Modell: neues Bühnentor, die Anhebung des Bürotrakts (ebenfalls grau markiert) kommt nicht. 

© Thomas Trenkler

Kultur
04/29/2019

Sanierung Volkstheater: Das neue Tor zur Bühne

Die Arbeiten beginnen mit Jahresende. Laut Geschäftsführer Cay Stefan Urbanek beträgt die Kostensicherheit bereits 80 Prozent

von Thomas Trenkler

Eigentlich hätte die Sanierung des Volkstheaters im Mai 2018 beginnen sollen. Doch Ende 2017 musste Cay Stefan Urbanek, der kaufmännische Geschäftsführer, eine Verzögerung einbekennen. Um im Kostenrahmen von 27,3 Millionen Euro bleiben zu können, werde das Projekt auf mehrere Baulose aufgeteilt – und im Sommer 2019 umgesetzt. Aber auch dieser Plan ließ sich nicht realisieren: Mitte April gab Direktorin Anna Badora bekannt, dass es erst von Jänner bis Oktober 2020 zu einer Schließzeit komme. Die ersten vier Monate werde man die Halle E nebenan im Museumsquartier, vormals Messepalast, bespielen. Dorthin wich man auch 1980 aus, als das in der NS- und Nachkriegszeit verunstaltete Gebäude renoviert bzw. rekonstruiert wurde.

Gegenüber dem KURIER beteuert Urbanek, dass der neue Zeitplan inklusive Wiedereröffnung halten werde: Bereits im Dezember würden Teile der Administration abgesiedelt, der Spielbetrieb sei dadurch nicht beeinträchtigt. Und in der Halle E sei es aufgrund ähnlicher Dimensionen möglich, die fürs Volkstheater konzipierten Produktionen zu zeigen.

„Sehr eng bemessen“

Auch böse Überraschungen seien nicht zu erwarten: „Wir haben bereits zu 80 Prozent Kostensicherheit. Und es gibt die realistische Einschätzung, dass wir mit den 27,3 Millionen auskommen.“ Er weiß aber auch: „Es ist ein sehr eng bemessenes Budget!“ Da man für einen Generalunternehmer hohe Aufschläge zu zahlen habe, verzichtet Urbanek auf einen solchen: „Das Volkstheater ist der Bauherr. Wir arbeiten mit mehreren Gewerken zusammen, die von den Planern zu koordinieren sind.“

Schlechtestenfalls müsse man eben einen Kredit in der Höhe von vielleicht zwei Millionen Euro aufnehmen: „Das wären bei einer Laufzeit von zehn Jahren etwa 200.000 Euro pro Jahr“, so Urbanek. „Eine handhabbare Größe.“

Stadt und Bund steuern je zwölf Millionen Euro bei, den Rest, also 3,3 Millionen, hat das Volkstheater aufzubringen. Man habe bereits 1,2 Millionen investiert – in die Tribüne, die Anna Badora errichten ließ(was zu einer weiteren Sitzplatzreduzierung auf nun 832 führte). Doch bereits dafür nahm man einen Kredit auf. Die Hälfte sei bereits, so Urbanek, zurückgezahlt. Es handelt sich aber nicht wirklich um Drittmittel: Über die Spendenkampagne wurden bisher bloß 100.000 Euro lukriert.

Keine Visualisierungen

Ein Grund könnte sein, dass kaum jemand weiß, was alles im Rahmen der „Funktionssanierung“ (neue Klimatisierung und Elektrik, neuer Schnürboden, neue Sanitätsanlagen und Brandschutzmaßnahmen) realisiert wird: Es gibt weder Visualisierungen noch anschauliches Bildmaterial, sondern nur ein Modell aus Styropor, das aber veraltet ist, weil man die Idee, den Bürotrakt anzuheben, aus Kostengründen fallen ließ. Dabei ließe sich doch einiges herzeigen.

Im Prinzip sind drei zentrale Maßnahmen vorgesehen, die erste betrifft den Anbau aus dem Jahr 1907: Das Kartenbüro im Erdgeschoß wird auf die andere Seite des Gebäudes verlegt, also in die Neustiftgasse. Stattdessen will man ein Kaffeehaus einrichten, das über Treppe und Lift mit der „Roten Bar“ verbunden ist. Dieser Trakt werde zudem schall- und branddicht vom Theater getrennt. Es soll daher künftig möglich sein, die „Rote Bar“ unabhängig zu bespielen.

Zweitens siedelt man die Abendkassa mittig im Vestibül an – und man verlegt die Garderobe in den leeren Bereich unter der Tribüne.

Denn drittens wird burggassenseitig ein neues Bühnentor errichtet. Bei der Hinterbühne war einst gespart worden; auch der spätere Anbau erwies sich als nicht wirklich praktikabel, denn man muss mühsam einen Niveauunterschied zwischen Straße und Bühne überwinden. Die neue Anlieferung samt Seitenbühne ermögliche einfachere Arbeitsabläufe.

Und schließlich will man den ursprünglichen Flair herstellen: Glaskörper und Lampenschirme im Stil des Historismus (aber ohne Ätzungen) sollen die plump auf die geschwungenen Beleuchtungskörper montierten Kerzen ersetzen. Wenn man genau schaut, entdeckt man im Volkstheater bereits einige Prototypen. Aber man muss schon sehr genau schauen!