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Neue Einblicke, Voyeure und Schafe

Bayreuth und Salzburg starten am selben Tag mit ihren szenischen Opernproduktionen. Dort gibt es unter anderem den ersten KI-„Ring“, hier ein (nominell) spektakuläres Programm.
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Sommerzeit ist Festivalzeit ist Opernzeit. Der heutige Sonntag ist aber selbst innerhalb des saisonalen Zyklus etwas Besonderes.

Die Bayreuther Festspiele und jene in Salzburg, also die beiden wichtigsten Festivals im deutschsprachigen Raum, starten gleichzeitig mit ihren szenischen Opernproduktionen. In Bayreuth wird das 150-Jahr-Jubiläum der Wagner-Festspiele begangen: mit einer Neuproduktion von „Rienzi“ (überhaupt zum ersten Mal im Festspielhaus) und einem neuen „Ring des Nibelungen“, dirigiert von Christian Thielemann und von Künstlicher Intelligenz mit Bildern ausgestattet. Und in Salzburg?

Dort ist heute die Premiere von George Bizets „Carmen“ zu erleben – mit der bei den Festspielen zum Superstar gewordenen Asmik Grigorian in der Titelpartie, dirigiert von Teodor Currentzis und inszeniert von Gabriela Carrizo von der belgischen Tanzkompanie Peeping Tom (ein englischer Ausdruck für Spechtler, Voyeur). Diese versucht, die inneren Zustände der Figuren durch Tänzer zu verdeutlichen, die Dialoge sind gestrichen, neue Einblicke garantiert, das klassische „Carmen“-Bild wird hinterfragt. Das Interesse ist gewaltig, die Premiere ausverkauft.

Mastermind nicht mehr da

Der Salzburger Festspielsommer ist – zumindest nominell – überhaupt einer der spektakulärsten der vergangenen Jahre. Geplant hat ihn Markus Hinterhäuser, der seinen Intendantenjob vorzeitig abgeben musste. Seine Handschrift ist aber bei allen Produktionen ersichtlich.

Nach „Carmen“ gibt es die szenische Neuproduktion von „Ariadne auf Naxos“ von Richard Strauss, inszeniert von Ersan Mondtag und dirigiert von Manfred Honeck. Christina Nilsson sprang in der Titelpartie für Elīna Garanča ein, die aus persönlichen Gründen absagen musste.

Danach gibt es mit „Saint François d’Assise“ von Olivier Messiaen ein weiteres mutmaßliches Highlight. Dieses Werk hatte Hinterhäusers Lehrmeister Gérard Mortier in seinem ersten Festspieljahr 1992 auf- und zum Triumph geführt. Diesmal inszeniert Romeo Castellucci, auf der sonst recht kargen Bühne der Felsenreitschule gibt es unter anderem auch echte Schafe. Maxime Pascal dirigiert die Wiener Philharmoniker.

Mozarts „Così fan tutte“ wird von Regisseur Christof Loy überarbeitet – er hatte die Oper während der Corona-Zeit auf 2:15 Stunden (ohne Pause) gekürzt, nun gibt es die ganze Fassung zu sehen. Joana Mallwitz steht am Pult der Wiener Philharmoniker.

Dazu gibt es die Wiederaufnahme von Rossinis „Il viaggio a Reims“ von den Pfingstfestspielen und konzertante oder semikonzertante Aufführungen („Werther“, „Lucio Silla“, Henzes „Prinz von Homburg“). Strauss, Mozart, die Hitoper „Carmen“, dazu Musik aus dem 20. Jahrhundert – rein programmatisch also Festspiele, wie sie sein sollten. Abgewickelt werden sie von Karin Bergmann, die mittlerweile auch schon über 2027 hinaus, wenn schon ein anderer Intendant im Amt ist, planen muss.

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