Wählen Sie KURIER als bevorzugte Google-Quelle

Salzburg und die „Arroganz einer kleinkarierten Politik“

Das Thema Hinterhäuser ist bei den Festspielen immer noch sehr präsent. Das zeigt auch ein Antrag an das (fiktive) Kulturamt.
Ein Schreibtisch mit Aktenordnern, einem Stempel, einer Kaffeetasse und abgelehnten Dokumenten, über dem ein Paragraphenzeichen an einem Spinnenfaden hängt.

Sehr geehrtes Kulturamt!

Ich lese viel über die Salzburger Festspiele, war heuer auch selbst einmal dort und habe mitbekommen, dass bei manchen immer noch Betrübnis über den Abgang des Intendanten herrscht. Als er kürzlich als Begleiter eines Liederabends auftrat, soll er gefeiert worden sein wie ein Popstar. Mein Antrag an Sie: Verfügen Sie amtlich ein Ende der kollektiven Trauer, damit es endlich nur der Kunst gilt. Es geht um die Festspiele und nicht um gekränkte Personen im Hintergrund.

Mit verwunderten Grüßen, M. F.

***

Sehr geehrte M. F.,

vielen Dank für Ihren Antrag, dessen Einlangen wir gerne bestätigen (Geschäftszahl 26/2026), den einer Genehmigung zuzuführen wir jedoch ablehnen müssen. Erstens halten wir emotionale Empfindungen für keine amtlich zu regelnden Dinge, zweitens verstehen wir durchaus, dass sich kulturpolitische Debatten auch auf das p.t. Publikum durchschlagen, wenn sie derart gehandhabt werden. Wir hoffen aber doch, dass sie fürderhin im Rahmen bleiben und sich nicht etwa in A-priori-Ablehnung potenzieller Nachfolger entladen. Aber leider ist auch Differenzierung keine steuerbare Kategorie.

Kommen wir beispielhaft zu einer Opernproduktion, bei der alles die Handschrift des geschassten Festspielchefs trägt: der Komponist, das Werk, die Besetzung, die Inszenierung, die Wahl des Dirigenten – konkret „Saint François d’Assise“ von Olivier Messiaen. Wir sind nicht verwundert darüber, dass Regisseur Romeo Castellucci im Programmheft sagt: „Ohne Markus Hinterhäuser hätte ich mir diese Arbeit niemals erträumen und sie niemals umsetzen können ... (Sie) ist gewissermaßen verwaist ... (Er ist) Opfer der Arroganz einer kleinkarierten Politik, welche der Kultur die Flügel stutzen will, ohne über die entsprechende Kultur zu verfügen, um zu verstehen, was sie damit anrichtet.“ Na bumm oder „geh leck“, wie man in Salzburg sagt.

Wir halten es für durchaus ungewöhnlich, wenn solche Konflikte in einer Festspiel-Publikation öffentlich gemacht werden, finden das aber richtig. Hätte man Castellucci, einen weltweit arrivierten Künstler, zensieren sollen? Das hätte für einen weit über ein Bundesland hinausreichenden Skandal gesorgt. Es muss den für die Amtsenthebung Verantwortlichen klar gewesen sein, dass der Nachhall nicht steuerbar ist. Diffuse Argumente, schlechte Kommunikation – kein Wunder, dass es da in der Rezeption Pro und Kontra gibt. Diese Festspiele werden weiterhin von Hinterhäusers künstlerischem Geist geprägt. Und was langfristig davon bleibt, entscheidet sicher nicht die Politik.

Kommentare