Salzburger Festspiele: Was kostete die Trennung von Hinterhäuser?
In Salzburg wundert einen eh schon nichts mehr. Im Umkreis von vielleicht 100 Metern sind Ihrem Tratschpartner gleich fünf Schokoladengeschäfte ins Aug gestochen: neben dem Original-Mozartkugel- und dem Reber-Mozartkugel-Shop die Geschäfte von Lindt und Läderach sowie die Braun Chocolatier Confiserie.
Es gibt aber noch ein paar weitere Zuckerln. Laut Urteil des Landesverwaltungsgerichts Salzburg vom 27. Juli hat der Festspielfonds bekannt zu geben, wie viel die Trennung von Markus Hinterhäuser, bis zum März Intendant, gekostet hat. Mit diesem Urteil wurde einem ehemaligen Kulturmanager recht gegeben, der, wie die APA berichtet, nach dem neuen Informationsfreiheitsgesetz Auskunft begehrt hatte. Die Vertreterin des Festspielfonds hatte zuvor eingewandt, dass die Veröffentlichung von Kosten „zu weiteren Irritationen, insbesondere mit Sponsoren, und zu wirtschaftlichem Schaden führen“ könne: „Zusätzliche mediale Irritationen seien dem Erscheinungsbild der Festspiele abträglich und potenziell schädlich.“ Hätte man sich ja vorher überlegen können.
Dem Fonds wurde also aufgetragen, dem Antragsteller binnen sechs Wochen die Kosten aus der Beurlaubung von Hinterhäuser bis Vertragsende am 30. September und der Auflösung seines Vertrags bis 2031 zu nennen. Das hat viel Marzipan! Und noch mehr Nougat!
Sauer stößt einem hingegen die Folklore-Schau am Residenzplatz auf. Bildhauer Stephan Balkenhol zeigt unter dem Titel „Là ci darem la mano“ („Dort werden wir uns die Hände reichen“) auf Einladung von Stadt und Land Salzburg sowie von der Stiftung Kunst und Kultur e. V. Bonn rund um ihren Leiter Walter Smerling sechs je zwei Meter hohe Bronzeskulpturen, die Helden und Heldinnen der Opernliteratur darstellen sollen. Und zwar – abgesehen von Elektra im „kleinen Schwarzen“ – in historischer Kostümierung.
Turandot
Balkenhol, dessen goldene Kugel samt Männchen ein Eyecatcher des Residenzplatzes ist, dürfte vom zeitgenössischen Umgang mit den Figuren keinen Schimmer haben. Schlimmer noch: Er stellt sich mit seiner konservativen Sicht gegen die Versuche, diese dem Folklore-Kitsch zu entreißen. Die Staatsoper zum Beispiel zeigt eine sehr nüchterne Deutung der „Carmen“, und die Festspiele tun dies mit ihrer Neuproduktion auch. Aber Balkenhol zeigt uns eine Carmen im roten Rüschenkleid ...
Carmen tanzt: Karoline Edtstadler und Stephan Balkenhol.
Oder: Auf der Bühne ist Blackfacing verpönt, Balkenhol hat seinen volllippigen Othello trotzdem schwarz angemalt. Oder: Weiberheld Don Giovanni trägt stolz seinen Degen ...
Othello
Landeshauptfrau Karoline Edtstadler schien angetan. Insgesamt ist die Präsentation aber im Vergleich zum Vorjahr – Jaume Plensa faszinierte mit riesigen Frauenköpfen – zum Genieren.
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