© BAyerische Staatsoper/Wilfried Hösl

Kritik
03/23/2021

"Rosenkavalier" in München: Zeitlose Liebe auch in Zeiten der Pandemie

Bayrische Staatsoper: Neuer „Rosenkavalier“ in der Regie von Barrie Kosky.

VonHelmut Cristian Mayer

Musikalisch hochwertig und in hochtouriger, symbolreicher Regie – das ist der neue „Rosenkavalier“ von Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal, den die Bayrische Staatsoper trotz der Pandemie herausgebracht hat. Allerdings nur via Stream. Mit Tiefenschärfe und einem omnipräsenten Mann mit Flügeln.

Der greisenhafte, fast nackte Mann mit Engelsflügeln: Er ist Cupido und als solcher auch servierender Diener, Flötist des Sängers, Kutscher. Er ist aber auch Arzt, Souffleur und versinkt zum Schluss sitzend auf einer großen Standuhr: Barrie Kosky stellt diese erfundene Figur bei seiner Neuinszenierung von „Der Rosenkavalier“ von Richard Strauss an der Bayrischen Staatsoper München, welche die rund 50 Jahre alte Inszenierung von Otto Schenk ablöst, als Symbol für die ewige Liebe auf die Bühne.

Die Standuhr

Pandemiebedingt war die Premiere nur als Livestream und ohne Publikum zu sehen. Und immer wieder taucht auch diese Standuhr auf. Aus ihrem Kasten erscheint die Feldmarschallin, in ihr verschwindet sie bei ihrem finalen Abgang. Und am Ende ihrer großen Arie über die Zeit sitzt sie am Pendel derselben: Das Verfließen der Zeit ist das zweite symbolhafte Element seiner Regiearbeit. Und wie immer sprüht Barrie Kosky nur so mit einem Überdruck von Ideen und Details, Witz und Ironie aber auch Erotik. Er liefert eine ausgefeilte und vitale Personenführung ab, wobei er in jedem Akt Visionen einer anderen Person in den Mittelpunkt stellt.

Auf der Bühne (Rufus Didwiszus) selbst ist ein Stilmix der Jahrhunderte zu sehen: Seien es im ersten Akt silberne Rokoko-Kulissen, eine erotische Bildergalerie und eine pompöse Kutsche wie aus der Remise von Ludwig II. im zweiten sowie Tribünen eines modernen Theaters im letzten.

Musikalisch wird diesmal eine reduzierte Fassung für nur rund 40 Musikern, zusätzlich mit Klavier und Harmonium von Eberhard Kloke gewählt, die das Werk fast wie ein kammermusikalisches Konversationsstück klingen lässt. Chefdirigent Vladimir Jurowski erzeugt aber mit dem Bayrischen Staatsorchester einen sängerfreundlichen, luxuriösen Wohlklang und spannungsvolle wie auch innige Emotionalität.

Die Debüts

Gleich bei drei Damen gibt es Rollendebüts: Marlis Petersen ist eine sehr gefühlvolle, überaus wortdeutliche Feldmarschallin und macht auch im Negligé zu Beginn eine gute Figur. Katharina Konradi singt eine entzückende Sophie mit glockenreinem Sopran. Samantha Hankey hört man als sehr virilen Octavian.

Christof Fischesser ist stimmlich ein differenzierter und szenisch tollpatschiger Ochs, vielleicht etwas zu wenig wienerisch. Johannes Martin Kränzle ist für den Faninal eine Luxusbesetzung. Gut singen Wolfgang Ablinger-Sperrhacke und Ursula Hesse von den Steinen das Intrigantenpaar. Mit wunderbarem Timbre hört man Galeano Salas als Sänger, der im Rokoko-Gewand wie ein Farinelli- Imitat auftritt.

Bis 19. April online zu sehen unter: www.staatsoper.de

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.