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Kultur
09/13/2021

Gisela Schneeberger gegen die "Humorlosigkeit" beim "verbissenen Gendern“

Die Schauspielerin und Kabarettistin über ihren neuen Film „Beckenrand Sheriff“ und über #MeToo.

Von Gabriele Flossmann

Wenn Gisela Schneeberger in Filmen auftaucht, dann weiß man gleich: Diese zierliche, blonde Person hat die Hosen an. Bekannt wurde sie durch die Sketch-Serie „Fast wia im richtigen Leben“ als kongeniale Partnerin von Gerhard Polt. Bei „Kehraus“ und „Monaco Franze“ war sie mit dabei, hat in zahlreichen Kino- und Fernsehfilmen mitgespielt.

Ihre Paraderollen waren meist „Schnepfen“, wie sie selbst sagt, oder „Trutscherln“. Heldinnen findet sie langweilig, lieber ist ihr der schonungslose Blick aufs wahre Leben.

In ihrem neuesten Film kämpft sie als Bürgermeisterin einer bayrischen Kleinstadt gegen einen „Beckenrand Sheriff“. Der selbst ernannte „Schwimmmeister“ wehrt sich gegen die Schließung des örtlichen Freibads und nebenbei untergräbt er auch die örtliche Asylpolitik, indem er einem afrikanischen Flüchtling zu einer Aufenthaltsgenehmigung verhelfen will.

KURIER: Die Bürgermeisterin gibt sich bei ihren öffentlichen Auftritten ziemlich männlich. Wie es Frauen oft tun, wenn sie in der Politik oder in der Wirtschaft Karriere machen wollen. Könnte man diese Szenen als kabarettistische Ermahnung verstehen, dass erfolgreiche Frauen ihre Weiblichkeit nicht verdrängen sollten?

Gisela Schneeberger: Ja, absolut. Obwohl ich natürlich verstehe, dass sich Frauen ganz anders beweisen müssen, wenn sie in die Politik gehen. Das sieht man ja an der Annalena Baerbock, der Politikerin von den Grünen, die gleich einmal fertiggemacht wird, weil sie in eine angeblich männliche Domäne eindringen will.

Verstehen Sie die Klage, wonach kritisches Kabarett zunehmend schwieriger wird, weil die Politik nicht mehr zu parodieren ist, weil die Originale grotesker und komischer sind?

Ich war ja in dem Sinne nie Kabarettistin, weil ich meine Texte nie selber geschrieben habe. Aber ich verstehen die österreichischen Kollegen, weil es nach Ibiza ja kaum mehr möglich ist, solche Ereignisse in einer Satire zu übertreffen. Aber andererseits bieten sich noch genügend Themen an. Wie zum Beispiel dieses verbissene Gendern …

Wo fängt für Sie die Verbissenheit beim Gendern an?

Zum Teil stört mich daran, dass man mit politischer Korrektheit, die sich auf sprachliche Regelungen konzentriert, die wahren Probleme der Gleichberechtigung in den Hintergrund drängt. Ich finde auch diese Humorlosigkeit, mit der das alles betrieben wird, ganz schlimm. Natürlich ist es gut, dass man die Frauen gleichberechtigt miteinbeziehen will und wenn es in einer Begrüßung heißt „Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer“, dann finde ich das absolut richtig. Früher hat es bei Veranstaltungen ja nur rein maskuline Ansprechformen gegeben, aber dass man jetzt diese Pause macht vor „Innen“, das hat so was Erzieherisches. Und ich glaube, dass man die Menschen, die man damit erreichen will, damit eher abschreckt. Und dass man Märchen und ganze Bücher umschreiben muss, um sie „politisch korrekt“ zu machen, das finde ich schlimm. Lange hat sich keiner getraut, solchen Fehlentwicklungen zu widersprechen, aber langsam erhebt sich da ein Widerstand. Hoffentlich.

Sie sagten vorhin, dass Sie auch als Kabarettistin immer Texte von anderen gesprochen haben. Hatten Sie nie den Drang, sich in eine Rolle selbst einzubringen und Dialoge an Ihre Sichtweise anzupassen?

Ich bin immer ein Widerspruchsgeist. Das habe ich in mir, seit ich Kind war. Ich debattiere immer, aber das muss ja nicht unbedingt am Set sein. Ich versuche meinen Standpunkt immer schon in Vorgesprächen einzubringen. Ich war nie so etwas wie eine Erfüllungsgehilfin. Nee. Vielleicht hat man mir angesehen, dass ich mich auch auf der Bühne nicht zusammenschreien lasse. Ich habe wirklich mit großen Diktatoren gearbeitet – auch in meinen Filmen –, die von allen gefürchtet waren, aber ich habe es immer fertiggebracht, dass ich nicht das Opfer war.

Was würden Sie aus Ihren eigenen Erfahrungen den #MeToo-Opfern raten?

Man kann sich seinen Charakter ja nicht aussuchen. Aber an sich finde ich #MeToo eine wichtige Sache. Ich fand es von Anfang an toll, dass einmal das Thema auf den Tisch kommt, dass man als junge Frau nicht in den Hintern gezwickt werden will, von einem Typen, der über einem steht. Aber dass dann plötzlich Leute etwas sagen, das ihnen vor 20 Jahren passiert ist. Vielleicht ist das beim Weinstein am ehesten noch gerechtfertigt. Aber bei Ereignissen, die so lange zurückliegen – auch wenn sie tatsächlich passiert sind –, weiß ja jeder Neurologe, was sich da im Gehirn alles abspielt, dass eine objektive Aussage kaum mehr möglich ist – und damit auch kein gerechtes Urteil. Aber vielleicht braucht es diesen fast jakobinerhaften Übereifer, um den Männern klarzumachen, dass Frauen solche Übergriffe nicht wollen. Wenn sich gesellschaftlich etwas ändern soll, ist es immer so, dass das Pendel zu stark in die Gegenrichtung ausschlägt. Vielleicht muss das einfach so sein.

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