Salzburger Osterfestspiele: Mahlers 8. Symphonie überwältigte
Von: Helmut Christian Mayer
Zwei gemischte Chöre, ein Knabenchor, acht Gesangssolisten und ein Riesenorchester inklusive Orgel: Die Besetzungsanforderungen der 1906/7 entstandenen 8. Symphonie von Gustav Mahler sind gewaltig und finden kaum Vergleichbares. Deswegen wurde sie vom Veranstalter der triumphalen Uraufführung 1910 in München ziemlich reißerisch als „Symphonie der Tausend“ bezeichnet. Und deshalb wird Mahlers „Opus summum“ auch sehr selten aufgeführt. Trotzdem wäre es verfehlt, in dem Werk nur Gigantismus sehen zu wollen. Jetzt erklang es im Großen Festspielhaus bei den Salzburger Osterfestspielen.
„Veni, creator spiritus“: Mit diesem mittelalterlichen Pfingsthymnus, der Anrufung des Heiligen Geistes, und einem einprägsamen Thema hebt der kürzere, erste Teil an. Hier war überwiegend Imposantes und Gewaltiges zu hören. Der zweite Teil, mit Texten aus den Schlussszenen von Goethes „Faust“, erklang unter der wieder hochdifferenzierten und konzentrierten, jeden Einsatz gebenden Stabführung von Krill Petrenko bei den Berliner Philharmonikern und bei den homogen und klangschön singenden Chören, dem Rundfunkchor Berlin (Justus Barleben), dem Bachchor Salzburg (Michael Schneider) wie auch bei den Salzburger Festspiele und Theater Kinderchor (Wolfgang Götz und Regina Sgier) und dem Tölzer Knabenchor (Marco Barbon) noch reicher an Nuancen, ja teils auch fast kammermusikalisch.
Dabei erwiesen sich alle Beteiligten mehr als Mittel farblicher Vielfalt denn als Erzeuger von Monumentalwirkungen. Und es gelang allen eine reiche musikalische Erzählung, die große Phantasieräume eröffnete. Insgesamt verwendet Mahler eine ungekannte Vielfalt an Formen und musikalischen Charakteren – er habe die Musik des Abendlandes zu einer großangelegten Synthese führen wollen – mit barocken Fugentechniken ebenso in seinem Werk wie den weihevollen Tonfall von Choral und Hymne.
Dazu gab es ein exquisites Solistenoktett mit den leuchtenden Sopranen Jacquelyn Wagner, Sarah Wegener und Liv Redpath, den Büßerinnen mit wohlklingenden Altstimmen, Beth Taylor und Fleur Barron, mit Tenor Benjamin Bruns, der in großer Emphase die Himmelskönigin anrief, um gleich vor Entzücken ins wundersame Piano zu fallen, mit Gihoon Kim, der leidenschaftlich den „ewigen Wonnebrand“ besang, und Le Bu mit mächtigem Bass. Man steigerte sich gemeinsam zur gewaltigen Schlussapotheose „Das Ewig-Weibliche zieht uns hinan!“ – und überwältigte das Publikum. Stehende Ovationen!
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