Kultur
10.10.2018

Schmieds Puls: "Feminismus ist auch für Männer interessant"

Frontfrau Mira Lu Kovacs spricht im Interview über manische Phasen und Sexismus in ihrem Alltag.

„Ich bin kein manischer Charakter, aber ich liebe manische Phasen“, sagt Mira Lu Kovacs, Frontfrau und Songwriterin von Schmieds Puls. Zwei Alben mit sanften Klängen, die Indie, Jazz, Folk und Pop fusionieren, hat sie mit ihren Mitstreitern Walter Singer und Christian Grobauer bisher herausgebracht. Jetzt ist „Manic Acid Love“ erschienen, bei dem sich auch aggressivere Töne und harte Brüche in die zauberhafte Melancholie mischen.

Entstanden ist das Album nämlich in so einer manischen Phase bei einem Aufenthalt in den USA. „Ich war in New York, das ohnehin eine unfassbar energetische Stadt ist. Und ich bin durch das Land gereist. Dabei kam ich in einen Zustand von unglaublicher Schaffenskraft. Denn wenn ich alleine unterwegs bin, kann ich ganz frei meine Visionen spinnen. Dann fällt mir der Kontakt mit mir selbst leichter, als in meinem gewohnten Umfeld. So habe ich dort geschrieben und geschrieben. Zurück in Wien habe ich festgestellt, dass es dabei bemerkenswert oft um Aggression geht, um Wut, darum, Grenzen zu setzen.“

Damit sind aber nicht die Grenzen in Liebesbeziehungen gemeint. Nur das Lied „Don’t Love Me Like That“ ist diesem Thema gewidmet. Sonst geht es um Alltagsbegegnungen: „Ich mag keine oberflächlichen Beziehungen. Wenn ich aber merke, das ist eine wertvolle Begegnung, dann gebe ich viel. Dabei wird dann aber unabsichtlich auch viel genommen, und es ist nicht möglich, sich rechtzeitig zu schützen. Die Grenzen von anderen wahrzunehmen, aber auch meine zu kommunizieren, ist mir deshalb im letzten Jahr sehr wichtig geworden.“

Sexistisch

Dabei spielt auch der Sexismus im Musik-Business eine Rolle. In „Superior (Fuck You)“ geht es um die Begegnung auf Augenhöhe, weil Kovacs häufig Menschen trifft, die ihr nichts zutrauen. Zum Beispiel Soundtechniker, die nicht sie, sondern ihren Drummer fragen, wie sie ihren Gitarren-Klang eingestellt haben will. Das will sie nicht mehr akzeptieren.

„Ich finde es angenehm, dass das Gender-Thema immer mehr zu einem Spektrum wird, und es nicht mehr nur um Frau, Mann, homo- und heterosexuell geht. Aber ich wundere mich oft über Männer in meinem Alter zwischen 25 und 30 Jahren. So ein Typ glaubt, er ist der moderne Mann, weil er nach 1985 geboren ist. Er nimmt viele Dinge für selbstverständlich, glaubt, er kann sexistische Witze erzählen, weil er so reflektiert ist. Dabei hat er sich noch überhaupt nicht mit seinem Konzept von Männlichkeit auseinandergesetzt. Das verändert sich eh langsam. Aber ein weißer Mann aus Mitteleuropa muss seine Identität am wenigsten hinterfragen, weil er die meisten Privilegien hat. Viele Männer glauben, dass Feminismus nur etwas für Frauen ist. Dabei ist er auch für Männer interessant. Es ist eine Lebenseinstellung, bei der es auch um die Befreiung ihres Geschlechts geht.“

INFO:  Schmieds Puls sind zur Zeit  auf Österreich-Tour:

11.10. Bludenz/Remise

12.10. Salzburg/ARGEkultur

18.10. Graz/Orpheum

19.10. Innsbruck/Treibhaus

20.10. Krems/Kino im Kesselhaus

25.10. Wien/WUK