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Interview
01/02/2021

Rockveranstalter Tatar: "Spätestens ab Juni wieder Konzerte“

Österreichs größter Rockveranstalter Ewald Tatar über Tests, Festivals und die Folgen der langen Livemusik-Pause.

von Brigitte Schokarth

2021 ist das Jahr, in dem man wieder gemeinsam Rockkonzerte und -Festivals besuchen wird können.

Davon wird zumindest ausgegangen. Wie und unter welchen Bedingungen, das aber ist alles noch keineswegs klar. Und auch nicht, wie die seit vielen Monaten lahmgelegte Branche den Neustart schaffen wird. Ewald Tatar, Österreichs größter Rockveranstalter, gibt im KURIER-Interview Perspektiven.

KURIER: Auf Ihrer Webseite barracudamusic.at sind Konzerttermine für Februar angekündigt. Können Sie die spielen?

Ewald Tatar: Nein. Da wurden die Managements informiert, dass wir davon ausgehen, dass wir sie nicht spielen können und wir warten auf das Feedback. Grundsätzlich gehe ich aber davon aus, dass wir ab Mai, spätestens aber ab Juni wieder Konzerte spielen können, weil ganz Europa momentan an diesem Timing arbeitet. Ich hatte vor kurzem einen Videocall mit englischen Touragenten, die auch alle mit Juni rechnen, weil in England die Impfungen früh begonnen haben und das dort gut angelaufen ist.

Das basiert aber auf der Annahme, dass bis dahin die nötige Durchimpfungsrate erreicht ist . . .

Richtig. Genau das ist der wesentliche Faktor. Wie schnell wir wieder Konzerte anbieten können, wird nicht von uns abhängen, sondern, davon, wie viele Leute sich bis zum Sommer impfen lassen. Und wenn ich von dieser Impfskepsis höre, die in Österreich offenbar höher ist als in anderen Ländern, kann ich nur sagen: Die Impfung ist die einzige Lösung, die Pandemie in den Griff zu bekommen. Und wenn wir die Pandemie nicht in den Griff bekommen wird die Situation, dass es keine Konzerte gibt, noch länger andauern. In Österreich hat das jeder selbst in der Hand. Denn ich höre aus Aussagen von Herrn Minister Anschober, dass bis März, April in Österreich genügend Impfstoff vorhanden ist, dass alle, die geimpft werden wollen, geimpft werden können.

Sie sind aber auch vom internationalen Markt abhängig. Für das Nova Rock sind viele Acts aus den USA eingeplant. Ich höre von amerikanischen Musikern häufig, dass die sehr vorsichtig sind, auch im Sommer so wenig wie möglich aus dem Haus gegangen sind, weil ihnen das Risiko zu hoch war. Was hören Sie diesbezüglich von den Künstlern und Managements? Werden die schon im Sommer wieder auf Tour gehen?

Ich habe zur Zeit noch keine einzige Absage für die im Sommer geplanten Shows. Generell warten zur Zeit alle bis Februar, März, bis man besser weiß, wie sich die Situation mit der Impfsystematik in den nächsten Monaten entwickelt. Aber ich denke, wenn eine Band auf Tour geht, wird sie sehr genau darauf schauen, dass jeder, der als Personal mitfährt, geimpft ist. Wenn das ein größerer Act ist, der mit zehn Nightlinern und 80 Leuten unterwegs ist, haben sie sonst die Pandemie sehr schnell in ihren Bussen, und dann ist es gleich wieder vorbei. Und genauso wird jeder, der bei mir backstage arbeitet, geimpft sein müssen.

Denken Sie auch schon an alternative Szenarien, wenn die nötige Durchimpfungsrate bis dahin nicht erreicht ist? Könnten zum Beispiel am Nova Rock die Zuschauer am Eingang eine Impfbestätigung vorweisen müssen?

Wir haben diesbezüglich noch nichts entschieden. Wie gesagt, wir warten, wie sich die Situation entwickelt und welche Auflagen es dann von den Behörden gibt. Aber eine grobe Vorstellung wie es ablaufen könnte, ist, dass man am Nova Rock mit einer Impfbestätigung oder einem positiven Antikörper-Test am Eingang in der Fast Lane ist und damit reingehen kann wie sonst auch immer. Ist man das nicht, könnte es in Richtung Schnelltest vor Ort gehen, und das wird dann voraussichtlich seine Zeit dauern.

Planen Sie auch neue Shows für 2021, oder werden wir nur die von 2020 nachgeholten Shows sehen können?

Wir konnten die meisten für heuer geplanten Shows verschieben und mussten sie nicht absagen. Neue planen wir deshalb nur sehr wenige. Aber zum Glück hat die EU-Kommission kurz vor Weihnachten noch das OK für den von der österreichischen Regierung geplanten Schutzschirm für Veranstalter gegeben, das heißt, wir haben dabei jetzt Planungssicherheit.

Dabei soll der Bund nicht stornierbare Kosten von Veranstaltern ersetzen, wenn eine geplante Veranstaltungen wegen Covid 19 nicht oder nur reduziert stattfinden kann. Und zwar bis zu einer Höhe von einer Million Euro pro Unternehmen und Veranstaltung. Reicht das zum Beispiel für ein Festival wie das Nova Rock?

Nein. Aber die österreichische Regierung verhandelt weiter mit der EU, um diesen Rahmen auf drei Millionen aufzustocken. Und wir sind sehr dankbar und froh darüber, dass sie da eine Vorreiter-Rolle übernommen und schneller gearbeitet hat, als anderer Länder.

Was bedeutet das für Ihren Fahrplan zum Nova Rock?

Dass ich anfangen kann, die all die vielen Verträge mit den Subunternehmern und Zulieferern zu machen, die Bühne, Sound, Licht und so weiter liefern. Wenn ich absagen müsste, müsste ich das Anfang März wissen. In einem normalen Jahr sind bis zu diesem Zeitpunkt aber schon Kosten aufgelaufen, die weit über einer Million liegen. Natürlich geht man jetzt anders an die Auftragsvergabe heran, weil man weiß, dass Probleme auftreten könnten. Wir werden das verlangsamen und schauen, dass wir bis März in diesem Rahmen bleiben. Trotzdem müssen wir jetzt damit beginnen, damit wir Anfang Juni dann nicht ohne Bühne dastehen.

Welche Auswirkungen wird diese Krise auf die Art der Acts haben, die nach Österreich kommen? Roger Waters sagte, dass er es sich fünf Mal überlegt hat, seine Tour zu verschieben, weil er dann mit 80 Jahren noch auf der Bühne stehen wird. Werden Shows dieser Legenden und Veteranen wegbrechen?

Das wird davon abhängen, wie schnell wir in Europa und weltweit wieder normal Konzerte spielen können. Je schneller wir das können, desto größer ist die Chance, dass diese Künstler weiterhin auftreten. Vielleicht wird es ein paar geben, die sich zurückziehen, die sagen, die Pandemie hat mir ein oder zwei Jahre gestohlen, in denen ich noch gespielt hätte. Aber ich glaube, diese Anzahl wird überschaubar bleiben. Denn zum Beispiel ein Paul McCartney braucht es, live aufzutreten. Das ist sein Leben. Bei solchen Künstlern kann ich mir gut vorstellen, dass sie es nach der Pandemie noch einmal wissen wollen.

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