Kultur
23.12.2017

Schach mit Humphrey Bogart

Der Roman heißt "Wer ist B. Traven?" Aber die Antwort ist nicht so wichtig, aber Bogie spielt endlich wieder eine Hauptrolle.

Humphrey Bogart hat gerade eine Drehpause. In seinem Zelt sitzt, völlig geschafft von der Hitze, mit baumelnden Armen auf einem Lehnstuhl. Die Beine hat er von sich gestreckt. Er flucht.

Eine Entladung wie ein Sommergewitter.

Als ein Besucher eintritt und sieht, wie kahl Bogart ist, greift der Schauspieler nach seinem Toupet und setzt es auf, ganz selbstverständlich wie einen Hut. Er sagt lakonisch:

"Drei Ehen und eine Menge Alkohol – da fallen dir nun mal die Haare aus."

Drambuie

Das ist es, was den Roman "Wer ist B. Traven?" ausmacht.

Humphrey Bogart ist es.

Bogie braucht ohnehin wieder eine große Rolle, um sich in Erinnerung zu rufen.

(Neulich in Wien in einem Spezialgeschäft für Alkohol: "Haben Sie diesen Whisky-Likör, den Humphrey Bogart so gern getrunken hat?" – "Wersndas?")

Humphrey Bogart trank Drambuie. Er trinkt es auch in Torsten Seiferts Roman. Der deutsche Werbetexter hat "seine" Geschichte gut gewählt, sie funktioniert sogar amerikanisch ... wenn Bogie einen Auftritt hat.

1947 wurde von John Huston in Mexiko der Abenteuerroman "Der Schatz der Sierra Madre" verfilmt. Bogart (kein Oscar) und Hustons Vater Walter (Oscar) spielten mit. Es sollte einer der bedeutendsten Filme aller Zeiten werden.

Der Bestseller war in den 1920ern unter dem Pseudonym B. Traven geschrieben worden. Nun zogen auch amerikanische Journalisten aus, um den Autor zu enttarnen. Europäische hatten kapitulieren müssen.

Kein Hörbiger

In Los Angeles bekommt der junge Leon Borenstein den Auftrag. Sein Chefredakteur weiß: Zu den "Sierra Madre"-Dreharbeiten hat Traven einen Bevollmächtigten geschickt, Hal Croves (Das war tatsächlich so.) Diesem unscheinbaren Literatur-Agenten soll sich Leon an die Fersen heften; aber offiziell anreisen, um Humphrey Bogart zu interviewen. Der würd’ zwar Journalisten am liebsten mit seinem Toupet erschießen. Aber einen guten Gegner beim Schach mag er für die Pausen. Leon spielt ausgezeichnet.

Es gibt also Schach und Drambuie in Mexiko, wo Häuser mitunter Fenster haben, die "wie zahnlose Menschen" aussehen.

Für Leon gibt es sogar Sex im Beichtstuhl, und das macht den Roman spritzig.

Aber übersiedelt er ins Nachkriegswien, so geht’s wirklich um Travens Identität. Dort gibt’s keinen Bogie mehr, und nicht einmal Paul Hörbiger taucht als Hausmeister auf (wie in der Verfilmung von Greenes "Der Dritte Mann").

Verdammt

Die eigentliche Frage "Wer ist B. Traven?" interessiert weniger. Es gab Dutzende Versuche, ihn zu entlarven.

Vielleicht hieß er Hal Croves oder war Sohn einer Gräfin von Wedel. Vielleicht war er früher Revolutionär in Deutschland – was passen würde, denn man kann seine Bücher auch als Aufruf lesen: "Verdammte dieser Erde, wacht endlich auf!"

Traven wollte, dass nicht er, sondern sein Werk im Mittelpunkt steht. Und genau darauf – "Das Totenschiff" (1926), "Die Brücke im Dschungel" (1927) ... – hat man Riesenlust bekommen.

Und auf Bogart-Filme.

Torsten Seifert:
„Wer ist
B. Traven?“
Tropen Verlag.
269 Seiten.
20,60 Euro.

KURIER-Wertung: ****