Zubin Mehta leads Belgrade Philharmonic orchestra

© EPA / ANDREJ CUKIC

Kritiken
11/04/2021

Rückkehr eines Giganten: Zubin Mehta dirigierte wieder in Wien

Dazu noch: Gounods „Faust“ und Verdis „Nabucco“ als großes Musiktheater an der Staatsoper.

Zwei Jahre lang musste er (mit ganz wenigen Ausnahmen) pausieren. Das lag einerseits an der Corona-Pandemie, andererseits auch an persönlichen, schweren  gesundheitlichen Problemen.  Nun aber kehrte der inzwischen 85-jährige Zubin Mehta nach Wien ins Konzerthaus zurück.

Mit „seinem“ Orchester, dem Maggio Musicale Fiorentino, dessen Chefdirigent er von 1985 bis 2017 war.

Mit  Anton Bruckners neunter Symphonie in d-Moll und mit einem nicht nur hierzulande  bekannten Konzertmeister: Rainer Küchl,  ehemaliger Konzertmeister der Wiener Philharmoniker (nun im musikalischen Unruhezustand), führte mit Mehta das Orchester aus Florenz souverän durch Bruckners so  herrliche Klangwelten.

Was zu sehen und zu hören war: Zubin Mehta geht sehr schwer, dirigiert naturgemäß im Sitzen, benötigt jedoch keine Partitur, um dieses transzendentale Werk vollendet zu gestalten.   Denn der gebürtige Inder war nie ein Showman, wie so manch anderer, heute unfassbar gehypte Dirigent. Bei Mehta ging und geht es immer um die Seele der Musik, um den Inhalt eines Werkes, nicht um manische Selbstdarstellung  oder pure  Eitelkeiten.

Zubin Mehta presents inaugural concert of BCN Classic cycle

Mit kleinen, sparsamen Gesten entwickelte der Maestro denn auch  Bruckners letztes, unvollendetes, weil dreisätziges Werk. Da durften die Streicher (auch Küchl in  seinen  Soli) glänzen, da waren die Bläser  überaus kompakt und sehr gut einstudiert. Beeindruckend, wie hier die  langsamen Passagen ausgespielt wurden, wie Mehta die   Melodik Bruckners auskostete.  Da wurden  unendlich viele Nuancen hörbar, ohne dass die Grundspannung verloren ging. Und das Finale? Man konnte sehen, wie bewegt der Dirigent war. Standing Ovations nach einem Moment völliger Stille. Peter Jarolin

Zwei Opern und sehr viele exzellente Einspringer

Frank Castorfs bildmächtige Inszenierung von Charles Gounods „Faust“ an der Wiener Staatsoper ist ein Beispiel für großes Musiktheater. Der Regie-Gigant verlegt die Geschichte ins Paris zur Zeit der Algerienkriege.  Die präzise Personenführung sollte geprobt sein. Da ist alles aufeinander abgestimmt, auch die Großaufnahmen mit Live-Kameras.
Das konnte Titeldarsteller Francesco Demuro nicht, er ist kurzfristig für Stephen Costello  eingesprungen.

Chapeau, wie schnell er sich zurechtfindet. Sein sanfter Tenor verfügt über ein sehr schönes Timbre, exzellente Phrasierungen. Rachel Willis-Sørensen besticht als Marguerite mit ihrem expressiven Sopran. Ganz verinnerlicht gestaltet sie die Ballade vom „Roi de Thule“, da klingt ihre Stimme ganz dunkel. Am Ende geht sie ganz aus sich heraus.
Roman Palka eignet sich die Rolle des Mephistophelès immer besser an. Étienne Dupuis ist ein phänomenaler Valentin.  Margaret Plummer ergänzt solide als Siebel, Monika Bohinec als Marthe. Ilja Kazakov lässt mit seinem wohlklingenden Bass als Wagner aufhorchen. Makellos der Chor der Wiener Staatsoper. Bertrand de Billy lässt Sinnlichkeit und Dramatik dieser Partitur spüren und lädt zum Schwelgen im  philharmonischen Klang ein. Viele Bravos.

Den Glanz auf die Serie von Giuseppe Verdis „Nabucco“ hätte Anna Netrebko als Abigaille bringen sollen. Eine Schulteroperation verhinderte aber den einzigen Auftritt der Star-Sopranistin  in dieser Spielzeit. Trotzdem ist diese Aufführung alles andere als belanglos. Hausdebütant Amartuvshin Enkhbat, diesen Namen sollte man sich merken, ist eine Entdeckung, was seine Stimme betrifft.  Der  Bariton lässt in der Titelrolle aufhorchen.

Das Darstellerische ist bei ihm noch ausbaufähig, aber singen kann er. Ein samtenes Timbre, Flexibilität in der Stimme, alles da, was ein Verdi-Sänger braucht.

Maria José Siri debütierte als Abigaille. Eine Sopran-Gigantin mit enormer Expressivität war da zu hören, die auch in den lyrischen Passagen überzeugt.

Vortrefflich der Tenor Massimo Giordano, der als Ismaele eingesprungen war. Roberto Tagliavini begeistert als Zaccharia mit seinem ausdrucksstarken Bass. Szilvia Vörös ist eine hausbackene Fenena. Dan Paul Dumitrescu ergänzt sehr gut als Oberpriester des Baal. 

Souverän der Chor der Wiener Staatsoper, bewegend das „Va pensiero“. Bei Paolo Carignanis Dirigat wären präzisere Differenzierungen kein Nachteil. Günther Krämers  verstörende Inszenierung funktioniert ungebrochen.  Jubel. Susanne Zobl

 

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