Aufhören? Niemals! Mit 69 hat Rod Stewart immer noch Riesenspaß am Singen und dem Tour-Leben. Am 1. Juli kommt er live in die Wiener Stadthalle

© Reuters/Eliseo Fernandez

Interview
03/30/2014

Rod Stewart: Ein Pionier bricht Barrieren

Die Show von Rod Stewart am 1. Juli in Wien wird "laut und sexy" sein.

von Brigitte Schokarth

Laut, bunt, sexy und voll Energie – es wird ein Heidenspaß!" Das verspricht Rod Stewart von seiner "Live The Life" Tournee, mit der die Rocklegende am 1. Juli in der Wiener Stadthalle Station macht. Immer noch ein glühender Fußball-Fan, stellt der 69-Jährige die Tour-Pläne in einem Fußballstadion in Berlin vor und spricht mit dem KURIER über die Sixties, Castingshows und Gedächtnislücken.

KURIER: Warum haben Sie die Tour mit "Live The Life" nach einem Song über Ihren Sohn benannt?
Das ist nur eine Phrase, die für die Tour gut klingt. Aber der Song handelt tatsächlich von meinem Sohn Liam. Er ist professioneller Eishockey-Spieler und wirklich sehr gut. Aber er hat sich maßlos in ein Mädchen verliebt und dabei seine Ziele aus den Augen verloren, hat nicht mehr so hart trainiert, wie es notwendig gewesen wäre. Jetzt ist er wieder okay und voll dabei. Aber er ist 18 und wenn man so jung ist, ist es leicht, wegen der Liebe alles andere zu vernachlässigen.

Sie haben für Ihr jüngstes Album "Time" zum ersten Mal seit Jahren wieder selbst Songs geschrieben. Warum hatten Sie damit aufgehört?
Als ich die "The Great American Songbook"-Serie machte, musste ich nicht schreiben, denn das waren Covers von klassischen amerikanischen Standards. Zugegeben, ich bin auch ein bisschen faul gewesen. Und ich habe nicht mehr geglaubt, dass ich das kann. Das ist wie beim Fußball, wenn du nicht an dich glaubst, kannst du keine Tore schießen.

Wann ist dieses Selbstvertrauen zurückgekommen?
Das lag ohne Zweifel an der Arbeit an meiner Autobiografie "Rod". Als ich begann, mich dafür mit der Vergangenheit zu beschäftigen, kam die Inspiration zurück. Zum Beispiel der Song "Brighton Beach": Da geht es um meine erste große Liebe Sue, mit der ich als Teenager am Brighton Beach eine Tochter gezeugt habe, die wir zur Adoption freigeben mussten. Und als ich mich daran erinnerte – oder besser jemand anderer mich daran erinnerte – dachte ich, das ist ein Song.

Was meinen Sie mit: jemand anderer erinnerte Sie? Konnten Sie sich nicht mehr daran erinnern?
Natürlich nicht. Das waren die Sixties ... ha, ha, ha.

Wie schwer war es dann, das Buch zu schreiben?
Ich hatte Hilfe, setzte mich gleich zu Beginn mit meinen Geschwistern zusammen. Die erinnerten sich an alles. Und dann kommen natürlich Freunde und sagen, weißt du noch, wie du das und das gemacht hast? Und dann kommt die Erinnerung wieder zurück. Aber an die Sachen, die ich in "Brighton Beach" erwähne, habe ich mich natürlich erinnert, denn ich war verrückt nach Sue. Und mit Sara bin ich regelmäßig in Kontakt. Wir mailen jede Woche, können leider nur mailen, denn ich lebe in Kalifornien und sie bei Brighton.

Brighton Beach war ja auch eine Wiege der britischen Jugendkultur mit den Mods und den Rockern. Erinnern Sie sich daran?
Nicht wirklich. Ich meine, ich war zwar ein Mod, aber ich hatte nie eine Lambretta. Und außerdem war ich da schon im Musikbusiness, reiste als Sänger kreuz und quer durch England.

Und jetzt gehen Sie immer noch auf Tournee ...
Ja, das ist schon bemerkenswert. Ich, Mick, Elton und Bowie – wir sind die, die sozusagen die Barrieren brechen und zeigen müssen, wie man es mit 70 macht. Und ich bin sicher, dass keiner von uns damals gedacht hätte, dass es so lange geht.

Sie haben lange um den Erfolg gekämpft. Sie und der heutige Rolling-Stones-Gitarrist Ron Wood mussten sogar Essen stehlen, weil Sie nicht bezahlt wurden, als Sie mit der Band Faces auf Tour waren. Konnten Sie diese Zeit trotzdem genießen, oder dachten Sie, das ist unfair?
Ich habe nie gedacht, das ist unfair, denn ich hatte nie das Gefühl, dass einer mehr Erfolg hatte, der weniger Talent hatte. Jetzt ist das mit all den Castingshows sicher anders. Und ich muss sagen, ich mag ich die, weil man dabei wunderbare Sänger entdecken kann. Aber die Sieger sind mit einer unglaublich großen Konkurrenz konfrontiert. Als wir begannen, war das alles neu. Als mich mein Vater fragte, was willst du werden, und ich sagte Sänger, hat er nur gestaunt. Denn das gab es damals nicht als Job. Kaum jemand war in einer Band, das war ein Novum und deshalb unglaublich aufregend für uns. Deshalb hatte ich eine wunderbare Zeit – auch wenn ich oft abgebrannt war.

Glauben Sie, die Newcomer, die heute in den Castingshows anfangen, werden sich so lange halten wie Sie?
Schwer zu sagen. Meine Tochter Ruby versucht gerade, im Musikbusiness Fuß zu fassen. Und das tut sie mit Millionen von anderen. Jede Woche gibt es neue Bands. Als ich anfing, hatte ich einen Vertrag für drei Alben. Das erste Album verkaufte sich ganz okay. Das zweite, „Gasoline Alley“, dann sehr gut. Was ich damit sagen will, ist, dass sie Vertrauen in mich hatten, mir Zeit gaben, mich zu entwickeln. Heute nehmen sie dich unter Vertrag, und wenn die erste Veröffentlichung den Bach runtergeht, gehen sie zum nächsten Act über.

Gibt es dann noch Hoffnung für die Rock-Musik nach Ihrer Pionier-Generation?
Natürlich! Die Arctic Monkeys zum Beispiel, die sind doch großartig.

Sie waren immer auch für Ihre Vorliebe für Blondinen berühmt und berichten im Buch recht offen über Ihr Sexleben.
Warum auch nicht? Keine der Ladys, die in meinem Buch erwähnt sind, hat sich darüber beschwert, wie sie erwähnt ist. Denn ich denke, ich habe sie mit großem Respekt und Würde behandelt. Es ist offensichtlich, dass ich Frauen liebe. Und deshalb stelle ich sie manchmal sogar auf ein Podest – und das ist auch nicht immer gut.

Karriere
Roderick David Stewart wurde am 10. 1. 1945 in London geboren. Er wollte zuerst Profi-Fußballer werden, begann aber schon als Teenager in diversen Bands zu singen. 1967 veröffentlichte er seine erste Solo-CD und wurde auch für das berühmt, was er heute das „Umgestalten“ von Hotelzimmern nennt.

Erfolge
Rod Stewart hat über 250 Millionen Tonträger verkauft.
Zu seinen größten Hits zählen „Maggie May“, „Sailing“ und „I Don’t Want To Talk About It“

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