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Klassikfestival Grafenegg: Virtuoser Beethoven, Opulenz bei Orff und eine Sternstunde mit Piotr Beczała

Rudolf Buchbinder eröffnete am Freitag die 20. Ausgabe - und die letzte, die der Star-Pianist als Leiter verantwortet.
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 Für einen Moment war es, als würde sogar der Wald innehalten, als Rudolf Buchbinder mit Beethovens „Chorfantasie“ eine historische Ausgabe seines Klassikfestivals in Grafenegg eröffnete. Denn diese ist die 20. und die letzte, die der Star-Pianist als künstlerischer Leiter verantwortet. Dem Festival bleibt er als Präsident und als Künstler verbunden. Ein nach ihm benannter Saal wurde bereits eröffnet.

Jubiläumswürdig war seine Interpretation von Beethovens Opus 80, bei der ihm Cristian Măcelaru am Pult seines Philharmonia Orchestra London und der exzellent intonierende Wiener Singverein (Einstudierung: Johannes Prinz) zur Seite waren. Diese Fantasie für Klavier, Chor und Orchester c-Moll war Beethovens erster Versuch, Gesang mit symphonischer Musik zu verbinden, der ihn später zur „Neunten“ führte.

Der Klavierpart stellt gigantische Anforderungen an den Pianisten. Beim diffizilen Adagio zu Beginn demonstrierte Buchbinder subtil mit markanten Anschlägen sein spezielles Gespür für diesen Komponisten. Im Dialog mit Orchester und Chor hielt er die Spannung, faszinierte mit virtuosen Trillern und brachte das Hauptthema zum Schweben.

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Star-Pianist Rudolf Buchbinder (li.) eröffnete die letzte Ausgabe seines Klassikfestivals in Grafenegg, die er als künstlerischer Leiter verantwortet.

Bei Carl Orffs „Carmina Burana“ rückte naturgemäß der Chor mit seinem furiosen und präzisen Vortrag der lateinischen und mittelhochdeutschen Gesänge ins Kraftzentrum. 

Einen musikalischen Lichtstrahl gab es beim Einsatz der Wiener Chormädchen. Sopranistin Nikola Hillebrand glänzte unter den Solisten, dem Bariton Germán Olvera und dem Charaktertenor Nicholas Phan. Măcelaru kehrte mit seinem gut disponierten Orchester die Opulenz hervor. 

Fulminanter Seelengesang

Eine Sternstunde folgte bei der Matinee am Sonntag mit Piotr Beczała im Auditorium. Es war, als wäre das Konzert mit dem Vers „Die Musik meiner Seele“ aus einem der Lieder von Mieczysław Karłowicz überschrieben. Einfühlsam begleitet von Pianistin Sarah Tysman zog dieser Tenor mit Liedern über Liebe, Sehnsucht und Vergänglichkeit von Dvořák, Rachmaninow und Tschaikowski in seinen Bann, auch wenn man die slawischen Sprachen nicht verstand. Die Arie des Stefan aus Moniuszkos Oper „Straszny Dwór“ („Das Gespensterschloss“) ließ er zum Thriller werden. Sein zwischen Silber und Gold changierendes Timbre brachte er zum Leuchten.
Das „Kuda, Kuda“, die Arie des Lenski aus „Eugen Onegin“, intonierte er mit seiner stets frisch klingenden Stimme und fulminanten Phrasierungen. Mit Schmelz, Strahlkraft und Geschmeidigkeit faszinierte er bei der „Blumenarie“ des Don José (aus Bizets „Carmen“) als Zugabe. Ovationen.

KURIER-Wertung: 5 Sterne (von 5)

 


 

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