© APA/AFP/JORGE GUERRERO

Interview
11/03/2019

Roger Hodgson: „Ich liebte Ricks Musik“

Der Supertramp-Frontmann spricht über den Zwist mit Band-Kollege Rick Davies und die Liebe zu Tirol.

von Brigitte Schokarth

„Ich war naiv, hatte keinen guten Business-Manager und habe damals wohl auch nicht genug an die Zukunft gedacht!“

Deshalb verzichtete Roger Hodgson, einer der beiden Frontmänner von Supertramp auf den Bandnamen, als er 1983 aus der 1969 in England gegründeten Band ausstieg: „Weil die anderen weitermachen wollten, war der Deal, dass sie den Bandnamen behalten, aber nur ich meine Songs spiele, damit ich die als Starthilfe für meine Solo-Karriere habe“, erzählt er im KURIER-Interview. „Weil aber niemand weiß, wer Roger Hodgson ist, war es schwierig, das zu kommunizieren und den Leuten die Verbindung klar zu machen.“

Das führte zu der bizarren Situation, dass Hodgson, der für die Band Klassiker wie „Dreamer“, „Give A Little Bit“ und „It’s Raining Again“ geschrieben und mit seiner hohen Singstimme geprägt hatte, derjenige ist, der wie Supertramp klingt, während Davies mit seinem erdigeren, bluesigen Gesang zwar unter dem Namen Supertramp weitermachte, aber nicht ganz das liefern konnte, was sich die meisten Fans erwarteten.

Auch um die Verbindung Supertramp-Hodgson zu verdeutlichen, nannte der 69-Jährige die Tour, die ihn am 5. November auch in die Wiener Stadthalle führt, nach einem der bekanntesten Alben der Band „Breakfast In Amerika“. Das Programm beschränkt sich aber keineswegs nur auf die Hits dieser Platte. Hodgson spielt wirklich alles, was sich Supertramp-Fans wünschen, schiebt nur ganz wenige Solo-Songs dazwischen.

Keine Reue

„Ich habe nie bereut, dass ich ausgestiegen bin“, sagt Hodgson. „Ich wusste, dass ich mein Leben ändern musste, brauchte dringend eine Pause von der Industrie und dem ewigen Album-Tour-Album-Tour-Zyklus. Außerdem hatte ich Kinder bekommen, bin mit der Familie nach Kalifornien gezogen und wusste, dass ich es später bereuen werde, wenn ich nicht jetzt lerne, Vater zu sein.“

Immer wieder betonte Hodgson in Interviews, dass die Trennung von der Band nicht an Streitereien mit Rick Davis lagen. „Wir hatten in Supertramp immer eine sehr gesunde Form des Wettstreits und der wurde auch gegen Schluss nie destruktiv. Wenn zwei Songwriter in einer Band sind, hilft diese sogenannte Konkurrenz jedem der beiden, besser zu werden. Und ich liebte Ricks Musik und ich liebte es, sie mit ihm zu arrangieren und zum Leben zu erwecken. Es war die Business-Konstellation rund um die Band, die es schwierig machte, kreativ zu sein.“

Vertrauensbruch

Das heißt aber nicht, dass Hodgson und Davies all die Jahre Freunde geblieben sind. Denn Davies begann nach fünf Jahren – entgegen der Handschlag-Abmachung, die nie als Vertrag niedergeschrieben war – doch Hodgsons Songs zu spielen, weil die einfach die größeren Supertramp-Hits waren: „Da habe ich mich total betrogen gefühlt. Ich hatte 14 Jahre mit Rick verbracht und gedacht, ich könnte ihm vertrauen.“

Trotzdem schlug Hodgson Davies 2010 vor, für ein paar spezielle Supertramp-Konzerte dazuzukommen, was aber von Davies mit der Begründung abgeschmettert wurde, dass davon nur Hodgson profitieren würde. „Meine Meinung war, dass wir beide davon profitieren, vor allem aber die Fans, die sich das so sehr wünschen.“

Jetzt ist Hodgson mit Davis, der 2015 eine Krebs-Diagnose bekam und erst Ende vorigen Jahres verlautete, die gesundheitlichen Probleme zum Großteil überwunden zu haben, „in gelegentlichem Kontakt“, konzentriert sich aber lieber auf seine eigene Tour. „Mein Publikum wird immer größer und es kommen auch sehr viele junge Leute, was fantastisch ist. Denn ich finde, das die Musik von uns Alten mehr Substanz und Bedeutung hat, als das was heute in den Charts ist. Es wär schön, wenn die Jungen kommen, weil ihnen das aufgefallen ist.“

Erholung für die Tour findet Hodgson in den Tiroler Alpen: „Da habe ich einen kleinen Ort, in den ich mich zurückziehen und in Ruhe meditieren kann. Denn nur dann bekomme ich Antworten auf die vielen Fragen des Lebens, die mich auch in meinen Songs beschäftigen.“

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