Florian Scheuba: Pointen an der Schnittstelle
zwischen Realität und Satire

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"Frisieren von Bilanzen" als Nationalsport
12/20/2014

"Frisieren von Bilanzen" als Nationalsport

Ur-"Hektiker" und "Staatskünstler" Florian Scheuba solo im Rabenhof: "Bilanz mit Frisur".

von Werner Rosenberger

Sein selbst gewählter Platz: Zwischen den Stühlen. Dort, wo es für den Satiriker eben kuschelig ist. Florian Scheuba ist bisher bekannt als Kabarettist im Kollektiv und seit 2011 als "Staatskünstler" (am 30. 12. zeigt ORF 1 um 22 Uhr deren Jahresrückblick auf 2014).

Jetzt zieht er in seinem allerersten Solo Bilanz über 33 Jahre: "Bilanz mit Frisur". Gelingt es ihm – wie Freitag bei der Premiere im Rabenhof, seine wie die Haarpracht üppig sprießende Eitelkeit nach einer Weile abzulegen, dann läuft er geradezu zur Hochform auf.

Wenn er – realsatirisch und schmähfrei – vom Heiligenbluter Abkommen von 1974 erzählt, wonach die Bundesländer sich nicht an die verfassungsmäßig vorgeschriebenen Buchhaltungsregeln halten müssen.

Wenn er Roland Düringer als Wutbürger, Armin Assinger als "Kulturmontag"-Moderator und Stronach im Gespräch mit Gott im Wald parodiert und Verbalwatschen verteilt u. a. an Gusenbauer, Faymann, Spindelegger und den "gelernten Zahnsteinentferner" H. C. Strache.

Den Österreich-Herausgeber Wolfgang Fellner tituliert er als " Österreichs Doyen des käuflichen Wortes" und hinterfragt ein Studienergebnis: "Sind die Österreicher wirklich elf Mal depperter als die Deutschen?"

Und wenn er schließlich in Erinnerung ruft, welche Knallchargen und Kriminelle der unverwüstliche Schmäh-Staat Österreich bereits als Minister hatte, dann ist’s zum Lachen, wenn’s nicht zum Weinen wäre.

Dass das Bildungsministerium die meisten Inserate ausgerechnet in der Krawallzeitung Heute platziert, hat für Scheuba so viel Logik wie Werbung für Hochseeyachten im Augustin.

Pensions-Striptease

Und Scheuba, der demnächst 50 wird, projiziert vor seinen Erinnerungen an vergangene Jahre an der Satire-Front seine persönlichen Zukunftsaussichten als Mitteilung der Pensionsversicherung an die Wand. Als Rente kann er dereinst erwarten: 51,31 Euro monatlich.

Irgendwann beklagt sich Scheuba: "Die Leute können nicht mit der Kritik eines Kabarettisten umgehen." Und scheint dabei zu vergessen: Auch manche wehleidige Kabarettisten können nicht mit der Kritik eines Kritikers umgehen. Aber das ist eine andere Geschichte ...

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