Kultur
12.04.2012

Schmied: Neue Regeln für Kulturmanager

Die Ministerin überträgt den großen Kulturtankern mehr Eigenverantwortung. Und will EU-Mittel für Kultur lukrieren.

Es geht nicht leicht von den Lippen: "Moderne Public Governance" soll dafür sorgen, dass die Bundeskulturinstitutionen professioneller geleitet werden. U. a. wurde definiert, welche großen Entscheidungen Museumsmanager nur mit Zustimmung des Kuratoriums treffen dürfen – vom Objektankauf bis zum Vertragsabschluss.

KURIER: Was heißt denn "moderne Public Governance"?
Claudia Schmied:
Das ist schwer zu übersetzen. Führung? Noch am besten gefällt mir: verantwortungsbewusste Wahrnehmung öffentlicher Aufgaben.

War das bisher nicht so? Das ist doch das Mindeste.
In der Wirtschaftswelt beschäftigt uns das Thema Führung schon länger: Wie kann es gelingen, durch ein gutes Regelwerk die Chance zu erhöhen, dass die Unternehmenssubstanz verbessert wird? Auch wenn uns jahrelang versucht wurde zu vermitteln, dass "weniger Staat, mehr privat" das Ziel ist, wird mir immer klarer, dass wir ganz dringend einen öffentlichen Sektor brauchen, in der Kultur, in der Bildung, in der Gesundheit. Wir haben in einer vom Neoliberalismus inspirierten Haltung den Weg der Ausgliederungen eingeschlagen. Ich möchte diese nicht rückgängig machen. Aber wir müssen uns genau überlegen, wie wir den öffentlichen Bereich noch besser gestalten können. Und fragen: Wer hat wofür Verantwortung? Damit holt man sich wenige Lorbeeren. Aber es ist eine wichtige Investition.

Es hat ja, etwa im Museumsbereich, einige Missstände gegeben, die auch zu politischen Fragen wurden. Nun stärken Sie die Kuratorien und die Geschäftsführungen. Wollen Sie so die politische Verantwortung abgeben?
Nein. Ich fordere die Verantwortung der einzelnen Ebenen klarer ein. Ich erwarte Verantwortung und nehme die mir übertragene Eigentümerrolle ernst.

Sind künftige Museen­skandale so verhinderbar?
Es geht um die Spielregeln, und es geht um verantwortungsbewusste Persönlichkeiten auf allen Ebenen und in allen Funktionen. Aber es gibt kein Gesetz, das uns vor Missbrauch und Malversationen schützt.

Der Ruf aus der Kunstwelt nach moderner Public Governance ist nicht sehr laut.
Das ist mir klar, kränkt mich aber nicht. (lacht)

Mehr beschäftigt die Künstler das Geld: Abseits des deutschsprachigen Raumes wird an der Kultur gespart. Geht es uns wirklich so gut, dass wir das nicht müssen?
Ich habe das Buch "Kulturinfarkt" mit Missfallen gelesen. Das Bundeskulturbudget macht 0,6 Prozent des Bundeshaushaltes aus. Damit kann man nicht sanieren. Wenn wir uns vergegenwärtigen, welchen Stellenwert Kunst und Kultur für Österreich, für ganz Europa hat, dann müssen wir alles daran setzen, dass uns auf mittlere Sicht eine Anhebung der Kultursubvention gelingt, auch aus EU-Mitteln.

Was die Autoren von "Kulturinfarkt" betonen, ist nicht, die Mittel zu kürzen, sondern die Verteilung zu ändern.
Sie schreiben auch, das öffentliche Kulturangebot geht an der Nachfrage vorbei. Aber schauen Sie sich die Auslastung unserer Museen, Theater und der Oper an!

Aber im Vergleich mit den großen Institutionen werden viele kleine wenig gefördert.
Ich möchte nicht jenen, die sich gut entwickeln, etwas wegnehmen, um andere zu fördern. Mein Ansatz ist: Mehr Geld auch durch Kofinanzierungen aus den EU-Regionalfonds zu schöpfen und mehr Vermittlungsarbeit: Von ganz vielen Menschen wird Kunst und Kultur nach wie vor als elitär wahrgenommen. Das zu ändern, ist ein großes Ziel von mir.