Frühstück am Sonntag mit Elisabeth Kulman und ihrem Lebensgefährten Georg Breinschmid

© boroviczeny stephan

Salzburger Festspiele
08/16/2013

Spitzensänger fordern mehr Ruhezeiten

Elisabeth Kulman und Laura Aikin sehen in der Disposition von Proben und Aufführungen ein "no go".

Spitzensänger der Salzburger Festspiele fordern bessere Arbeitsbedingungen. Wie Elisabeth Kulman und Kollegin Laura Aikin am Freitagmittag bei einem Pressegespräch bekannt gaben, werde in Salzburg zu viel, unnötig und pausenlos geprobt: "Man kann sich durch Markieren nur bedingt schonen", erklärte Aikin, die in der Oper "Gawain" heuer eine zentrale Rolle innehat. "Wir haben wochenlang mit lebendigem Moos auf der Bühne, mit extremem Staub, künstlichem Nebel, Schimmel und Schmutz in der Felsenreitschule gearbeitet. Dann kamen zwei Orchesterhauptproben und die Generalprobe innerhalb von 36 Stunden. Bei der Premiere war die Hälfte des Ensembles halb krank oder restlos erschöpft. Bereits nach 20 Minuten der Vorstellungen waren viele Stimmen nicht mehr voll leistungsfähig."

Vier Vorstellungen in fünf Tagen

Auch Kulman beklagte, dass vier Vorstellungen von "Falstaff" in fünf Tagen ein absolutes "no go" seien und forderte zwischen den Vorstellungen zumindest zwei, wenn möglich drei Ruhetage. Edita Gruberova habe das auf einer Japan-Tournee durchgesetzt, und "alle waren damit glücklich", so Kulman. "Riccardo Muti hat mir geraten, es wie Gruberova zu machen. Die hat sich eine Woche vor der Premiere krankgemeldet und ist nicht mehr zu den Proben gekommen. Und bei der Premiere hat sie geglänzt", sagte die Sängerin, die nicht nur kürzere Probezeiten und mehr Ruhetage, sondern auch Physiotherapeuten, Masseure und sogar Psychotherapeuten für Sänger einführen will.

"Wir haben für den 'Falstaff' im März zweieinhalb Wochen geprobt", so die Altistin weiter. "Da sind die Regie und die Musik für uns Sänger klar geworden. In den dreieinhalb Wochen Proben im Juli ist es hauptsächlich um Bühnentechnik gegangen, und wir Sänger sind wie Statisten herumgestanden. Und als Dirigent Zubin Mehta und das Orchester dann kurz vor der Premiere dazugekommen sind, ist es plötzlich wieder viel zu dicht und extrem anstrengend geworden", so Kulman, die genau wie Aikin gegen die Ineffizienz der unbezahlten Probezeit Sturm läuft. "Ich brauche nicht mehr Geld zu verdienen, ich habe Geld genug. Wir sollten die Abendgagen für die Sänger senken und dafür die Probezeit mit einer Pauschale abgelten. Das würde zumindest das Risiko zwischen Veranstalter und Künstler verteilen", argumentierte die Sängerin, die ihre Initiative "art but fair" auch als eine Art Gewerkschaft für Solisten versteht.

Probezeit nicht bezahlt

Probezeiten nicht zu bezahlen, das sei bei den Festspielen erst von Alexander Pereira eingeführt worden, sagte Aikin. "Wir Sänger haben das stillschweigend hingenommen. Wir wollen singen und spielen und die Wünsche der Regisseure und Dirigenten so gut wie möglich erfüllen. Aber es wird rundherum immer enger, früher waren wir wesentlich besser geschützt, da wurde nicht permanent das Maximum aus uns herausgequetscht ", so die Sopranistin, die betonte, dass es in Salzburg gegenüber anderen Häusern immer noch gute Bedingungen gebe.

Unterstützt werden die beiden Solisten von der Medizin. Ingo Titze von der Universität Utah, Autor eines Standardwerkes über die Funktionsweise der Stimme, Matthias Weikert, Stimm- und Theaterarzt aus Regensburg, und Festspielstimmarzt Joseph Schlömicher-Thier sprachen von "chronischen Überlastungen der Stimmen" vieler Sänger und sagten, die Stimme sein ein Hochleistungsschwingapparat, der ein optimales Mikroklima brauche. "An den beiden rund 1,4 Zentimeter langen Stimmlippen hängt ein Mensch dran. Im Schatten des Schönen gibt es viele Probleme", so der Festspielhausarzt, der darauf hinwies, dass Sopranistinnen mit 44 Prozent der Fälle die größte Problemgruppe sind, gefolgt von Bässen mit 22 und Tenören mit 19 Prozent. "Die Hormone spielen dabei eine zentrale Rolle und die Arbeitsbedingungen ebenfalls. Ein Ruhetag sei aus medizinischer Sicht das Minimum. Zwei sind besser, und drei sind ideal. Vier sind zu viel, weil die Muskulatur dann bereits abbaut", sagte Schlömicher-Thier und betonte, es sei zentrale Aufgabe eines Festivals, seine Künstler auch im medizinischen Sinn respektvoll zu behandeln.

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