Kultur
26.08.2017

Richard Fords Blick zurück auf die Eltern

Wer Vater und Mutter kennt, hat eine bessere Sicht auf sich selbst und auf die Welt, wie sie wirklich ist

Hart formuliert: Es gibt nichts Besseres für einen Sohn als einen Vater, der so freundlich ist, bald zu sterben.

Oder wie es Richard Ford um eine Spur "netter" ausdrückt: Es gibt Schlimmeres als den Tod des Vaters.

Ford war 16 damals, und er wurde dadurch selbstständig, frei. Mutter hatte nicht mehr so viel Zeit für ihn. Sie musste Geld verdienen, für sein Studium.

Zwischen ihnen

Heute ist Richard Ford 72.

Und einer der großartigsten Schriftsteller der USA. Oft hat er gezeigt, wie man sein Leben vergeigt und trotzdem noch ein Plätzchen fürs Weiterwursteln findet.

Ford hat seine Eltern porträtiert. "Zwischen ihnen" heißt das Buch, denn zwischen ihnen war er.

Er hat sie getrennt porträtiert, im Abstand von Jahren, und dass er über sie schrieb, hat selbstverständlich mit Sehnsucht zu tun, mit dem Versuch, die Eltern hier sein zu lassen.

Aber es hängt wohl auch damit zusammen, dass das Leben von Edna und Parker Ford, von zwei Menschen vom Land, bedeutende Folgen hatte – nämlich:

Ihn!

Durch einen umfassenden Blick auf die Eltern (betont der Autor) sind die Chancen größer, die Welt so zu sehen, wie sie wirklich ist.

"Zwischen ihnen" funktioniert nebenbei auch gut als Fahrt mit dem Auto durchs Amerika der 1930er, 1940er Jahre. Denn Parker Ford war Handlungsreisender für Wäschestärke, sehr erfolgreich, er reiste Woche für Woche für die Firma Faultless in sieben südliche US-Staaten, und Edna war anfangs immer an seiner Seite und unterrichtete junge Ehefrauen, wie man Wäsche stärkt, sie bügelt, wie man putzt.

Richard Ford weiß freilich nicht alles über seine Eltern, er versucht, ihren Qualitäten gerecht zu werden, sie einzuschätzen, und er lässt dabei gern Lücken, die ihnen die Freiheit geben, mehr zu sein, als sie wirklich waren.

Wo ist eine Fotografie mit den beiden? Nicht im Buch, aber für den KURIER haben Richard Ford und der Verlag eines zur Verfügung gestellt.

Parker lächelnd, fleischig, herzkrank ... kann man in seinem Gesicht lesen, dass er lieber Publikum war, als im Mittelpunkt zu stehen?

Und Edna ... ist ihre Leidenschaft erkennbar und dass sie ihr Leben nicht voll ausschöpfen konnte?

Vielleicht sollte das Buch Anlass sein, die eigenen Eltern genau anzuschauen.

(Ist man älter, ist man alt und redet über seinen "Papa", nicht über "den Vater", so wird man leicht spöttisch angesehen, "Papa" klingt dann seltsam, peinlich fast. WIESO?)


Richard Ford:
„Zwischen ihnen“
Übersetzt von
Frank Heibert.
Verlag
Hanser Berlin.
144 Seiten.
18,50 Euro.

KURIER-Wertung: **** und ein halber Stern