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Kultur
04/16/2019

Samurai im Weltmuseum: Vom Kriegerclan zu Kunstliebhabern

„Die Eleganz der Hosokawa – Tradition einer Samurai-Familie“ (bis 16. 7.) zeigt die Schätze eines bedeutenden Clans

von Werner Rosenberger

„Das Schwert wurde uns von den Göttern anvertraut, auf dass es unser Land schütze und seinen Frieden erhalte, es ist der Schatz unseres Volkes!“, heißt es in der japanischen Mythologie.

So sind Schwertklingen neben chinesischer Teekeramik die ältesten Exponate in der Wiener Hofburg. Und aus der Jetztzeit werden Kalligraphien gezeigt.

Die Hosokawa nahmen seit dem 14. Jahrhundert bis heute eine bedeutende Stellung in der Geschichte Japans ein: zuerst als erfolgreiche Samurai-Krieger im Dienste des Shogun, dann als politische Familie von der Neuzeit bis in die Gegenwart. Und als angesehene Kunstliebhaber.

In der Dynastie gab es seit dem 14. Jahrhundert nicht nur Krieger, sondern auch berühmte Poeten, Mäzene, Gelehrte und Künstler.

Deren Leidenschaft gilt bis heute vor allem dem Nō-Theater (Nō bedeutet „Können“ und „Begabung“), das traditionell nur von Männern gespielt, getanzt und musikalisch begleitet wird. Und der Teezeremonie.

Kriegerelite

Aus Anlass des 150-Jahr-Jubiläums der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Japan und Österreich-Ungarn präsentiert das Weltmuseum Wien die Ausstellung „Die Eleganz der Hosokawa – Tradition einer Samurai-Familie“ (bis 16.7.). Erstmals sind in Europa 85 Objekte aus der Sammlung von Kunstgegenständen der fürstlichen Familie zu sehen.

Die hochkarätige Sammlung der Hosokawa umfasst im privaten Eisei Bunko Museum in Tokio insgesamt 112.000 Objekte, darunter acht Nationalschätze.

Die Hosokawa mutierten in der Edo-Zeit (1600-1868) zu „daimyō“ (Feudalherren) in der Provinz Higo Kumamoto. Und Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Este hielt sich auf Weltreise 1892/’93 just in Kumamoto auf: Dabei erhielt er einige Fotos der Burg von Kumamoto, dem Familiensitz der Hosokawa, vor der Zerstörung durch einen Brand 1877 und vor dem Erdbeben von 1889.

Künstler

In Fortführung der langen Tradition beschäftigt sich Morihiro Hosokawa, Jahrgang 1938 und derzeit 18. Oberhaupt des Clans, mit Töpferei, Malerei, „urushi“-Lackarbeit und Kalligraphie. Bis 1998 hatte er politische Ämter im Ober- und Unterhaus des japanischen Parlaments inne, von 1993 – 1994 war er Premierminister.

Seine politische Tätigkeit habe „eher der kriegerischen Seite“ der 700-jährigen Familiengeschichte entsprochen, sagt er, aber nun sei er mehr als Künstler tätig – wie seine anderen Vorfahren. Das „Schönschreiben“ von Hand, die Kalligraphie, „ist im Ursprung in Ostasien die Quintessenz von Kunst und hoch angesehen“, sagt Bettina Zorn, Kuratorin der Sammlung Ostasien im Weltmuseum, im KURIER-Gespräch.

Hinwendung zum Zen

„Hinter den Objekten stehen viele schöne Geschichten, warum zum Beispiel die Zen-Malerei für ein Hosokawa-Oberhaupt eine große Rolle gespielt hat“, so Bettina Zorn mit Verweis auf den Katalog. „Mit Lebenskrisen und Krankheit kam bei ihm die Zuwendung zum Zen-Buddhismus und die Auseinandersetzung mit der japanischen Geschichte.“

Und ist sie für unsereins im Westen überhaupt zu verstehen, die Kultur der Inselnation im Pazifik? „Sie ist sehr mit Symbolen behaftet“, sagt Bettina Zorn. „Und man muss die Codes jener Zeit lesen können, um deren Bedeutung zu verstehen.“www.weltmuseumwien.at