© Tony Hauser

Interview
07/15/2020

Rufus Wainwright: Songs über Los Angeles, ein Trip und der Kater

Der Musiker spricht im KURIER-Interview über den beängstigenden Bibel-Gürtel der USA, sein Familienleben und das neue Album

von Brigitte Schokarth

Seit 2012 hat Rufus Wainwright kein Pop-Album mehr veröffentlicht. Stattdessen hat der Sohn von Loudon Wainwright III und Folksängerin Kate McGarrigle zwei Opern verfasst und für ein Theaterstück von Robert Wilson Sonette von Shakespeare vertont. Mit dem eben veröffentlichten „Unfollow The Rules“ kehrt der 46-Jährige zum Songwriting zurück und liefert damit eine ambitionierte Symbiose aus Jazz, Pop und klassischen Elementen, die an „Pet Sounds“ von den Beach Boys erinnert.

KURIER: Sie haben „Unfollow The Rules“ in drei Akten abgefasst. Eine Reminiszenz an die Arbeit an den Opern?

Rufus Wainwright: Es standen eher die Gedanken an die Old-School-Sounds des Albums und an Vinyl dahinter. Ich bin nämlich mit meinem Mann Jörn zurück nach Los Angeles gezogen und habe hier in klassischen Studios aufgenommen. Wir haben bei der die Vinyl-Ausgabe je vier Songs auf drei Seiten und auf der vierten eine Illustration. Musikalisch sind auf der ersten Seite Songs über Los Angeles, auf der zweiten die eher psychedelischen, Rufus-artigen. Und der dritte Akt ist ganz düster. Ein bisschen ist es, wie nach Los Angeles kommen, einen Acid-Trip einschmeißen und dann den Hangover spüren.

Einer der lustigen Songs ist das bluesige „You Ain’t Big“ über Erfolg im amerikanischen Bibelgürtel.

Viele Jahre hieß es, dass du Millionen von Platten in Japan, Australien und sonst wo auf der Welt verkaufen kannst, aber kein Star bist, wenn du es dort nicht geschafft hast. Ich habe dort ein Publikum. Es ist zwar klein, aber, ich bin dankbar dafür, weil das sehr schwer ist.

Warum ist es schwer? Wegen der konservativen Einstellung der Leute und Vorurteilen gegen Homosexuelle?

Da gibt es viele Gründe, aber die extrem konservative Einstellung ist sicher einer davon. Ich finde es dort beängstigend: Es ist Hochburg von Trump und der republikanischen Partei, die im Prinzip von dort aus die Welt zerstört.

Haben Sie selbst unter Trumps Regierung dort Hass-Übergriffe erlebt?

Nicht direkte persönliche Angriffe, aber ich hatte interessante Erlebnisse. Bei einem Konzert dort buhten Leute und gingen, als ich den Song „Going To A Town“ spielte, der kritisch mit dem derart konservativen Amerika umgeht. Und als ich ihn mit einem Orchester spielte, ging der Trompeter, der dabei einen großen Part hat, während der Aufführung raus.

„Early Morning Madness“ handelt von ihrem Kampf mit dem Alkohol. Sind Sie darüber nicht lange hinweg?

Ja, ich lebe jetzt gesund und deshalb ist der Song auch ironisch. Und es geht auch darum, dass ich heute gelegentlich um vier Uhr früh aufwache, weil ich voll von Angst und Sorge darüber bin, was auf der Welt vorgeht. Früher bin ich um diese Zeit aufgewacht, weil ich am Tag davor so viel getrunken hatte und dann das Kopfweh eingesetzt hat. Und als das abgeklungen war, hab ich mir den nächsten Drink geholt. Eigentlich geht es darum, dass man in einem Kreislauf feststeckt.

Wie sind Sie in diesen Kreislauf hineingeraten?

Na ja, mein Vater hatte das Problem. Auch meine Mutter und mein Großvater. Es ist also ein Muster, dass sich durch alle Generationen der Familie zieht. Aber es hat halt auch Spaß gemacht. Gott sei Dank habe ich rechtzeitig erkannt, als es vom Spaß zum Problem wurde. Ich bereue es nicht, aber lasse ich es nicht länger mein Leben regieren.

Hat die Stabilität Ihrer Ehe mit Festival-Kurator Jörn Weisbrodt dazu beigetragen, das zu überwinden?

Auf jeden Fall. Wir haben es idyllisch hier in Laurel Canyon. Wir haben ein schönes Haus, einen kleinen Hund, den meine Tochter Viva Puccini genannt hat. Und wir haben eben diese wundervolle Tochter und sind alle gesund. Es gehört schon Arbeit dazu, sich so etwas aufzubauen. Aber wenn Drogen und Alkohol im Spiel sind, hörst du auf, daran zu arbeiten.

Darüber singen Sie in dem Song „Peaceful Afternoon“ von „Unfollow the Rules“. Und Sie sind generell in Songs sehr ehrlich in Bezug auf Ihre Probleme und Familie. Haben Sie das je bereut?

Künstlerisch habe ich nie etwas bereut. Denn wenn man sich meine persönlichen Songs ansieht – selbst „Dinner At Eight“ über die schwierige Beziehung zu meinem Vater: Ich war dabei immer respektvoll und nie gemein. Ich habe Sachen bereut, die ich über meine Familie in Interviews gesagt habe, wenn ich verletzt, müde oder traurig war. Aber als Songwriter bin ich damit aufgewachsen. Meine Mutter und mein Vater haben sich gegenseitig Hass-Songs geschrieben, während sie sich scheiden ließen, als ich ein Kind war. Die waren meiner Meinung nach dabei ein bisschen zu ehrlich.

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