein echter Weltmeister, der die Leitung seines Orkestars mittlerweile an seinen Sohn Marko übergeben hat. Der ist auch im Spielfilm „Guca – The Distant Trumpet“ in der Hauptrolle zu sehen. Dafür hat Boban mehr Zeit für seine vielen anderen Projekte. Unter anderem mit der österreichischen Band Attwenger oder dem Wiener Producer [dunkelbunt].

DIPLO

Da schau her! Der Grammy-geehrte Producer und DJ- Wunderwuzzi aus Mississippi hat nach Baile-Funk, Reggae, Dub und Dancehall auch die Balkan-Beats für sich entdeckt. Mit seiner Band Major Lazer feiert er auf seiner aktuellen CD „Peace Is The Mission“ eine feuchtfröhliche Gypsy-Party. Und die wunderbare ELLIPHANT sorgt dafür, dass der Slivo auch richtig scharf ist.

SHANTEL

Kaum einer hat die Balkan-Beats so nachhaltig beeinflusst wie Stefan Hantel aus Mannheim. Die Suche nach den Spuren seiner Großeltern brachte ihn vor 20 Jahren nach Czernowitz – sein daraufhin gegründetes „Bucovina Club Orkestar“ setzte rasch die Standards für eine gelungene Balkan-Party. Sogar David Bowie wurde ein Fan, nachdem er ihn beim Montreux Jazz Festival gehört hatte. Für die Vocals sorgte jahrelang die Wahl-Grazerin VESNA PETKOVIĆ, die in ihren eigenen Songs selbst Balkan, Jazz und Pop stilsicher verbindet.

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