Roche: Wird es wieder Hämorrhoiden geben?

Singt, moderiert, schreibt, pfeift sich nichts: Charlotte Roche
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Charlotte Roches neuer Roman "Schoßgebete" hat eine Startauflage von 500.000 Stück. Thema: ehelicher Sex.

Die große Frage lautet: Wird es wieder Hämorrhoiden geben? Über die Analflora reden wir lieber erst gar nicht. Jedenfalls kennen selbst sonst so gut informierte Literaturkritiker die Antwort nicht. Von Charlotte Roches zweitem Roman "Schoßgebete" wurden keine Lesebände frühzeitig verschickt und auch keine Fahnen, das Buch kommt knapp vor dem Erscheinungstag (10. August) auf die Schreibtische.

Der Münchner Piper Verlag stellt immerhin eine kleine Zusammenfassung zur Verfügung, aus der wir genüsslich zitieren. Also: "Schoßgebete" widme sich einem unserer letzten Tabus, nämlich dem ehelichen Sex. Und beschäftige sich auf 288 Seiten damit, wie es ein Paar schafft, für immer zusammenzubleiben.

Jetzt wörtlich: "Am liebsten tagsüber und Fenster zu wegen der Nachbarn. So mag es Elizabeth. Ihr Mann macht die Heizdecken auf dem Bett an, dann kann's losgehen.
Sie fährt sofort mit der Hand rein in Georgs XXL-Yogahose. Und ab hier betrügt sie ihre Männer hassende Mutter, die ihr beibringen wollte, dass Sex etwas Schlechtes sei."
Der Roman hat eine Startauflage von 500.000 Exemplaren. Große Buchhandlungen dürfen sich gleich mit Paletten zu 500 Stück eindecken. Geworben wird über YouTube und Google, auf Facebook und twitter.

Charlotte Roches Debüt 2008 führte acht Monate die Spiegel -Bestsellerliste an. Es war der erste deutschsprachige Titel, der es an die Spitze der internationalen Charts des Online-Händlers Amazon schaffte. An die zwei Millionen "Feuchtgebiete" wurden verkauft, oft an junge Frauen.

Nach drei Bänden der Harry-Potter-Serie war der Roman, der keinen Appetit auf Sex macht, auf Platz vier der erfolgreichsten Bücher 2000 bis 2010. Gewiss war die Freude groß, dass es in der deutschsprachigen Literatur endlich Sätze gibt wie: "Wenn ich zum Beispiel Pickel ausdrücke und den Eiter am Finger habe, esse ich ihn mit großem Vergnügen."
Ein harmloser Satz im Vergleich zum Rest. Der frische Wind, den Charlotte Roche (damals 30), brachte, wehte strenge Gerüche herbei.

Hygiene

Singt, moderiert, schreibt, pfeift sich nichts: Charlotte Roche Foto: ap Singt, moderiert, schreibt, pfeift sich nichts: Charlotte Roche

Es ging bloß um eine 18-Jährige, die sich beim Nassrasieren im Hintern geschnitten hatte. Eine kleine Verletzung, die sich entzündet hatte. Sie lag folglich im Spital, die Finger zwischen ihren Beinen, wurde operiert, ließ sich auch gleich die Hämorrhoiden entfernen ...
Schmutzige Klobrillen liebte die Romanfigur, und wenn man "Feuchtgebiete" als Antwort auf den Hygienewahnsinn verstanden hat, dann war 's gar nicht so übel.

Im KURIER-Interview hat die Autorin gesagt: "Je mehr wir an unserem Körper arbeiten, damit er sexy ist, desto weniger Sex haben wir am Ende des Tages."
Die Deutsche englischer Herkunft, die als Fernsehmoderatorin arbeitet, nützt ihre Bekanntheit, um sich für Feminismus (für einen Sex-positiven Feminismus) einzusetzen bzw. gegen Atomkraftwerke bzw. gegen unkritische Globalisierung.

Der ehemaliger Stern -Chefredakteur Michael Jürgs warf Charlotte Roche vor (und Bushido, Andy Borg, Dieter Bohlen ... ebenso), damit Geld zu verdienen, dass sie unsereins verblödet.
Bei ihr selbst besteht die Gefahr nicht, im Meer der Dummen zu versinken.

(kurier) Erstellt am
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