Sängerin Georgia: Auf der Suche nach Momenten der Ekstase

Sängerin Georgia: Auf der Suche nach Momenten der Ekstase
Die britische Musikerin Georgia präsentiert heute ihr Album „Seeking Thrills“ in Wien

The White Hotel, ein Club in Manchester: Georgia ist dort, um den 30. Geburtstag einer Freundin zu feiern. Rund fünf Stunden hat sie schon getanzt, als der DJ um drei Uhr morgens „Take Me To The Bridge“, einen Disco-Track aus den 80ern von Vera, auflegt.

„Plötzlich war die Atmosphäre in dem Raum ganz anders“, erzählt Georgia im Interview mit dem KURIER. „Alle tanzten wie ein einziger Organismus, wildfremde Leute umarmten einander, und ich konnte in ihren Augen sehen, wie gelöst und glücklich sie waren. Es war ein magischer Moment der Ekstase.“

Auf derart euphorische Erlebnisse zielt die als Georgia Barnes in London geborene Musikerin mit ihrem neuen Album „Seeking Thrills“ ab – mit Pop-Sounds, die deutlich von Chicago-House und Detroit-Techno beeinflusst sind und den Klang der analogen Drum Machines der 80er-Jahre zurück in die Charts holen.

In die Wiege gelegt

Denn die bekam sie – wortwörtlich – in die Wiege gelegt. Ihr Vater ist nämlich Neil Barnes, Gründer des Duos Leftfield, das in den 90er-

Jahren die britische Rave-Szene maßgeblich beeinflusst hatte.

„Als Leftfield ihr Debütalbum ‚Leftism‘ aufnahmen, war ich gerade geboren worden. Wir wohnten im Zentrum von London und mein Schlafzimmer war das Musikzimmer – der Raum, wo ‚Leftism‘ entstand“, erzählt die 30-Jährige. „Meine früheste Erinnerung ist, dass ich es geliebt habe, bei den Keyboards zu sein und zu machen, was ich damals ‚Drücken‘ nannte, also die Tasten der Keyboards zu drücken.“ Umgeben von den Drum Machines des Papas, lernte sie als Kleinkind damit umzugehen, spielte später neben Keyboards auch Gitarre und Schlagzeug und ging auf die renommierte „Brit School“, die auch Adele und Amy Winehouse hervorgebracht hatte. „Das ist eine öffentliche Schule, wo Leute aus allen Schichten zusammenkommen, weshalb die Kinder unglaublich offen für alles sind. Dort lernte ich Sonic Youth und Punk kennen und lieben.“

2015 erschien ihr erstes Album, das experimentell und viel düsterer war, als „Seeking Thrills“. „Ich liebe es noch immer“, sagt Georgia. „Aber ich wusste damals noch nicht genau, in welchem Sound ich mich wirklich wohl fühle. Meine Eltern hatten sich gerade scheiden lassen, was sehr hart für mich war. Ich begann, mich immer wieder in den Rausch zu saufen, und lebte generell viel zu ungesund. Mein Debüt entstand also in einer sehr dunklen Lebensphase, und das hört man. Jetzt habe ich aber aufgehört zu trinken, bin Veganerin geworden, habe viel abgenommen, lebe total gesund und fühle mich deshalb viel glücklicher. Dieses positive Lebensgefühl, will ich mit ‚Seeking Thrills‘ vermitteln.“

Georgia tritt heute im Wiener Fluc auf. Karten gibt es unter: www.oeticket.com

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