Rechnungshof-Bericht: Viel Dynamit für den Festspielbezirk
Das riesige Bauprojekt „Festspielbezirk 2030“ – die Sanierung des Großen Festspielhauses, der Abbruch des Werkstättengebäudes und der Neubau in den Mönchsberg hinein – verursachte Markus Hinterhäuser massive Kopfschmerzen. Denn der bis zum Vertragsende im Herbst beurlaubte Intendant hätte für die Zeit ab 2028 Ersatzspielstätten finden müssen.
Das Projekt forderte aber noch weit mehr Lukas Crepaz, den kaufmännischen Direktor der Festspiele, heraus. Nach außen hin blieb er immerzu gelassen. Dass der Rechnungshof das Projekt einer Prüfung unterzog, fand er keiner Erwähnung wert.
Ende April schrieben die Festspiele die Intendanz und die Präsidentschaft neu aus. Bis 5. Juni gingen insgesamt 48 Bewerbungen ein. Doch die Interessenten wussten nicht, worauf sie sich einlassen: Wie dem KURIER bestätigt wurde, kommunizierte man die Ergebnisse des Rechnungshofs nicht. Diese lagen aber, wie der RH im Mai bestätigte, bereits seit Wochen vor. Und Crepaz drückte sich, zum sogenannten „Rohbericht“, Stellung zu nehmen.
Der Taktik der Festspiele, die Sache möglichst lange (über den Sommer?) totzuschweigen, machte nun das Magazin profil einen Strich durch die Rechnung: Der RH zeichne „alles andere als das Bild eines solide aufgesetzten Unternehmens: explodierende Kosten, klaffende Finanzierungslücken, ein sich ständig dehnender Zeitplan, kaum eingepreiste Puffer und viele offene Risiken.“ Dies berge gewaltigen Sprengstoff.
Die intensiven Planungen begannen um 2018, nach einem Wettbewerb wurde das zweitteuerste von sieben Projekten zum Sieger gekürt. 2020 gab es die Finanzierungszusagen: 40 Prozent trage der Bund, je 30 Prozent würden Stadt und Land Salzburg beisteuern. Das Projekt sollte 262,76 Millionen Euro kosten. Doch: „Die Errichtungskosten sind aus Sicht des Rechnungshofs zu niedrig bewertet.“ Von Anfang an seien wesentliche Kosten und Risiken nicht in die Gesamtkosten eingerechnet worden. Etwa die Frage, wo während der Sanierung gespielt und produziert werden soll. Auch Fragen des Denkmalschutzes sind weiterhin offen.
Und die Kosten explodierten: Crepaz rechnete im Juni 2024 mit rund 400 Millionen Euro. Aber laut RH könnte das Gesamtprojekt inklusive Schwankungsbreite bis zu 635 Millionen kosten – sofern es nicht zu weiteren Verzögerungen kommt. Das Projekt ist ohnehin im Verzug: Der Festspielbezirk 2030 wird frühestens 2033 fertig. Nun reagierte Crepaz doch. Er stößt sich an der Schwan-kungsbreite. Und: „Der RH-Bericht ermöglicht uns, schon in einer frühen Phase Adaptionen vorzunehmen.“
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