PK - THEATER AN DER WIEN SAISONPROGRAMM 2019/20: GEYER

┬ę APA/HERBERT NEUBAUER / HERBERT NEUBAUER

Kultur

Theater an der Wien: Neue Saison als Abschlussreise durch die Operngeschichte

Roland Geyer verabschiedet sich unter dem Motto "summa summarum" als Intendant.

05/08/2021, 12:01 AM

Auf den ersten Blick wird die letzte Spielzeit von Roland Geyer an der Spitze des Theaters an der Wien ab Herbst nur eine Rumpfgeschichte - aber nur in puncto Dauer, nicht im Umfang. Weil dem Haupthaus am Naschmarkt dann eine Renovierung bevorsteht, endet hier das Wirken des Intendanten bereits mit Ende Februar. "Aber in den sechs Monaten zwischen August und Februar steckt praktisch eine ganze Saison", so Geyer im APA-Gespr├Ąch. Und dann gibt es ja auch noch die Kammeroper.

Inklusive der f├╝nf in dieser Dependance sind zw├Âlf szenische Premieren im Theater an der Wien 2021/22 vorgesehen. Das Ganze steht unter dem Motto "summa summarum" - also einer Bilanz der ├ära Geyer wie auch einer der Operngeschichte. Seine letzten vier Spielzeiten am Haus hatte der umtriebige Opernmanager ja thematisch unter den Bogen eines Tageslaufs gestellt, und so bildet nun das Motto "Schwarze Nachthelle" folgerichtig den Abschluss. Entsprechend stellt das dramatische Sujet auch das Rote Band f├╝r die Auswahl der St├╝cke dar, die sich vom fr├╝hesten Werk der Operngeschichte, Emilio de'Cavalieris "Rappresentatione di Anima et di Corpo" aus 1600 in der Regie von Robert Carsen, bis zu "Th├ęr├Ęse Raquin" von Tobias Picker aus 2006 erstreckt.

Es gibt R├╝ckkehrer ans Haus wie die designierte Volksopern-Chefin Lotte de Beer als Regisseurin f├╝r Janaceks "Jenufa", Keith Warner, der H├Ąndels "Giulio Cesare" mit Bejun Mehta in der Titelpartie gestaltet ("Man wei├č, dass es da echt zur Sache gehen wird") oder Christof Loy, dessen gefeierter "Peter Grimes" wiederaufgenommen wird. Auch Martin Ku┼íej wird mit der "Tosca" nochmals eine Regiearbeit in der ├ära Geyer vorlegen. Und zugleich sind einige prominente Neuzug├Ąnge zu verzeichnen, so Ingo Metzmacher als Dirigent der "Tosca" oder Nina Stemme mit ihrem pers├Ânlichen Rollendeb├╝t als K├╝sterin in der "Jen┼»fa". Und zum 175-Jahr-Jubil├Ąum von Albert Lortzings am Haus uraufgef├╝hrter Komischer Oper "Der Waffenschmied" gibt es eine konzertante Festveranstaltung mit Nikolaus Habjan als Erz├Ąhler und Starbass G├╝nther Groissb├Âck in der Titelpartie.

Insofern gibt es also viel zu feiern vor der Staffel├╝bergabe an den designierten Intendanten Stefan Herheim, weshalb Roland Geyer die Nachthelle auch nicht als melancholisches Motto begreift: "Die Nacht ist nicht nur das Ende, das Dunkle. Sie impliziert auch, dass es am n├Ąchsten Tag wieder die Sonne gibt." Das gelte ebenso f├╝r ihn pers├Ânlich angesichts des heranr├╝ckenden Abschieds: "Ich habe keine Wehmut."

Nat├╝rlich s├Ąhe er immer noch thematische L├╝cken zwischen den rund 200 Werken, die in seiner Intendanz inszeniert worden sind und die er theoretisch f├╝llen k├Ânnte. "Ich habe gelernt, dass das meine gro├če Kunst ist. Wie man ├╝ber Johann Strau├č gesagt hat, dass er die Noten aus dem ├ärmel gesch├╝ttelt hat, sch├╝ttel ich Programmideen aus dem ├ärmel. Ich bin eben das, was man einen Programmmacher nennt: Einerseits mit umfassendem, gro├čem Wissen und zugleich jemand, der immer gerne sucht und Neues findet." Insofern h├Ątte er immer noch weitere Ideen gehabt, zugleich s├Ąhe er ein: "Im Gro├čen und Ganzen ist es abgerundet."

Jetzt kommt also die letzte Runde im TaW, die szenisch mit einem "Enoch Arden" von Ottmar Gerster in der Kammeroper endet. Das St├╝ck handelt von einem auf einer Insel Gestrandeten und wurde nach einer Konzeption von Geyer als Neufassung f├╝r Kammerorchester umgearbeitet und auf den urspr├╝nglichen 3. Akt fokussiert, der die Hoffnung, den Albtraum und den Wahnsinn des Isolierten beschreibt. Selbst Regie habe er nach seinen drei St├╝cken am Haus w├Ąhrend seiner Direktion aber nicht mehr ├╝bernehmen wollen, sondern daf├╝r David Haneke gewonnen, der auch die filmische Umsetzung gestaltet, so Geyer.

"Au├čerdem bereitet es mir gro├če Freude, wenn ich einer aufstrebenden Regisseurin wie Barbora Hor├íkov├í die M├Âglichkeit geben kann, ein Werk wie Catalanis 'La Wally' zu inszenieren, in dem es um eine junge, unbeugsame Frau geht, die vor ihrem brutalen Vater und dem ihr zugedachten Ehemann in die schroffe Natur flieht, um sich damit dem Zu- und ├ťbergriff der M├Ąnnerwelt zu entziehen. Das junge Leading Team wird vom Chefdirigenten der Wiener Symphoniker, Andr├ęs Orozco-Estrada, komplettiert, der erstmals eine Oper am Theater an der Wien musikalisch leiten wird."

Und wenn dann am 28. Februar die letzte "Jenufa"-Vorstellung verklungen ist, kommt die umfassende Sanierung und Schlie├čung des Traditionshauses am Naschmarkt, die vielfach Bereiche hinter den Kulissen betreffen wird. "Die letzte gro├če Sanierung fand 1960 statt, und ich freue mich schon jetzt auf die Wieder├Âffnung im hoffentlich strahlenden Glanz", so Geyer.

 

 

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