Kultur
25.08.2017

"Scandal": Kerry Washington über Trump, Olivia Pope und Nasenbohren

Die Schauspielerin ist einer der spannendsten Stars des US-Fernsehens.

Kerry Washington.Die Schauspielerin ("Scandal") ist einer der spannendsten Stars des US-Fernsehens.Sie ist ein Star mit zwei Magistertiteln in Soziologie und Anthropologie. Jennifer Lopez war ihre Tanzlehrerin. Christoph Waltz brachte ihr ein österreichisches Kinderlied bei. Ihr Privatleben spielt sich außerhalb der Medien ab. Durch Social Media wurde sie zur Stilikone. Ihren Ruhm nützt sie für Aktivismus. Sie gründete eine Charity für misshandelte Frauen. Sie arbeitete für Barack Obama in seinem ersten Wahlkampf und für Hillary Clinton im letzten. Sie ist ein Vorbild für Frauen aller Hautfarben. Kerry Washington macht alles richtig.

Durchbruch

Die 40-jährige New Yorkerin fiel Filmfans zuerst als Ehefrau und Partnerin berühmter und berüchtigter Männer auf: auf der Leinwand war sie mit Ray Charles und Idi Amin verheiratet und spielte die Sklavin Broomhilda von Schaft neben Christoph Waltz in Quentin Tarantinos "Django Unchained". Der große Durchbruch gelang ihr 2012 auf dem Bildschirm: Als Washington-Anwältin Olivia Pope ist sie in "Scandal" die mächtigste Person im Raum. In jedem Raum.

Den Erfolg der Serie, die jetzt im Herbst in die letzte Staffel geht, haben die Produzenten ihrer Hauptdarstellerin zu verdanken, die lange vor "Game of Thrones" ihre Kollegen zum Live-Tweeting während jeder Ausstrahlung überredete. Dabei hielt sie die Fans an, zum Fernsehabend wie Olivia Rotwein zu trinken und Popcorn zu essen.

Ihr größter Fan ist Kollege Tony Goldwyn, der in "Scandal" Präsident Fitzgerald Grant spielt, und mit dem Olivia Pope seit Beginn der Serie eine On-Off-Affäre hat: "Kerry ist der beste Team-Captain, den wir uns wünschen könnten. Sie hat so viel Würde, unbegrenzte Energie und Enthusiasmus, und ganz gleich, wie viel Stress sie selbst hat, ich habe sie nie jammern hören."

Dass "Scandal" nun trotz hoher Einschaltquoten in die Endrunde geht, erfüllt sie mit Stolz und Wehmut: "Es war unsere Entscheidung, die Geschichte mit der fünften Staffel zu beenden. Dennoch sind wir alle ein bisschen traurig, aber es ist nett, wenigstens zu wissen, wann genau man seinen Job verliert! Das passiert einem Schauspieler ja eher selten."

Ihre liebste Erinnerung? "Am Abend der echten Präsidentenwahl im November 2012 drehten Tony und ich die Szene, wo Präsident Grant und Olivia vor der Urkunde der Original-amerikanischen Verfassung stehen. Wir berührten die Verfassung – und einander, haha! – zur selben Zeit, als Barack Obama die Wiederwahl gewann."

Dass sich die Welt seither stark verändert hat, geht weder an ihr noch ihrer Rolle vorbei: "Weil wir wissen, dass das unsere letzte Staffel ist, gehen wir mit einer ,Alles-oder-nichts‘-Einstellung vor die Kamera. Nach dem Motto: besser als je zuvor."

Und irrer. Denn "Scandal" leidet wie alle politischen TV-Serien unter der noch verrückteren Realität. Trump zu toppen ist auch mit den besten Drehbuchautoren kaum möglich. "Um skandalöser zu sein als die Realität, mussten wir den Wahnsinn noch drei Stufen raufschrauben."

"Scandal"-Fans dürfen sich auf Showdowns zwischen den Protagonisten freuen: "Ich mag es, dass Olivia Pope das Produkt des würdevollen Papa Pope und dieser Gangster-Mutter ist. Was ich von meiner Rolle gelernt habe, ist vor allem in Stöckelschuhen zu rennen. Das kann ich nach vier Jahren nun wirklich gut!" Sie lacht.

Privatleben: Privat

Die letzten vier Jahre brachten auch nicht nur in ihrer Karriere große Veränderungen: Sie heiratete den früheren NFL-Spieler und jetzigen Doku-Produzenten Nnamdi Asomugha und versteckte zweimal ihren Babybauch hinter riesigen Handtaschen in "Scandal", denn Olivia Pope war nicht schwanger. Tochter Isabelle ist drei, Sohn Caleb zehn Monate alt. Fotos von und mit den Kindern gibt es nicht: "Meine Kids sind keine Accessoires, mein Privatleben kein Thema für die Medien. Das habe ich mir geschworen, lange bevor ich zum ersten Mal über einen roten Teppich ging." Sie selbst stammt aus gutbürgerlichem Haus, der Vater ist Immobilienmakler, die Mutter Uni-Professorin, ihre Erziehung ist durch die besten Schulen geprägt.

Von der mütterlichen Seite ist sie eine Cousine des früheren US-Außenministers Colin Powell.

Wer nun denkt, Kerry Washington sei eine von Ehrgeiz getriebene, immer nur ernsthafte Person, irrt. Ihre Ambition und Rollenwahl ist von Recherche und Intelligenz bestimmt, aber auf Film- und TV-Sets gilt sie als Klassenclown. Um einen Ausgleich zur Intensität der Handlungsstränge in Drehpausen zu erzeugen, verfolgt sie ihre Kollegen mit dem Handy und zwingt sie, komische Posen einzunehmen.

Dabei macht sie selbst mit. Wer ihren Instagram-Feed kennt, weiß, dass es zwischen ihr und Tony Goldwyn einen Wettkampf um den Preis für den besten Nasenbohrer gibt. Ja, Sie haben richtig gelesen. "Wir sind eben wirklich ernsthafte Schauspieler!"